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Freitag, 03.07.2020

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Macht das Schwimmen in Herzogenaurach noch Spaß?

Das Herzogenauracher Freibad hat wieder geöffnet. Ein Stammgast berichtet. - 16.06.2020 06:57 Uhr

Im Schwimmerbecken Bahnen ziehen. Das ist möglich. Auf einer Seite der Doppelbahn hin, auf der anderen zurück, alles im Uhrzeigersinn. Die mittlere der fünf Bahnen ist gesperrt. © Foto: Oliver Koprivnjak


"Herzogenaurach hat darauf gebrannt, dass wir wieder öffnen", sagt Bäderchef Patrick Geiger und erzählt vom allerersten Tag der Post-Corona-Freibad-Phase. 150 Gäste. Obwohl das Wetter eher grau als blau war. Trotz all der Auflagen, die die Schwimmer einhalten und die Bademeister kontrollieren müssen. Wie bei allen Einrichtungen, die ihre Tore jetzt wieder entriegeln, ist es letztendlich eine Öffnung auf Bewährung. Ein Austesten des Möglichen. Freibad in Corona-Zeiten? Kann das funktionieren?

Im Nichtschwimmerbecken können sich zwar Kinder und Jugendliche tummeln, die große Rutsche dürfen sie jedoch nicht benutzen. Sie bleibt vorerst zu. © Foto: Oliver Koprivnjak


Die erste Bewährungsprobe wartete am vergangenen Freitag, als Schulferien und Sommerwetter erstmals aufeinandertrafen. Insgesamt 500 Menschen suchten den Weg ins Wasser oder auf die Wiese. "Die Mehrheit ist sehr geduldig gewesen und hat sich an die Regeln gehalten", sagt Geiger. "Und mit unseren Stammgästen haben wir sowieso keine Probleme." Einer dieser Stammgäste ist Siegfried Köhler.

Jeden Morgen zwischen 8 und 10 Uhr das Freibad besuchen und anschließend Runde für Runde drehen, das war seine Routine. Dann kam Corona. "Das hat ein richtiges Loch in diese Zeit gerissen", erzählt Köhler. "Andere brauchen jeden Morgen ihren Waldlauf, wir brauchen eben das Schwimmen". Dass dies derzeit nur unter Einschränkungen gestattet ist, macht den Stammgästen daher wenig aus. Hauptsache, die Routine kehrt langsam zurück.

Die Stimmung, das gibt der Frühschwimmer zu, sei zwar durchaus eine andere als noch im Vor-Corona-Zeitalter. "Man merkt natürlich den Unterschied, wenn man zu den Spinden läuft", sagt Köhler. "Man ist angespannter, fast wie beim Einkaufen". Abstand halten, im Uhrzeigersinn schwimmen, nur bestimmte Wege nutzen.

Selbst am Freitag, als sich das Freibad bereits am Morgen langsam zu füllen begann, wurde all das größtenteils eingehalten. Zum einen, weil sich Schwimmgenuss dadurch kaum beeinträchtigt wird. "Nur den Kindern muss man manchmal ausweichen", sagt Köhler. Zum anderen, weil niemand einen Corona-Fall und damit die erneute Schließung des Freibads riskieren will. "Die Leute sind einfach heilfroh, dass es endlich weitergehen kann", erklärt er. Die Konsequenzen des Regelbruchs forcierten die Regeleinhaltung.

Eine Beobachtung, die auch Patrick Geiger gemacht hat. "Die Menschen sind dankbar", sagt der Bäderchef. Nur vereinzelt hätten die Bademeister Probleme wahrgenommen, wenn etwa der Beckenrand zur Sitz- oder Sprungmöglichkeit umfunktioniert wurde. "Da werden wir vielleicht nochmal nachjustieren müssen". Denn auch er weiß: Die Sommermonate kommen erst noch. Die wahren Bewährungsproben somit auch. Und die wieder entdeckte Routine soll diesmal bleiben.

OLIVER KOPRIVNJAK

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