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„Als Angler wird man ein guter Naturbeobachter“

50 Jahre Fischereiverein: Vorsitzender Horst Olbrich über Graskarpfen, die Tricks der Angler und die Wiederansiedlung von Fischarten - 22.02.2012 12:40 Uhr

Welches ist der größte Fisch, den Sie bisher gefangen haben?
Horst Olbrich: Ein Dorsch im Meer vor Norwegen. Es hat eine halbe Stunde gedauert, ihn aus 65 Meter Tiefe hoch zu bekommen. 1,22 Meter lang, 18,2 Kilo schwer. Das war ein guter Tag.

Sie haben 1968 mit dem Angeln angefangen. Was ist damals passiert?
Olbrich: Bei einem Jugoslawien-Urlaub habe ich einen Bekannten gefragt, ob er mir mal das Angeln zeigt. In einem Süßwasser-See habe ich dann vor allem Graskarpfen gefangen. In dem Urlaub habe ich dann mehr geangelt als gebadet. Zuhause bin ich dann dem Herzogenauracher Fischereiverein beigetreten.

Seit 1992 sind Sie Vorsitzender. Das Erstaunliche: Seit der Vereinsgründung vor 50 Jahren sind sie erst der dritte, der diese Funktion einnimmt.
Olbrich: Darauf bin ich stolz, denn das spricht für die Kontinuität in unserem Verein.

Hat sich denn nichts verändert in dieser Zeit?
Olbrich: Natürlich hat sich viel getan. Die Probleme der Angler sind andere als früher.

Können Sie das näher beschreiben?
Olbrich: Die Fischer müssen ja immer bestrebt sein, dass ihre Gewässer sauber sind. In den 60er Jahren aber war die Gewässerverschmutzung sehr hoch. Da konnte man die Fische kaum essen, ohne sie vorher lange gehältert zu haben. Jetzt ist das anders. Aisch und Aurach sind mittlerweile sehr gute Gewässer, die Kläranlagen, die in der Vergangenheit gebaut wurden, haben viel gebracht.


Was belastet aktuell den Fischbestand?
Olbrich: Das sind vor allem die vielen Verbauungen in den Flüssen: Mühlen, Sperrwerke, Wasserkraftwerke, Schleusen. Für viele Wanderfischarten, die in den Flüssen leben und im Meer laichen oder umgekehrt, ist es fast unmöglich, die Flüsse rauf- oder runter zu kommen. Ich weiß von Geschichten der Müller an der Reichen Ebrach, die haben erzählt, dass im Herbst zur Wanderzeit der Aale die Mühlräder stillstanden, weil so viele Aale unterwegs waren.

Diese Zeit wird kaum zurückkommen?
Olbrich: Es gibt die Versuche mit den Fischtreppen, die die Fische um die Querverbauungen herumleiten, aber nicht alle funktionieren wirklich gut. Vor allem bei geringen Wassertiefen wie an Aisch, Aurach oder Reicher Ebrach haben sie kaum positive Effekte. In unserer Gegend gibt es auch keine, soweit ich weiß.

Was tun?
Olbrich: Wir versuchen das durch Fischbesatz auszugleichen, mit fachlicher Unterstützung der Behörden. Das ist nicht einfach. 2011 haben wir erstmals wieder Glasaale in Aisch und Aurach ausgesetzt. Das sind die jungen Aale von rund fünf Zentimetern, die durchsichtig sind, so dass man das Herz noch schlagen sieht. Sie werden an den Flussmündungen gefangen und dann in die oberen Flussabschnitte gebracht, wo die Aale normalerweise gar nicht mehr hinkommen. Der Herzogenauracher Fischereiverein hatte zwei Kilo gekauft, das sind rund 6000 Glasaale. Das hat uns nur rund 500 Euro gekostet, weil die EU einen Zuschuss gegeben hat.

Erfolgt der Besatz nach dem Wunsch der Fischer, möglichst viele Fische zu fangen?
Olbrich: Die Angelteiche besetzen wir so, dass das Nahrungsangebot für die Fische auf alle Fälle ausreicht. Mehr geht ja nicht. Sinngemäß gilt das auch für die Flüsse. Aber: Wenn wir einen Pachtvertrag haben, schreibt uns die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Mittelfranken vor, was wir besetzen dürfen. Wir können nicht einfach reinsetzen, was wir wollen. In einen Maßkrug geht ja auch nicht mehr rein als ein Liter.

