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Unwetter in Franken: Verwüstung binnen drei Minuten

Sturm deckte Dächer ab und vernichtete Teile der Ernte - Blitz schlug in Trafohäuschen ein - 15.08.2011 18:59 Uhr

Ein Bild wie nach einem Erdbeben: Noch am Sonntag stand hier ein festes Gebäude mit einer funktionierenden Fotovoltaikanlage auf dem Dach, der Sturm fegte es hinweg. © Natalis


„So arg“, sagt Christian Schwab“, „so arg ist es noch nie gewesen“. Immer noch steht der alte Mann fassungslos vor dem, was von der Betriebsgebäuden und der Photovoltaikanlage des Juniors übrig geblieben ist. Schon auf dem Weg hinauf zu dem Heidenheimer Ortsteil zeigen sich die ersten Schäden. Überall liegen abgebrochene Äste, am Waldrand sind Bäume einfach abgeknickt und das Obst hat es von den Bäumen geschüttelt. Im Dorf selbst sieht es auf den ersten Blick gar nicht so schlimm aus. Es macht allerdings einen sehr zerzausten Eindruck, Blätter liegen herum, die Blumen sehen arg gebeutelt aus und überall am Straßenrand liegen Äpfel. Doch dieser erste Eindruck trügt. Vor allem am Ortsrand Richtung Hechlingen hat das Unwetter furchtbar gehaust.

Nicht viel übrig geblieben ist beispielswiese von der Solaranlage von Herbert Habermeyer. Sie hat der Sturm mitsamt dem Dach und der Rückwand eines Betriebsgebäudes einfach hinweggefegt. Und nebenan ist auch die große Maschinenhalle in Mitleidenschaft gezogen, die schwere Scheunentür wurde eingedrückt und das Dach abgedeckt. Ein paar Häuser weiter wurde das komplette Eternitdach eines Lagergebäudes runtergerissen. Das Dach flog 15, 20 Meter weit in das Silo des Nachbarn Wilfried Rühl. Ihn hat es außerdem Teile der Maschinenhalle abgedeckt und die Stallfenster eingedrückt. Wilfried Rühl kommt aber erst am diesem Montag dazu, sich das ganze Ausmaß des Schadens zu vergegenwärtigen. Denn der Kommandant der örtlichen Feuerwehr war am Sonntagabend erst einmal für andere im Einsatz. Nun steht er fassungslos vor dem, was einmal ein prächtig im Saft stehendes Maisfeld war. Lediglich zerfledderte Stängel ragen dort noch auf. „Den Mais“, sagt er schockiert, „kann ich nur noch häckseln“. Alles in allem schätzt Rühl allein seinen Schaden auf 100.000 Euro.

Ernte im Schlamm

Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite stand einmal ein Weizenfeld. Es sieht aus wie gerade gedroschen, doch tatsächlich liegt die gesamte Ernte auf dem schlammigen Boden. Ein Bild zum Weinen. Überall in diesem Bereich sind auch die Bäume in Mitleidenschaft gezogen. Abgesplitterte Äste oder Kronen liegen im Gras. In vielen Gärten hat es die gesamte Apfelernte gekostet, manche sind noch dabei, die Früchte aufzuklauben, in anderen Höfen stehen schon Schubkarren voller Äpfel herum.

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Unwetter verwüsten Hohentrüdingen

Nur ganze drei Minuten zog am Wochenende das Unwetter über Hohentrüdingen hinweg. Doch diese drei Minuten reichten aus, um eine Schneise der Verwüstung zu ziehen.


Was sie jetzt mit all den Äpfeln anfangen soll, fragt sich eine Frau verzweifelt, denn „Soviel Süßmost kann man doch gar nicht trinken“. Gleich neben den Äpfelbäumen hat der Sturm ihren massiven Holzschuppen zerlegt. Auch rund um die Kirche ist der Boden fast schon gepflastert mit Äpfeln. Er komme, schildert Erwin Kaiser, mit dem Aufräumen gar nicht hinterher. Einen „mords Schlag“ hat es am Abend vorher getan und schon war das Doch vom Verbindungsbau zwischen Haus und Stall den Hang hinunter verschwunden. Auch vom Stall hagelte es Dachziegel, diese Löcher hat er noch am selben Abend wieder dicht gemacht. Doch für das andere Dach braucht er die Hilfe eines Zimmermanns, erläutert des Sohn des örtlichen Mesners.

Vom Kirchendach sind ebenfalls einige Ziegeln hinuntergerutscht, der Zaun am Friedhof ist eingedrückt. Überall sind die Bewohner Hohentrüdingens damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Wen es nicht so schlimm getroffen hat, der fragt beim Nachbarn, ob er helfen kann. Das Unwetter zog von Süden herauf und kam so schnell, dass man kaum mehr Zeit hatte, die Fenster zuzumachen, schildert ein Betroffener. Frieda Rühl hat zusammen mit ihrer Familie gerade noch die Kühe in den Stall bekommen, dann ging es auch schon los. Innerhalb kürzester Zeit war der Boden von einer dicken Schicht Hagelkörner bedeckt. Und dennoch gibt es für Frieda Rühl und alle anderen in Hohentrüdingen auch einen Grund, dankbar zu seine: Personen, sagt sie, kamen Gott sie Dank nicht zu Schaden.

Chaos auch in der Oberpalz

Auch in der mittleren Oberpfalz wurden Keller überflutet und Bäume entwurzelt. Die Feuerwehren mussten zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. Besonders betroffen waren von dem Sturm mit Starkregen die Landkreise Neumarkt und Amberg-Sulzbach.

In Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) schlug ein Blitz in ein Trafohäuschen ein, im Landkreis Neumarkt wurden zwei Stromleitungen beschädigt. Insgesamt mussten Einsatzkräfte etwa 20 vollgelaufene Keller auspumpen. Zudem mussten mehrere Baustellenabsperrungen und -beschilderungen wieder aufgestellt werden.

Große Fahrgeschäfte gestoppt

Auswirkungen hatte das Unwetter auch in Niederbayern auf das Straubinger Gäubodenvolksfest. Wegen der Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel veranlasste ein Krisenstab, dass die größeren Fahrgeschäfte den Betrieb einstellen. In den Festzelten wurden die Besucher vom Sicherheitsdienst über die aktuelle Lage informiert. Zudem wurde die Westtangente kurzfristig für den Fahrzeugeverkehr gesperrt.

Die Gewitterfront zog den Angaben zufolge aber größtenteils am Gäubdodenvolksfest vorbei. Daher konnte nach etwa einer Stunde wieder zum Normalbetrieb übergangenen werden. Die Besucher des Festgeländes reagierten laut Polizei besonnen und befolgten die Anweisungen der Sicherheitskräfte.

Zahlreiche Bäume mähte des Unwetter, das am späten Sonntagnachmittag über Hohentrüdingen wütete, um. © Natalis


MARIANNE NATALIS/dapd

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