Von Gunzenhausen aus Freude beschert

28.12.2016, 07:33 Uhr
Da strahlen zwei um die Wette: Renate Herrmann aus Wald war beim Verteilen der Schuhkartons in Polen dabei und machte damit auch diesem Mädchen eine große Freude.

Da strahlen zwei um die Wette: Renate Herrmann aus Wald war beim Verteilen der Schuhkartons in Polen dabei und machte damit auch diesem Mädchen eine große Freude. © privat

Kurz vor Weihnachten machte sich die engagierte Walderin auf den Weg in die Bundeshauptstadt. Dort hat der Verein „Geschenke der Hoffnung“, der seit 1996 die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ organisiert, seinen Sitz. Eine Aktion für Jungen und Mädchen in Not, die Renate Herrmann seit 1998 mit eigenen Päckchen und seit 2011 mit einer Sammelstelle in Wald unterstützt. Von Berlin aus ging die Fahrt Richtung Polen, mit an Bord waren sechs weitere Sammelstellenleiter sowie Regionalleiterin Nord-Ost, Evelyne Reinhardt.

Herzlicher Empfang

Kuscheltiere und ein persönlicher Gruß durften auch nicht fehlen.

Kuscheltiere und ein persönlicher Gruß durften auch nicht fehlen. © privat

Ziel der beiden mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken voll bepackten Pkws (die Lastwagen mit den Päckchen waren bereits vor Ort) war die 75 000 Einwohner zählende Stadt Pila in Großpolen, die früher Schneidemühl hieß. Ein einfaches Hotel sollte für die nächsten drei Nächte das Domizil der acht Gäste aus Deutschland sein, die herzlich vom Organisationsteam der dortigen Pfingstgemeinde empfangen wurden, wie Renate Herrmann erzählt.

Überhaupt war die Freude überall, wo die Besucher mit den liebevoll gefüllten Kartons auftauchten, groß. „Es war so schön, in die vielen strahlenden Kinderaugen zu sehen“, erinnert sie sich an die Übergabe im Krankenhaus. Die kleinen Patienten machten sich sofort ans Auspacken und freuten sich beispielsweise über ein voll gefülltes Federmäppchen, eine Mütze samt Schal und warmen Handschuhen und süße Leckereien. Und auch Renate Herrmann freute sich, dass alle Päckchen von den Spendern mit viel Liebe und Sorgfalt zusammengestellt waren und meistens auch einen persönlichen Gruß an die Kinder enthielten, der von diesen ebenfalls mit Begeisterung gelesen wurde. „Es ist eben viel mehr als ein Päckchen“, schildert sie ihre Erfahrung.

Weiter ging es etwa 25 Kilometer aus Pila hinaus in eine ziemlich verlassene ländliche Gegend mit nur wenigen Häusern. Nicht nur die einsetzende Dämmerung, auch die beengten und sehr einfachen Wohnverhältnisse der Menschen drückten auf die Stimmung der Verteiler. Umso mehr rührte sie die Freude, mit der sie von den Familien empfangen wurden, und einen Besuch wird Renate Herrmann so schnell sicherlich nicht vergessen: Das Orga-Team vor Ort legt im Vorfeld fest, welches Kind beschenkt werden soll.

Ergreifende Begegnung

Dieses Jahr war auch ein geistig und körperlich behindertes zehnjähriges Mädchen dabei, das außerdem an Mukoviszidose leidet. Aus dem Päckchen kamen ein samtweicher Schal, Handschuhe und ein Kuscheltier zum Vorschein, die ihr die Mutter liebevoll in die Hände gab, damit die Tochter alles selbst befühlen konnte.

Der Inhalt der Päckchen wurde sofort unter die Lupe genommen und stieß stets auf Begeisterung bei den Jungen und Mädchen.

Der Inhalt der Päckchen wurde sofort unter die Lupe genommen und stieß stets auf Begeisterung bei den Jungen und Mädchen. © privat

Dieser fürsorgliche Umgang und diese so absolut stimmigen Geschenke für das kranke Kind gingen der Walderin sehr zu Herzen. „Ich konnte meine Tränen kaum zurückhalten“, blickt sie auf die wohl ergreifendste Begegnung in diesen Tagen zurück. Überhaupt war sie immer wieder überrascht, wie perfekt die Geschenkpakete zu den ja fremden Jungen und Mädchen passten. „Da hat ganz sicher jemand da oben die Hand mit im Spiel“, ist sie mit Blick gen Himmel überzeugt.

Kennenlernen durften sie und ihre Mitstreiter zudem eine große Kinderschar in der Stadt Oborniki, etwa 60 Kilometer von Pila entfernt. Sie alle hatten im letzten Jahr im Rahmen der Aktion einen Schuhkarton erhalten, der immer auch eine Einladung zu einem Glaubenskurs enthält. Viele von ihnen hatten dieses Angebot angenommen und kommen seither regelmäßig in einem Kinderclub zusammen, um gemeinsam zu singen, zu spielen und biblische Geschichten zu hören. Das sind, sagt Renate Herrmann, quasi die Früchte der Hilfsaktion, die somit ein „Türöffner“ für langfristige Unterstützung und Freundschaften sein kann.

Viele neue Eindrücke

Gottesdienste und gemütliches Beisammensein mit dem Orga-Team rundeten die Verteilerreise ab, sodass sich die Besucher mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften im Gepäck auf eine kurzweilige Rückreise nach Berlin machten.

Von dort aus trat wieder jeder für sich die weitere Heimfahrt an, um sich mit einem guten Gefühl auch künftig für „Weihnachten im Schuhkarton“ zu engagieren und für leuchtende Kinderaugen zu sorgen.

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