Neben den Aalen, welche Fische hat der Fischereiverein noch eingesetzt?
Olbrich: Nasen zum Beispiel. Diese karpfenartigen Fische haben eine Schonzeit von 1. März bis 30. April und ein Schonmaß von 30 Zentimetern. Rutten wurden auch eingesetzt, früher eigentlich ein einheimischer Fisch, doch dann war er hier ausgestorben. Als wir ihn wieder eingesetzt hatten und die ersten Angler ihn am Haken hatten, wussten viele gar nicht, was das für ein Fisch ist. Im Rahmen des Artenhilfsprogramms wurde auch ein Besatz mit Wildkarpfen und Rotaugen durchgeführt.

Welchen Sinn hat es, ständig Fische nachzubesetzen, die es eigentlich in dem Fluss nicht mehr alleine schaffen?
Olbrich: Unser Wunsch ist es ja gerade, dass die Fische es schaffen, abzulaichen und dadurch sich selbst zu erhalten. Bei der Rutte sind mittlerweile schon Exemplare von 42 Zentimetern aus der Aisch und Aurach gefischt worden, ob sie schon ablaichen, das ist noch nicht klar. Bei den Zandern wissen wir es: Sie laichen in der Aurach. Bei unseren Teichen ist es natürlich etwas anders. Sie werden auch besetzt, um zu angeln. Das ist so eine Art extensive Teichwirtschaft.

Zurück zu Ihrer Angelleidenschaft. Als sie dann aus Ihrem Urlaub in Jugoslawien kamen, haben Sie weiter jede Menge Fische gefangen?
Olbrich: Ich hatte ein Jahr nichts am Haken.

Und haben dann Ihre Angelrute ins Wasser gefeuert?
Olbrich: Natürlich nicht. Als Angler wird man auch ein guter Naturbeobachter. Ich weiß, wo Eisvögel sitzen, weiß, wo die Biber unterwegs sind. Wer tut das heute schon noch, still dazusitzen und auf die Natur zu schauen? Außerdem waren wir damals eine gute Clique, ich habe in dem Jahr viel dazugelernt. Und ich habe dann den Fischereischein gemacht, der damals noch keine Pflicht war.

Kontinuität in bewegten Zeiten: Horst Olbrich führt den Jubiläumsverein seit 1992. © Pfrogner


Was gibt es da zu lernen? Angelleine auswerfen und warten, reicht das nicht?
Olbrich: Sie können das versuchen, vielleicht haben Sie Glück. Es geht darum, den Fisch zu überlisten. Jeder Fisch reagiert anders: Raubfische auf bestimmte Bewegungen des Köders, weil er ja kleinere Fische frisst. Andere Fische wie der Aal reagieren auf Gerüche. Da gibt es viele verschiedene Fangmethoden, und mit den Jahren wächst die Erfahrung.

Im bayerischen Fischereigesetz steht, dass Fische nur aus „vernünftigen Gründen“ gefangen werden dürfen. Der reine Spaß am Angeln ist demnach kein vernünftiger Grund?
Olbrich: Richtig. Fische sind Lebewesen und dürfen nicht gequält werden. Die Fischer werden von uns angehalten, dass fangreife Fische auch mit nach Haus genommen und verzehrt werden. Nur Fische, die noch nicht das Schonmaß erreicht haben oder während der Schonzeit gefangen wurden, dürfen und müssen ins Wasser zurückgesetzt werden. Das wird in der Regel auch getan. Ich kann natürlich nicht für jeden Einzelnen bürgen, aber das ist der Grundsatz.

Was wünschen Sie dem Herzogenauracher Fischereiverein für die nächsten 50 Jahre?
Olbrich: Dass es kontinuierlich so weiter geht. Wir sind seit Jahren auf einem guten Weg.

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Der Fischereiverein Herzogenaurach wird 50 Jahre alt

50 Jahre Fischereiverein Herzogenaurach - wir haben ein paar Fotos aus der Chronik und dem aktuellen Vereinsleben zusammengetragen.


 

Interview: MATTHIAS KRONAU

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