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Vom Abenteuer Elektroauto

Zwei Weißenburger Grünen-Politiker schildern ihre Erfahrungen - 11.11.2017 07:03 Uhr

Mit der Wallbox können die beiden Grünen-Politiker Katrin Schramm und Maximilian Hetzner aus Weißenburg ihren E-Golf über Nacht aufladen. © Marianne Natalis


"Das sind die Abenteuer der Neuzeit", sagt Katrin Schramm und davon hat die Grünen-Stadt- und Kreisrätin aus Weißenburg in den letzten Wochen einige erlebt. Seit zwei Monaten steht vor ihrer Haustür ein E-Golf und noch fährt "die Angst, stehen zu bleiben" zumindest bei den längeren Strecken mit.

Lange hat Katrin Schramm vor ihrer ersten längeren Tour überlegt, ob sie es wirklich wagen soll und war dann tagelang vorher aufgeregt. Nicht ganz zu unrecht, wie sich schließlich herausstellte, denn auf der Fahrt an den Bodensee war ihr das Glück nicht eben hold. Der Ladevorgang an der Stromtankstelle in Aichstetten wollte einfach nicht funktionieren. Ihr Anruf bei der Servicenummer landete bei einem Mann in Holland, der kein Deutsch konnte. So musste Katrin Schramm ihr Problem auf Englisch schildern. "Das ist das, was du nachts in deiner Verzweiflung brauchst!" Am Ende musste die ganze Ladesäule resettet werden, entsprechend verlängerte sich ihre Fahrzeit. Anstelle der gewohnten zweieinhalb Stunden, die sie früher mit dem Auto benötigte, kam sie jetzt erst nach fünf Stunden an.

Erheblicher Zeitverlust

Auch ihr Lebensgefährte Max Hetzner ist bisher nicht ganz ohne Komplikationen durchgekommen. Vor kurzem musste der Heilpraktiker, der ebenfalls für die Grünen in Stadtrat und Kreistag sitzt, auf eine Tagung nach Kissingen, das liegt so gerade außerhalb der tatsächlichen Reichweite von rund 220 Kilometern. Natürlich hatte er sich vorher informiert, wo eines der damals noch zwei (mittlerweile hat das Paar drei) Kartensysteme auf dem Weg eine Ladesäule betreibt. Wie es der Teufel aber will, versagte sie den Dienst. Aus Schaden klug geworden, hatte sich Hetzner eine Reservemöglichkeit ausgesucht, die allerdings einen Umweg erforderte. Das Hin und Her kostete ihn letztendlich eine ganze Stunde.

An der Infrastruktur, betonen denn auch die beiden Weißenburger, muss noch dringend gearbeitet werden, will man Elektromobilität attraktiver machen. Und auch ein einheitliches Bezahlsystem sei unbedingt notwendig. Zudem müssen die Autos bezahlbar werden. Was im Prinzip möglich sein müsste, denn die technische Entwicklung stecke ja nur in den Batterien, alles andere sei ja vorhanden.

Die beiden Grünen haben den Schritt zum Stromer trotz aller Anfangsschwierigkeiten aber nicht bereut. Allerdings bekommt Zeit plötzlich eine ganz neue Dimension, wissen Max Hetzner und Katrin Schramm mittlerweile, und bei einer Autofahrt gibt es nur noch zwei wichtige Parameter: Wieweit habe ich noch und wie viel schaffe ich noch.

Auch wenn das zunächst wie ein Widerspruch klingt: "Du sitzt viel entspannter im Auto", sagt Max Hetzner. Denn mit Blick auf die Reichweite stellt man seine Fahrweise entsprechend um. "Auf lange Sicht entschleunigt es dich", so Hetzner.

In der Region ist das Elektroauto nach seiner Ansicht "unschlagbar". Gerade für Pendler sei es das ideale Fortbewegungsmittel, denn "da spart man enormes Geld". Bevor man sich ein Auto kaufe, solle man doch einmal realistisch überlegen, welche Strecken man überwiegend fährt. Bei Hetzner und Schramm stellte sich heraus, dass 85 Prozent ihrer Fahrten in einem Umkreis von 100 Kilometer liegen. Und das ist mit dem Stromer gut zu machen.

Solange allerdings mit dem Auto auch immer ein "Freiheitsgefühl" verkauft werde, ist Katrin Schramm wenig optimistisch. Hier sieht die Lokalpolitikerin die Industrie in der Pflicht. Um Elektroautos attraktiver zu machen, müssten verstärkt Pakete angeboten werden, wie es VW bereits tut. Wer einen E-Golf kauft, kann in den ersten drei Jahren bis zu 30 Tage jährlich kostenlos einen Mietwagen für die Urlaubsfahrt in Anspruch nehmen.

Ökobilanz stimmt

Ein Elektroauto ist leise und pustet hinten keine Abgase und schon gar keinen Feinstaub raus. Doch wenn es um die Ökobilanz geht, dann kommt von den Kritikern meist das Argument Batterien, die in ihrer Herstellung sehr aufwendig sind. Vergessen wird dabei allerdings gerne, dass auch für die Produktion von jedem Liter Benzin Energie notwendig ist. Die Ökobilanz, ist Hetzner denn auch überzeugt, ist beim Stromer auf jeden Fall besser als beim Verbrennungsmotor — selbst wenn man keinen Ökostrom tankt.

Was die beiden natürlich tun, darauf legt Katrin Schramm großen Wert. Um ihr Elektroauto über Nacht aufladen zu können, haben sie sich extra eine sogenannte Wallbox zugelegt, darüber fließt mehr Energie in das Auto als über die normale Haushaltssteckdose.

Ab dem Jahr 2030, so das Ziel der Grünen, sollen in Deutschland keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Doch für Hetzner und Schramm ist es nicht einfach damit getan, alle Verbrenner gegen Stromer zu tauschen. Dann hätte man zwar ein abgasfreies, aber immer noch ein Verkehrschaos.

Vielmehr muss sich, ist Hetzner überzeugt, Mobilität insgesamt verändern. Es brauche eine Mischung aus Elektromobilität, Car-Sharing, öffentlicher Verkehr und autonomem Fahren. Autos könnten so selbstständig dort hinfahren, wo sie gebraucht werden. Es gebe Rasenmäher, die selbstständig herumfahren und sich an ihre Station andocken, das dürfe doch auch beim Auto kein "Hexenwerk" sein. Einmal mehr Vorreiter ist hier Tesla. Die Elektroautos der kalifornischen Nobelmarke sind mit Autonomem Fahren ausgestattet. Vorausgesetzt, es gibt einen Mittelstreifen oder einen Randstreifen, an dem sich das Programm orientiert, klappt das auch richtig gut.

Gute Ideen, wie die Fortbewegung der Zukunft aussieht, gibt es viele. Klar ist dabei, dass solche Veränderungen nicht von heute auf morgen geschehen. "Wir müssen nicht plötzlich nächstes Jahr umstellen", sagt Hetzner, das gehe nur Zug um Zug. Allzu lange hin warten darf man aber nicht, ist der Grüne überzeugt, denn in nicht allzu ferner Zukunft werden die Innenstädte für Dieselfahrzeuge gesperrt sein. 

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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