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Adelsdorfs neuer "Stadtteil" ist bald fertig

Von 550 Häusern im Gebiet "Reuthsee" fehlen nur noch 100. Alle sind verkauft. Die dichte Bauweise blieb nicht unumstritten. - 23.04.2020 06:57 Uhr

Kennzeichnend für die Reuthsee-Siedlung sind die Reihenhäuser. Das Gebiet ist dicht bebaut.


Bis es jedoch zu dem Projekt kam, verging viel Zeit. Begonnen hatte alles mit der Tatsache, dass das Aldi-Zentrallager von der Bahnhofstraße an den südlichen Ortsrand von Adelsdorf zog und Aldi sein Grundstück an einen Investor aus Luxemburg verkaufte. Wer hinter diesem Investor steckte, kam nie so richtig ans Licht. Der damalige CSU-Gemeinderat Hans Mönius war sich seinerzeit aber sicher, dass BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, dahinterstecke.

Dann erfuhr Fischkal quasi nebenbei, dass "über Nacht" das 18 Hektar große Gebiet von der Nürnberger Investmentgruppe Kraus und deren Diplom-Betriebswirt Ralph Munck übernommen wurde. Jetzt hatte der neue Investor ein Gesicht, mehrmals wurde er in der Gemeinde vorstellig und erläuterte seine Absichten bezüglich des neuen Ortsteils. Mit Munck gab es im Gemeinderat allerdings kein Wunschkonzert der Kommunalpolitiker; Munck sagte, er wisse, wo die Reise im "Reuthsee" hingehen müsse. Die Mitglieder des Gemeinderates waren dennoch froh, dass sich jemand an ein derart gigantisches Wohnprojekt wagte, einstimmig votierten sie für das Vorhaben.

 

Viele Vorbereitungen

 

Bevor es losgehen konnte, waren aber zahlreiche Vorbereitungen nötig: Ein Bodengutachten brauchte es, ein Emissionsgutachten, Verträglichkeitsstudien, Umweltgutachten. Zusammen mit der Polizei wurden die damals aktuellen Verkehrsströme rund um Adelsdorf gemessen und hochgerechnet. 2015 begannen dann die Bauarbeiten. Der Investor gab dem Gebiet den Namen "SeeSide", weil der große Karpfenweiher des Hoteliers Waldemar Schmitt gleich angrenzt. In rekordverdächtiger Zeit wurden Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser aus dem Boden gestampft.

Laut Ralph Munck waren zu Spitzenzeiten bis zu 250 Facharbeiter gleichzeitig im "Reuthsee" beschäftigt. In Massivbauweise entstanden Häuser mit Namen wie "Fun", "Trendly" oder "Sunshine". Die Nachfrage nach dem bezahlbaren Wohneigentum war gigantisch.

Doch je größer das Wohngebiet wurde, umso mobiler wurden nicht nur die Befürworter, sondern auch die Gegner der ziemlich dichten Bebauung. Die Nürnberger Investoren traten dem mit einem vergleichsweise teuren Spielplatz entgegen: Munck ließ am Rande des Wohngebiets einen Spielplatz für mehr als 500 000 Euro (ohne Grundstückskosten) errichten, inklusive Kleinfußballfeld mit Kunstrasen.

 

Noch 100 Häuser

 

"Wenn wir gänzlich fertig sind, dann stehen 550 Häuser/Wohnungen", sagte Ralph Munck dieser Tage auf Anfrage. Adelsdorf wird dann wohl um 2000 Einwohner gewachsen sein.

So um die 100 Häuser würden jetzt noch entstehen, bei vielen sei die Bodenplatte längst getrocknet. "Und wir haben alle Häuser zu 100 Prozent verkauft", auch die, die noch nicht stehen, sagte Munck. Die Käufer kamen aus ganz Nordbayern, vor allem aber aus Forchheim und der Umgebung. Rund ein Drittel der Menschen arbeite bei Siemens Healthineers.

Und was das Thema starke Bevölkerungszunahme angeht: Die Einwohnerzahl sei in Adelsdorf schon immer gewachsen, sagt Bürgermeister Karsten Fischkal, die Schulen und Kindergärten seien dementsprechend mitgewachsen.

"Und wir werden vielen Familien auch in Zukunft die Möglichkeit geben, in Adelsdorf zu leben und hier sesshaft zu werden", das hänge nicht nur mit dem Reuthsee-Gebiet zusammen, betonte Bürgermeister Fischkal.

NIKO SPÖRLEIN

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