Bestatter-Schwemme

Herzogenaurach: Mehr Auswahl beim letzten Weg

1.6.2021, 05:50 Uhr
Das Bestatter-Ehepaar Felix und Katharina Meißel hat am Polizeikreisel in Herzogenaurach eine Filiale der

Das Bestatter-Ehepaar Felix und Katharina Meißel hat am Polizeikreisel in Herzogenaurach eine Filiale der "Bestattungen Meißel GmbH" eröffnet © Hans von Draminski, NN

Die Werbeidee funktioniert: In Herzogenaurach spricht man über den lilafarbenen Sarg in der Auslage des Geschäftes am Polizeikreisel, in dem bis zum Sommer 2020 eine kleine Weinhandlung residierte. Nun hat hier das Frauenauracher Familienunternehmen "Bestattungen Meißel GmbH" seine Pforten geöffnet. Felix Meißel, seine Frau Katharina und Senior Franz Meißel wollen das Herzogenauracher Büro an mindestens zwei Tagen pro Woche öffnen; außerdem gibt es Service-Nummern, um auch außerhalb der Geschäftszeiten für die Kundinnen und Kunden da sein zu können. "Das Bestatter-Business hat sich stark verändert", ist Felix Meißel überzeugt. In Frauenaurach hat das Unternehmen eine eigene Trauerhalle und ein Café, "das macht uns ein Stück weit unabhängig von Friedhofs-Öffnungszeiten", erklärt Meißel.

Expansion lange geplant

Die Expansion nach Herzogenaurach habe man "seit Jahren geplant", nachdem man hier schon seit Jahren immer mal wieder tätig geworden sei. "Da kamen konkrete Anfragen unter anderem von Herzogenaurachern und Niederndorfern", erinnert sich Felix Meißel, der seine Herzogenauracher "Zweigstelle" künftig immer dienstags und donnerstags von 9 Uhr bis 11 Uhr öffnen will. Und der lila Sarg? "Ist natürlich als Hingucker gedacht", lächelt Katharina Meißel. Grundsätzlich gehe der Trend auch bei Bestattungen aber tatsächlich zu ungewöhnlicheren Ideen auch und gerade bei Särgen. "Man kann alle RAL-Farben haben", versprechen die Meißels. Für einen Fußballfan die Farben des 1. FCN inklusive Vereinswappen zu liefern, sei jedenfalls kein Problem. Und das gilt auch für ungewöhnliche Wünsche: "Wir hatten eine Kundin, die ihrem verstorbenen Mann am offenen Sarg das Buch zu Ende vorgelesen hat, das er nicht mehr fertiglesen konnte", erzählt Katharina Meißel. Alles in allem sei der Umgang mit dem Sterben und dem Tod in den letzten Jahren anders geworden - und in gleichem Maße habe sich das Arbeitsfeld der Bestatter verändert.

Seminare, Workshops und die Digitalisierung

Johannes Bauer, Chef des Fürther Bestattungsunternehmens

Johannes Bauer, Chef des Fürther Bestattungsunternehmens "Bestattungen Burger", mit seinem historischen Mercedes-Leichenwagen vor der Herzogenauracher Zentrale in der Hauptstraße Nummer 53 © Hans von Draminski, NN

Dieser Entwicklung trägt auch Johannes Bauer Rechnung, dessen Herzogenauracher Büro von "Bestattungen Burger" in der Hauptstraße zu finden ist. Das Fürther Traditionsunternehmen startete in Burgfarrnbach, zog im Jahr 2000 nach Fürth, wo man die Werbung für die "Trauerhalle Burger" regelmäßig auf Plakatwänden findet. Filialen in Oberasbach und in Stein kamen im Lauf der Zeit dazu. Auf Herzogenaurach kam Johannes Bauer "beim Rennradfahren", wie er augenzwinkernd erzählt. "Die Stadt hat mir gefallen und sie hat Potenzial", meint Bauer, dem es "Spaß macht, neue Wege zu gehen", wie er sagt. Das Bestattergeschäft beschränke sich längst nicht mehr auf Beerdigungen, betont Bauer. Deshalb bietet er unter anderem auch Seminare und Workshops an, hält Referate vor Schulklassen und medizinischem Fachpersonal, in denen es nicht nur um Themen wie Sterbebegleitung und Trauerarbeit geht, sondern unter anderem um gesellschaftliche Prozesse, um Teambildung und Nutzung von Synergien in vielen Bereichen des Lebens.

Veränderung der Trauerkultur

Die Digitalisierung, sie hat längst auch auf dem letzten Weg Verstorbener Einzug gehalten. Beratungsgespräche per Videokonferenz und die virtuelle Zuschaltung zu Trauerfeiern stellen laut Bauer kein Problem mehr dar. "Die Veränderung der Trauerkultur ist ein Phänomen, das ich seit Jahren begleite", führt Bauer aus. Und "virtuelle" Formate - sei es ein regelmäßiger "Bestatter-Talk" auf Instagram oder ein Account beim hauptsächlich auf junge Menschen abzielenden Sozialnetzwerk "TicToc" - würden zunehmend wichtiger.

Tradition im Mittelpunkt

Die Herzogenauracher Bestatterfamilie Manuela, Mirjam und Erich Petratschek (von links) setzt auf Tradition.

Die Herzogenauracher Bestatterfamilie Manuela, Mirjam und Erich Petratschek (von links) setzt auf Tradition. © Hans von Draminski, NN

Auf Rundum-Betreuung setzt man bei "Bestattungen Petratschek": Das Familienunternehmen sieht Bestattungen "als eine diskrete Sache", wie Firmenchef Erich Petratschek, der die Firma mit Frau und Tochter betreibt, im Gespräch betont. Bandenwerbung beim örtlichen Fußball-Verein oder einen Aufkleber auf dem Info-Mobil findet Erich Petratschek dagegen eher unpassend für ein Bestattungsunternehmen. Im Vordergrund stehe der Service für die Hinterbliebenen. Das schließe auch ein, dass das Petratschek-Team sich etwa mit den Versicherungen in Verbindung setzt und im Zweifelsfall für die Hinterbliebenen auch Vorschusszahlungen beantragt. Vor einigen Jahren zog man ins Industriegebiet um, nun gibt es beispielsweise Parkplätze vor der Tür, was für eine Klientel von älteren und/oder bewegungseingeschränkten Menschen wichtig und attraktiv sei.

Europaweit unterwegs

Als Beerdigungsunternehmen sind die Petratscheks - Tochter Mirjam ist ebenfalls geprüfte Bestatterin - europaweit unterwegs, sie beerdigten auch schon Verstorbene in Süditalien und Frankreich. Zur Dienstleistung gehört das "Drumherum", das meist selbst gemacht wird - von der Gestaltung der Traueranzeige bis zu "Grab-Memorys" mit Fotos der Verstorbenen. Dabei bleibt die Linie eher konservativ, die Tradition steht im Mittelpunkt. Und statt bunter Särge werden eher Modelle in naturbelassenem Holz empfohlen. "Aber grundsätzlich bekommen die Kunden, was sie wollen", hält Erich Petratschek fest. Ob er Angst vor der Konkurrenz hat? "2001 hat es mal ein Bestattungsunternehmen versucht, in Herzogenaurach Fuß zu fassen, das war aber nach zwei Jahren wieder weg", erinnert sich Erich Petratschek.

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