Donnerstag, 01.10.2020

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Erlanger Richter sprechen Urteile im Gesundheitsamt

Umzug für zwei Jahre - 08.08.2020 06:57 Uhr

Die Eingangskontrolle gibt es natürlich auch in dem Ausweichquartier. Zwei Wachtmeister und zwei Security-Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf.

© Foto: Harald Hofmann


Wer in der Stadt Erlangen oder im Landkreis Erlangen-Höchstadt eine Straftat begeht, landet mitunter vor dem Amtsgericht in Erlangen. Doch nun stehen die Straftäter nicht mehr in der Mozartstraße vor dem Richter, sondern in der Schubertstraße. Ein Teil des Erlanger Amtsgerichtes ist interimsweise umgezogen.

Die alten Sitzungssäle in der Mozartstraße haben ihre besten Jahre hinter sich. Obwohl dieser Trakt als "Neubau" bezeichnet wird, sind die 1981 bezogenen Räumlichkeiten nicht mehr zeitgemäß. "Der Neubau ist in die Jahre gekommen und entspricht – vor allem bei der Klimatisierung – nicht mehr dem Stand der Dinge", erklärt der Direktor des Amtsgerichts, Helmut Köhler.

Bereits vor zehn Jahren habe es erste Überlegungen für eine energetische Sanierung des Neubaus gegeben, erläutert Geschäftsleiter Jörg Seitz. Die Planungen begannen noch während der Amtszeit von Direktorin Gerda Reitzenstein, wurden dann im Wesentlichen von Margit Zorn vorangetrieben, und nun wurde unter Helmut Köhler mit der Umsetzung begonnen.

Zunächst hatte man gehofft, nur die Sitzungssäle umziehen zu müssen. "Doch die Lärmbelästigung durch die Arbeiten wäre für die Büroangestellten darüber zu hoch gewesen", sagt Seitz. Also habe man sich dazu entschlossen, den kompletten Neubau umzusiedeln, sprich: die drei Abteilungen Strafsachen, Familiengericht und Nachlass sowie die Zweigstelle der Staatsanwaltschaft.

"Glückliche Fügung"

Doch wohin mit den Sitzungssälen, den Büros und den rund 45 Personen – immerhin über ein Drittel der Gesamtbelegschaft? Eine Containerlösung war angedacht, der Himbeerpalast stand zur Diskussion, doch durch eine laut Seitz "glückliche Fügung" brachte die Immobilienverwaltung des Freistaates Bayern dann das ehemalige Gesundheitsamt ins Spiel.

Das Gebäude war nämlich mit dem Neubau des Landratsamtes und der Verlegung des Gesundheitsamtes dorthin frei geworden. "Es ist zwar erheblich kleiner als die Räumlichkeiten in der Mozartstraße, es passt aber und vor allem die Nähe zum Hauptgebäude war ein entscheidendes Kriterium", erklärt Seitz.

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Amtsgericht residiert im Gesundheitsamt

Ein Teil des Erlanger Amtsgerichtes ist interimsweise von der Mozartstraße in die Schubertstraße umgezogen. Der Grund: Die alten Sitzungssäle werden energetisch saniert.


Rund zwei Jahre lang wird das ehemalige Gesundheitsamt nun das Amtsgericht beherbergen. Freilich waren dafür noch Umbauten nötig: Zwischenwände wurden entfernt, um größere Sitzungssäle zu schaffen, die Richterpodeste und Klimaanlagen wurden installiert, Akustikdecken eingezogen sowie die Fenster von außen verspiegelt. Die Büros wurden nur aufgehübscht. "Wir haben uns aufs Nötigste beschränkt. Dennoch hat die Ertüchtigung etwa ein dreiviertel Jahr gedauert", so Seitz.

Engagierte Mitarbeiter

Ende Juli war es dann soweit: Mit Sack und Pack sind die drei Abteilungen in die Schubertstraße gezogen. "Vor allem die Aktenberge waren eine Herausforderung", sagt der Pressesprecher des Amtsgerichts, Richter Wolfgang Pelzl. Ein Umzugsunternehmen half, aber vor allem seien auch die Mitarbeiter sehr engagiert gewesen, loben Köhler, Seitz und Pelzl. In der Mozartstraße beginnen am Montag die Umbauarbeiten. Dann werden die Sitzungssäle komplett modernisiert, auch der Grundriss wird verändert. So wird beispielsweise ein Sitzungssaal geteilt, damit dort künftig auch der Bürgerservice der Justiz Platz finden kann.

Ende Juni 2022 soll die Sanierung, die etwa 4 bis 5 Millionen Euro kosten wird, abgeschlossen sein. Und dann heißt es: Alles wieder retour.

JEANETTE SEITZ

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