Helfer im Tarnanzug: Bundeswehr unterstützt Gesundheitsamt

Claudine Stauber
Claudine Stauber

Lokalredakteurin Nürnberg

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30.10.2020, 17:24 Uhr
OB Marcus König und Bürgermeister Christian Vogel (rechts) schauen einem Soldaten über die Schulter, der Infizierte anruft und Kontaktpersonen in Quarantäne schickt. Noch bis mindestens Anfang Dezember sollen die Uniformierten im Gesundheitsamt mithelfen. 

© NNZ OB Marcus König und Bürgermeister Christian Vogel (rechts) schauen einem Soldaten über die Schulter, der Infizierte anruft und Kontaktpersonen in Quarantäne schickt. Noch bis mindestens Anfang Dezember sollen die Uniformierten im Gesundheitsamt mithelfen. 

Es ist kein Krieg ausgebrochen. Auch wenn die Männer, die von links und rechts die Büroflure queren, martialische Tarnanzüge tragen. Sie kämpfen, aber ohne Panzer und Maschinengewehr. Bewaffnet sind diese Soldaten ausschließlich mit Telefonhörern.

"Guten Tag, wie geht es Ihnen?" sagt der Hauptgefreite Lucas Heinrich gerade. Seit ein paar Wochen verstärkt er die Corona-Truppe in Langwasser, die kaum nachkommt mit der Arbeit. Denn die Pandemie ist immer schneller.

Ja doch, sagt Heinrich. Nicht alle seien nett. Mancher raunze ihn auch an, er habe "die ganze Corona-Scheiße so satt". Also braucht es Nervennahrung in dem kahlen Raum mit dem blauen Linoleumboden und den offenen Fenstern.

Ganze Stapel Hanuta-Kekse, dazu Mandarinen, Mineralwasser und ein an den Rücken eines Bürostuhls geklebter gelber Zettel sollen helfen. "Guten Morgen! Gute Laune!" hat jemand daraufgeschrieben.

"Jeder ist wertvoll"

Hauptgefreiter Heinrich, einer von mittlerweile 28 Bundeswehr-Helfern, kommt vom Panzerpionier-Bataillon Bogen in Niederbayern. Auch das Sanitätsregiment Feldkirchen und der Heeresmusikchor Veitshöchheim haben Kollegen und eine Kollegin geschickt.

"Jeder, der hier am Telefon sitzt, ist wertvoll", sagt Oberbürgermeister Marcus König, der der Truppe in der Lina-Ammon-Straße gestern einen Besuch abgestattet hat. Der Verlängerungsantrag sei schon raus, mindestens bis Anfang Dezember sollen die Tarnanzüge im Bürogebäude noch zum Alltag gehören.

Auch wenn sich die Infektionszahlen innerhalb einer Woche verdoppelt hätten, so König, könne das Personal nicht einfach so mitwachsen. Es brauche erst zusätzliche Räume dafür - Büros in der Innenstadt sind jetzt dazugekommen - und Schulungen, damit die Helferinnen und Helfer auf die Welt losgelassen werden können.

Bei den verhängten Quarantänen und den Entlassungen aus der Isolation gebe es aktuell keinen Rückstand, lobt der Oberbürgermeister. Er bittet aber, auch mit Blick auf die vielen Beschweren von Betroffenen, "um Verständnis, wenn Fehler passieren".

Zuerst Infizierte kontaktieren

Die Stadt will an ihrer Strategie festhalten, zuallererst Infizierte kontaktieren, dann zumindest versuchen, alle Kontaktpersonen anzurufen. Dies könne nicht immer an einem Tag passieren, betont Marcus König. Bei 100 Fällen am Tag kämen täglich bis zu 1000 Kontaktpersonen dazu.

Allein in den vergangenen zwei Wochen seien 35 Kräfte dazugekommen. Und es sollen noch mehr werden. Die Polizei wird vielleicht Unterstützung schicken. Zurzeit laufen Gespräche darüber. Am Bürgertelefon (231 10 644), das besonders überlastet ist, würden bald fünf weitere Vollzeitstellen geschaffen, hieß es. Auch die Testkapazität am Flughafen ist laut Bürgermeister Christian Vogel auf 3000 Tests am Tag verdoppelt worden.

Vogel hat kein Verständnis

Auf Facebook habe er mitbekommen, dass manche kurz vor dem Lockdown am Montag noch dazu aufrufen, jetzt noch mal kräftig auf den Putz zu hauen. Christian Vogel findet das ziemlich daneben. Den Verstand müsse man bereits am Wochenende einschalten.

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