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Mittwoch, 18.09.2019

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Appell der Bauern in ERH: Wertschätzung für ihr Tun

Beim aktuellen Informationsgespräch zur diesjährigen Ernte wurden in Kairlindach auch verschiedene politische Spannungsfelder beackert. - 14.07.2019 07:00 Uhr

Nach dem heißen Juni haben die Bauern früh mit der Getreideernte begonnen. Dieser Tage droschen die Seebergers Wintergerste auf einem ihrer Äcker bei Beutelsdorf. © Foto: Ralf Rödel


Rudolf Groß, Landwirt aus Kairlindach, sprach beim Pressegespräch zur Ernte 2019 auf seinem Hof von 52 bis 57 Doppelzentnern Ertrag pro Hektar: Das sei sehr gut.

Freilich könne man so Positives nicht von allen Feldfrüchten vermelden. Groß, der zusammen mit seinem Sohn einen landwirtschaftlichen Betrieb mit breiter Produktpalette führt, hat schon im September vergangenen Jahres seinen Raps-Ertrag komplett in den Wind geschrieben und die Äcker mit der Ölfrucht gleich wieder umgebrochen, wie er sagte.

Beim Weizen erwarte man Einbußen im Vergleich zum Durchschnittsertrag. Unterdurchschnittlich sei auch die Spargelernte gewesen, die nötige Bodenwärme sei zwar früh erreicht worden, dann habe man aber teilweise gefrorene Stangen gestochen.

Rudolf Groß (l.) hat zwischen einem Umlaufgraben (vorn) und seinem Roggenfeld (im Hintergrund) einen neun Meter breiten Grünstreifen zum Gewässerschutz angelegt. Beim Erntegespräch zeigte er ihn Amtschef Horst Krehn, Robert Ort und Landrat Alexander Tritthart (v. l.).


Große Sorgen machen sich die Landwirte um die Maisernte. Der Pflanze habe die Junihitze zugesetzt. Es brauche jetzt Regen, um die Rückstände wieder aufzuholen. Und die Zuckerrüben, so Horst Krehn, der Leiter des Fürther Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, werden wohl ähnlich klein ausfallen wie im vergangenen Jahr. Ebenfalls mit zwei Gras-Schnitten fertig sind die Viehhalter, die ihr Grünland zum Futteranbau nutzen. Milchvieh braucht für entsprechende Milchleistung eiweißreiche Kost, die Gras nur liefert, wenn es früh geschnitten wird. So erklären Groß und Robert Ort aus Dannberg, Milchviehhalter und Kreisobmann des Bauernverbands, in Abgrenzung zu der vom bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) geförderten Praxis der Heuernte Anfang Juli (wir berichteten).

Die heimischen Landwirte und ihre Produkte zwischen Kulturlandschaftspflege und den globalen Märkten: Politische Spannungsfelder wurden zwangsläufig auch beackert in der Gesprächsrunde. Namentlich in Kairlindach, Ortsteil der Gemeinde Weisendorf, wo sich erst kürzlich eine 60-Prozent-Mehrheit gegen eine in ihren Augen zu große Rindermastanlage entschieden haben.

"Im Moment gibt es Gräben zwischen den Menschen auf dem Land", sagte Landrat Alexander Tritthart. Die Politiker auf kommunaler Ebene müssten zur Kenntnis nehmen, dass sich die Gesellschaft verändere. Die Bürger, so Tritthart, seien sehr kritisch – und deshalb sei Dialog angesagt. Bürgermeister und Landrat hätten den direkten Kontakt und müssten versuchen, zu vermitteln. Auf dass die Bürger auch schätzten, was die Landwirte umsetzen – in Nahrungsmittel-Produktion und Landschaftspflege.

Zuvor hatte Weisendorfs Bürgermeister Heinrich Süß bedauert, dass die Bürger gar nicht mehr wahrnähmen, was die Landwirtschaft leiste. Gewässer-Randstreifen, Blühflächen, die Pflege der Feldgehölze, dies alles sei vorbildlich, zählte Süß auf. Es werde aber zu wenig kommuniziert. Süß ließ deutlich durchblicken, dass er den Ausgang des Bürgerentscheids in Weisendorf für eine Folge dieser fehlenden positiven Wahrnehmung hält.

Wertschätzung habe die Landwirtschaft zum Beispiel auch für ihre Teilnahme am KULAP verdient, meint Horst Krehn, in dessen Behörde Nina Wellein derzeit eine Projektstelle innehat und das KULAP managt. Wellein nannte zwei Zahlen: Inzwischen haben, Stand 2018, die Landwirte im Landkreis 38 Hektar aus der Produktion genommen und für ein Jahr zu Blühflächen gemacht. Fünf Jahre lang – und damit für einen höheren Förderbetrag – sind 158 Hektar in Blühflächen umgewandelt worden.

Kritisiert haben die Landwirte die Art und Weise, wie die EU-Auflagen zum Schutz des Trinkwassers hierzulande umgesetzt werden. Hintergrund: Der Grundwasser-Körper, also das Wasser-Einzugsgebiet um Herzogenaurach, gehört zur "Roten Zone" mit erhöhter Nitratbelastung. Als Folge müssen Landwirte die Düngung drosseln, vornehmlich jene mit Gülle. Laut Robert Ort muss ein Bauer seine Flächen durchschnittlich um 20 Prozent "unterdüngen" – fatal für Tierhalter, so Ort.

Die Kritik der Landwirte: Ein Gebiet werde schon dann für "rot" erklärt, wenn auch nur an einer Messstelle die Grenze von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten werde. Dies sei aus Sicht der Bauern "zu punktuell", so Ort.

Grundsätzlich warnt auch Amtschef Horst Krehn vor Unterdüngung und zudem vor einer Doppelnutzung der Gülle, die erst in Biogasanlagen verstromt und danach, entschlackt von allen Mikroorganismen, auf die Felder ausgebracht wird. Beides, so Krehn, hagere auf längere Sicht die Böden aus, mache sie inaktiv. Und belastetes Regenwasser dringe durch inaktive Böden leichter ins Grundwasser vor, warnte Krehn. 

RAINER GROH

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