Dienstag, 10.12.2019

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Herzogenaurachs Partnerstadt Kaya erlebt Flüchtlingswelle

Weit über 100.000 sind vor dem islamistischen Terror geflohen - Hilfe tut not - 16.11.2019 06:35 Uhr

Warten auf Lebensmittel: Frauen und Kinder an einer der Ausgabestationen. In der Partnerstadt Kaya in Burkina Faso suchen derzeit über 100 000 Menschen Zuflucht vor dem Terror im Norden des Landes. © Stadt Kaya


Kayas Bürgermeister Boukaré Ouédraogo und zweite Bürgermeisterin Renate Schroff hatten sich in ihrer gemeinsamen Arbeitswoche in Châtellerault im Oktober ausführlich über die Lage ausgetauscht. Die Vertriebenen lassen sich in drei Gruppen aufteilen, erklärt Quédraogo. Die erste Gruppe bilden die Kayaner, die ihre Heimat verlassen hatten, um in entfernteren Dörfern ein neues Leben anzufangen. Unter der Bedrohung des Terrors kehren sie nach Hause zurück und werden in ihren Familien, so gut es geht, wieder aufgenommen.

Die zweite Gruppe sind Burkinabè, die aus der Provinz San Matenga bzw. der Region Centre-Nord (Hauptstadt: Kaya) stammen, die man noch kenne. Sie verlassen ihre Dörfer nach einem Angriff, der sie terrorisiert. Die dritte Gruppe stammt aus weiteren Regionen, in denen der Terror ebenfalls wütet, insbesondere der Region Nord oder Sahel, die an Mali und Niger angrenzen. Unter diese Vertriebenen können sich Terroristen mischen, die so den Kontrollen der Polizei an den Toren der Stadt entgehen und eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, sorgt sich Bürgermeister Ouédraogo.

Man habe mit aus- und binnenländischen, terroristischen Akten zu tun. Verschiedene Arten von Angreifern seien unterwegs, um die Bevölkerung zu drangsalieren: Es gebe "Anzünder" von Trinkstuben (Maquis), wo sich die lokale Bevölkerung manchmal aufhält, Viehdiebe, die nicht zögerten, Bauern zu ermorden. Auch Angreifer auf religiöse Stätten, ungeachtet aller Glaubensrichtungen sind aktiv. Beim Attentat von Dablo, am 12. Mai starben der Pfarrer, ein ehemaliger Schüler von Pfarrer Jean Désiré, sowie fünf Gemeindemitglieder. Schließlich würden auch Schulen angegriffen.

Das hat zur Folge, dass viele Schulen aus Angst vor Terroristen ihre Tore schließen oder dass sie in den Streik treten und mehr Schutz einfordern. Bürgermeister Ouédraogo berichtete, dass bereits 17 seiner Dorfschulen geschlossen haben.

Laut Bürgermeister Ouédraogo gehen die Terroristen, die von Burkina Faso aus handeln, mit System vor, um das Land zu destabilisieren. Sie beschwören Konflikte zwischen den Volksgruppen in Burkina Faso herauf, treten Religionskonflikte los und wollen hauptsächlich, so Quédraogo, die Regierung unter Rock Marc Kaboré zu Fall bringen. Quédraogo bringt den ehemaligen Präsidenten Blaise Campaoré damit in Verbindung. Dieser könne damit eine Rückkehr an die Macht vorbereiten.

Fragen und Folgeprobleme der Massenflucht tauchen auf: Ganze Dörfer stehen nun leer und verlassen, da die Bevölkerung geflüchtet sei. Sie können leicht in die Hände der Angreifer fallen, da keiner da ist, um sie zu verteidigen. Die Felder liegen brach, weil keine Bauern mehr im Dorf seien, um sie zu bestellen. Die Stadtverwaltungen seien ebenso aufgegeben.

Wenn die Vertriebenen nicht bald nach Hause zurückkehren können, werden sie anfangen, Grund für sich zu reklamieren und zu bestellen, der eigentlich den Kayanern gehört, so der Bürgermeister. Das bedeutet ein Ungleichgewicht und unzureichende Flächen für alle, folglich zu wenig Anbau, zu wenige Nahrungsmittel. Die Ernte 2019 sei ohnehin durch den Mangel an Regen erneut schlecht ausgefallen. Die nächste Hungerkatastrophe stehe vor der Tür.

Die Schulgebäude Kayas, auch mit Herzogenauracher Hilfe gebaut, dienten während der Sommerschulferien als Flüchtlingsunterkünfte, da die meisten noch immer obdachlos seien. Im Oktober konnten sie nur mit Mühe zum Schulbeginn wieder freigeräumt werden. Die Kinder der Vertriebenen werden in den Schulen von ihren Eltern genauso wie die der Einheimischen angemeldet. Das führt dazu, dass die Schulen nicht genügend Aufnahmekapazitäten haben und nicht genügend Schulbänke. Zunächst aber komme es darauf an, die vielen Menschen in Kaya mit Nahrung zu versorgen. Hierfür habe die Bevölkerung von Herzogenaurach Beeindruckendes geleistet, .

Nach dem Spendenaufruf des Vereins Herzogenaurach – Kaya und der Stadt Herzogenaurach gingen über 14.000 EUR ein, die in zwei Raten nach Kaya überwiesen wurden. Auch eine Spende der Mittelschule von 2000 Euro im Juli diente der Versorgung der Flüchtlinge.

10.000 EUR von Lauf für Kaya! wurden für den Kauf von elf Zelten für die Versorgung und die Unterbringung von Flüchtlingen genehmigt und überwiesen. Die Zelte sind Anfang Oktober in Kaya eingetroffen.

InfoSpenden kann man weiter auf das Sonderkonto des Vereins Partnerschaft Herzogenaurach Kaya e. V., Sparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach, IBAN: DE44 7635 0000 0060 0982 72 Stichworte: "Flüchtlingshilfe in Kaya 2019" oder "Schulbänke für Kaya" überweisen. Auf Anfrage erteilt der Verein Partnerschaft Herzogenaurach Kaya eine Spendenquittung.

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