Die Stadt ist um ein Bodendenkmal reicher

Viereckschanze aus der Keltenzeit in Dietfurt entdeckt

21.9.2021, 14:37 Uhr
Im Dietfurter Waldgebiet „Dicke“ sind die Wälle nur schwer erkennbar.

Im Dietfurter Waldgebiet „Dicke“ sind die Wälle nur schwer erkennbar. © Foto: Hubert Stanka

Keltische Viereckschanzen sind vor allem in Süddeutschland und den angrenzenden Ländern nachgewiesen. Sie stehen für die letzte Zeit der keltischen Epoche, ehe die Römer Teile "Germaniens" eroberten. Die Schanzen werden der Latenèzeit zugerechnet, den letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderten.

Die Funktion dieser Viereckschanzen ist in der Wissenschaft nach wie vor nicht unumstritten. Zunächst ging die Forschung davon aus, dass es sich um Kultstätten handelte. In der Regel befanden sich in den Schanzen sogenannte "Kultschächte".

Andere Deutungen und neuere Forschungen weisen hingegen darauf hin, dass es sich um eine Art Landgut oder Sitz der Führungsschicht gehandelt haben könnte und die Kultschächte möglicherweise einfach nur Brunnen waren. Möglich wäre auch eine Mischung der beiden Funktionen.


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Derartige Viereckschanzen sind in der Regel relativ "fundarm", weshalb die Entdeckung bei Dietfurt unter der Aktennummer D-5-7031-0342 nun auch Eingang in die öffentlich zugängliche Denkmalliste fand.

Raubgräber und Sondengänger seien trotzdem gewarnt: Das Absuchen von Bodendenkmälern mit Metalldetektoren ist grundsätzlich verboten. Die Schanze steht zunächst sicher unter besonderer Beobachtung. Die keltische Latenèkultur entwickelte sich aus der Hallstattkultur, für die es in unserem Raum zahlreiche Nachweise gibt. Zuletzt war beim Bau der Umgehung Dettenheim eine größere Siedlung samt Gräberfeld aus der kompletten Hallstattzeit (8. bis 5. Jahrhundert v. Chr.) zu Tage gekommen (wir berichteten). Auch hier reichte die Besiedlung bis an die Latenèzeit heran. In den Treuchtlinger Fluren gibt es zahlreiche Belege der gesamten, rund 800 Jahre währenden keltischen Hochkultur.

Welche keltischen Stämme unsere Region besiedelten, ist nicht sicher belegt, da die Kelten keine schriftlichen Überlieferungen hinterließen. Die Geschichtsschreibung greift hier im Wesentlichen auf römische und griechische Erzählungen zurück.

Kulturelle Deckung ist interessant

Möglicherweise war unser Raum bereits in der vorchristlichen Zeit ein kultureller Schmelztiegel. Belegt für den süddeutschen Raum sind für diese Zeit vor allem die Vindeliker mit ihren Unterstämmen – hier kämen für unseren Raum vielleicht die Rucinates infrage. Auch die Boier siedelten in Süddeutschland. Diese sind möglicherweise Namensgeber nicht nur für Böhmen, sondern vielleicht auch für Bayern.

Interessant speziell für die Altmühlstadt ist die zeitliche und kulturelle Deckung der keltischen Epoche mit jener der italienischen Etrusker. Treuchtlingen lag im Zentrum des keltischen Siedlungsraumes, die Treuchtlinger Partnerstadt Ponsacco lag im Zentrum der etruskischen Kultur. Beide Hochkulturen standen nachweislich in Kontakt.

So fanden sich in süddeutschen, keltischen Fürstengräbern auch in Etrurien hergestellte Gegenstände. Insofern ist die Partnerschaft von Ponsacco und Treuchtlingen so etwas wie eine Neuauflage eines Jahrtausende alten kulturellen Austausches.

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