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Von großer ökologischer Bedeutung - Förster bewertet Muna-Wald

Ehemaliger Forstbeamter kennt Baumbestand auf Gelände sehr gut - 30.09.2020 17:38 Uhr

Blick in einen Teilbereich des Muna-Waldes. Herbert Kraus hat hier einen Buchenjungbestand mit eingestreuten Kiefern abgelichtet. Im Vordergrund eine natürlich verjüngte Lärche.

© Foto: Herbert Kraus


Der Forstbeamte im Ruhestand kennt den Wald in der Muna seit vielen Jahren. Er hat dort die Entwicklung, auf großen Flächen, zum naturnahen Wald mitverfolgt. Außerdem hat er dort Brennholz zum Eigenverbrauch gemacht. Beruflich war Kraus im Staatswald des Freistaats und im Privatwald der Forstämter Gunzenhausen und Heideck tätig. Er nimmt für sich in Anspruch, beim Thema Waldbau kompetent zu sein.

Laut Kraus wächst der Muna-Wald im südlichen, westlichen und südöstlichen Bereich auf leicht geneigten lehmigen Sandböden. Dort herrschen starke, ältere Kiefernbestände mit flächigem Buchenunter- und -zwischenstand vor. Vitale Buchengruppen sind eingestreut. Einzelne sehr alte Eichen stehen dazwischen. Sie könnten den Heldbock, Hirschkäfer und Nashornkäfer beherbergen. Kiefernüberhälter, Bäume aus der Vorgängergeneration, etwa 180 bis 200 Jahre alt, stehen gut verteilt in den Flächen. Einige enthalten Höhlen für Hohltaube, Schwarzspecht, Rauhfusskauz und Fledermäuse.

Artenreiche Waldstücke auf dem Muna-Gelände

Im mittleren und nördlichen Bereich der Muna überwiegen wechselfeuchte, lehmig-sandige und sandige Böden. Dort wachsen weitgehend gemischte Wälder aus Douglasie, Buche, Eiche, Kiefer, Fichte, Tanne, Lärche, Ahorn, Ulme, Linde, Hainbuche, Robinie, Vogelbeere. Diese artenreichen, stabilen, teilweise sehr massereichen Wälder, seien gut strukturiert, gestuft und gruppen- und einzelstammweise gemischt. Auf vielen Flächen sei eine dem Standort angepasste Naturverjüngung verschiedenster Baumarten vorhanden.


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"Ins Auge fallen die hervorragende Qualität der Douglasienmutterbäume und deren Naturverjüngung. Kiefernüberhälter, einzelne Tannen und Douglasien erreichen Höhen von annähernd 40 Metern", stellt der aufmerksame Beobachter fest.

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Die zahlreichen Biotopbäume, das umfangreiche Totholz und die strukturreichen, gestuften Bestände, sieht er als von hoher ökologischer Bedeutung an. Hier sei eine vielfältige Flora und Fauna vorhanden. Anzuführen seien hier etwa der mächtige Kolkrabe, die größte heimische Eule, der Uhu und der Rote Milan. Artenvielfalt zeige sich auch auf den Dächern der zahlreichen Bunker. Sie seien häufig mit einer Art Trockenrasengesellschaft bewachsen.

Verschiedene Fledermausarten leben ganzjährig in leerstehenden Gebäuden und ziehen sich im Winter in offene Bunker zurück. Sonnenbeschienene Trümmerhaufen gesprengter Bunker beherbergen unter anderem Reptilien, Unken und Kröten, so die weitere Bestandsaufnahme. Im Nordosten der Muna, einer langgezogenen feuchten Mulde, herrschen Weide und Erle. Das bruchwaldartige Gebiet beherbergt Tümpel und Weiher. Hier stoße man auf ein besonders artenreiches Gelände. Eine große Offenlandfläche mit Trockenrasenvegetation und Heide ergänze das große ökologische Angebot der Munawälder.

"Dieser Wald steht", so Kraus’ Gesamtbetrachtung, "von wenigen Ausnahmen abgesehen sehr stabil, gut strukturiert, vielfältig in der Baumartenzusammensetzung und hervorragend naturverjüngt auf dem Boden." Er sei über viele Jahrzehnte nach den Grundsätzen der "naturgemäßen Waldwirtschaft" behandelt worden. Deshalb sei er beispielhaft auf den Klimawandel und damit notwendige Anpassungen vorbereitet.


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Die "naturgemäße Waldwirtschaft" ziele auf stabile, arten- und strukturreiche Wälder ab. Dynamische Prozesse, etwa das kleinflächige Nebeneinander verschiedener Entwicklungsphasen, sollen möglich sein. Dem Standort entsprechende, heimische Baumarten und dem Klimawandel anpassungsfähige fremdländische Baumarten, können gemischt werden.

Artenreiche und kontinuierliche natürliche Verjüngungen, durch über die Bestände verteilte Mutterbäume, sollen die genetische Vielfalt der Wälder sichern. Geeignete Keimbetten, in dem die Samen aufgehen und anwachsen können, sowie dosiertes Licht durch Öffnungen im Kronendach, sollen zum Erfolg führen, weiß Herbert Kraus.

Center-Parcs-Befürworter hätten Wald schlecht geredet

Seine Zustandsbeschreibung des Areals bei Langlau hat er auch deshalb gemacht, weil nach seiner Meinung der Muna-Wald von den Center-Parcs-Befürwortern von Beginn an schlechtgeredet worden sei. Und die Center-Parcs-Gegner redeten, häufig ohne nähere Kenntnis, von einem eher guten Waldzustand.


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Es sei jetzt mehr als wünschenswert, wenn sich die Öffentlichkeit unter Führung eines Vertreters des zuständigen Bundesforstamts Hohenfels selbst ein Bild von dem Wald und dessen Zustand machen könnte. "Aber die Tore bleiben verschlossen", bedauert der Fachmann aus Pfofeld.

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