Montag, 06.04.2020

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Von Japan über Mexiko zurück am Altmühlsee

Nach seinem sportlich erfolgreichen Trip macht sich Florian Gruber auch Gedanken zur Corona-Pandemie - 21.03.2020 07:11 Uhr

Zum Auftakt der Hydrofoil Pro Tour, dem Weltcup der besten Kitesurfer, ließ Florian Gruber (links) in Mexiko einige Konkurrenten hinter sich und schloss den Wettbewerb auf dem guten 4. Platz ab. © Hydrofoil Pro Tour


Freilich, auf die leichte Schulter will Gruber das Thema Coronavirus nicht nehmen, aber in den Wochen vor seiner Rückkehr nach Deutschland war er einfach einen anderen Umgang damit gewohnt. Zunächst bei seinem Aufenthalt Mitte Februar in Japan, dann Ende Februar/Anfang März in Mexiko. "In Japan gab es zu diesem Zeitpunkt bei uns in der Region kaum Fälle. In Mexiko waren wir an einem entlegenen Zipfel in einem kleinen Örtchen, da leben nur Einheimische und Aussteiger aus den USA, da hat sich keiner Gedanken gemacht. Das Virus war nur ein Thema, wenn du Zeitungen gelesen oder den Fernseher eingeschaltet hast", berichtet Gruber, "und dann landest du wieder in Deutschland und damit voll in der Krise."

Bildgewaltiges Spektakel in Yokohama: Beim „Red Bull Ice Cross World Championship“ schnürte Florian Gruber (Zweiter von rechts) wieder die Schlittschuhe – ein Hobby, dem er liebend gerne in seiner Werdenfelser Heimat beim EV Mittenwald nachgeht. Das Trikot der Eishockey-Cracks aus dem kleinen Örtchen bei Garmisch-Partenkirchen geht also um die Welt. © Red Bull Ice Cross


Auf Schlittschuhen in Japan

Zu Beginn des Jahres blieben Board und Kite noch verstaut, Florian Gruber gönnte sich wieder eine Teilnahme am "Red Bull Crashed Ice", das seit diesem Winter unter dem Namen "Red Bull Ice Cross World Championship" läuft. Unverändert bleibt das Prinzip: Auf Schlittschuhen geht es in rasanten Geschwindigkeiten gegen andere Teilnehmer auf einer Eisbahn hinab, ähnlich den Ski- oder Snowboardcross-Wettbewerben.

Da Gruber leidenschaftlich gerne in seiner Werdenfelser Heimat beim EV Mittenwald hobbymäßig dem Eishockeysport frönt, zieht es ihn immer wieder zu dieser besonderen Veranstaltung unter der Regie der gleichnamigen Brausefirma.

Also nahm er am "Red Bull Ice Cross" in Judenburg in der Steiermark teil – und qualifizierte sich dort für einen der größeren Wettbewerbe der Serie in Japan. In Yokohama erreichte er die 1. Hauptrunde, schied dann aber aus.

"Dass ich Eishockey spiele und auch gut Ski fahre, ist sicher eine gute Grundlage für diesen Sport", sagt Gruber und verweist auf die waghalsigen Sprünge auf Kufen in der Eisbahn – diese lassen sich mit Sprüngen auf den Skiern auf der Piste schon auch vergleichen, zumal ist die rasante Bergab-Bewegung nicht fremd und das Fahrgefühl da. "Um da vorne mitzufahren bräuchte ich mehr Spezialtraining, es ist ja nur ein Hobby", sagt Gruber, den eine Teilnahme an der Wettkampfserie "Ice Cross" schon reizen würde. "Das ist ein cooler Sport", sagt der 26-Jährige, "aber um da ernsthaft einzusteigen, da fehlt mir die Zeit."

 

Skeptisch Richtung Mexiko

 

Denn seine Brötchen verdient Gruber bekanntlich mit dem Kiteboarden, wo er zur internationalen Spitze zählt. Jedoch, vor dem Auftakt in die diesjährige Saison war Gruber schon etwas zurückhaltend. "Nach der letzten Saison habe ich auch mal eine Pause gebraucht, dann hat mich eine hartnäckige Erkältung lange geplagt und ich hatte weniger Training auf dem Wasser, als viele meiner Konkurrenten. Körperlich an sich bin ich schon fit, aber bei 100 Prozent war ich nicht", erzählt Gruber.

Mit dieser Skepsis flog er also Ende Februar nach Mexiko, wo auf der Halbinsel Baja California im gleichnamigen Bundesstaat die erste Station der Hydrofoil Pro Tour 2020, dem Weltcup der Kitesurfer, anstand.

Zunächst aber ging es Gruber in La Ventana nahe der Landeshauptstadt La Paz darum, "wieder ins Racing reinzukommen, ich hatte davor lange kein Board mehr an den Füßen". Training stand also im Mittelpunkt, zudem testete er die neuen Produkte seines Ausrüsters. Und im Wettkampf lief es dann ziemlich gut, berichtet Gruber. Nach mehreren Läufen im Golf von Kalifornien schloss er auf Gesamtplatz vier ab, und "ich war nahe an den Top 3 dran", freut sich der seit Jahren beste deutsche Kitesurfer.

Nach einem geglückten Auftakt würde sich Florian Gruber nun also gerüstet fühlen für die nächsten Wettkämpfe. Ende März hätte er am "VAKE 2020" (Varanger Arctic Kite Enduro) teilgenommen, einer mehrtägigen Langstrecken- und Ausdauerveranstaltung für Snowkiter auf der Halbinsel Varanger im nordöstlichsten Zipfel von Norwegen, die aber abgesagt wurde. Die Hydrofoil Pro Tour würde planmäßig Ende Mai in Frankreich ihre Fortsetzung finden, zudem sollte es auf nationaler Ebene um die Deutsche Meisterschaft gehen, bei der Florian Gruber als Titelverteidiger an den Start gehen würde.

Angesichts der Corona-Pandemie wartet Florian Gruber die Entwicklung in den nächsten Wochen einfach ab. Zeit hat er ja, denn auch sein International Management-Studium für Spitzensportler an der Hochschule in Ansbach fordert ihn aus aktuellem Anlass nicht über Gebühr. Individuelles Training im heimischen Garmisch-Partenkirchen steht derzeit an, aufs Wasser geht es am Kochelsee oder Walchensee. Und wenn der Wind passt, wird Gruber auch in seiner zweiten Heimat im Fränkischen Seenland – wo er ja in Wehlenberg bei Muhr am See zu Hause ist – trainieren.

 

Nicht auf Biegen und Brechen

 

Ob noch Wettkämpfe stattfinden werden in diesem Jahr irgendwo auf dieser Welt, das ist für den Kitesurf-Profi Florian Gruber gerade finanziell keine unwichtige Frage, die ihn auch umtreibt. Die aber nicht an erster Stelle steht: "In solchen Zeiten muss man nicht auf Biegen und Brechen um Weltcup-Punkte oder Meisterschaften kämpfen. Vielleicht sollten wir diesen Sommer, wenn hoffentlich alles vorbei ist, nutzen, um uns zu erholen und zur Ruhe zu kommen."

MATHIAS HOCHREUTHER

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