Baufirma hat Weiher mit belastetem Material saniert

14.12.2016, 05:32 Uhr
An den Gemeindeweiher kippte eine Firma unzulässiges Aushubmaterial.

An den Gemeindeweiher kippte eine Firma unzulässiges Aushubmaterial. © Foto: Ulrich Schuster

Horst Gäck glaubte seinen Augen nicht. Der Lonnerstadter Gemeinderat wollte an diesem Sommertag nur noch nach Hause. In Diespeck (Landkreis Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim) beobachtete er, wie ein Lkw einer Baufirma mit dem Aushub einer Straßenbaustelle beladen wurde. So weit, so normal. Auf dem Weg nach Höchstadt bog das Fahrzeug allerdings nach Fetzelhofen ab – und kippte das Material am Gemeindeweiher ab.

Der gehört der Gemeinde Lonnerstadt, ist aber an die Anglerfreunde Greiendorf verpachtet. "Wir hatten schon länger darüber nachgedacht, den Damm des Weihers zu sanieren", sagt Vorstand Johannes Lang. Ein Vereinsmitglied, das bei einer Baufirma im Landkreis arbeitet, bot schließlich an, dass sein Chef passendes Material habe und die Arbeiten übernehmen könnte. "Angeblich war alles zertifiziert und jederzeit verwendbar", sagt Lang. Mit "bestem Wissen und Gewissen" habe man sich von dem Unternehmen beraten lassen und sogar der Gemeinde Bescheid gegeben, als die Arbeiten im Juli begannen.

Kurz darauf wurden diese aber gestoppt – durch das Landratsamt. Das war nach dem Hinweis Gäcks aufmerksam geworden und hatte einen Ortstermin mit allen Beteiligten anberaumt. Die beteiligte Firma konnte wegen Betriebsferien nicht teilnehmen, hatte aber zuvor bereits ein Gutachten abgegeben. Das bezog sich aber nicht auf den Aushub aus Diespeck, sondern auf das Material einer anderen Baustelle, das ebenfalls in Fetzelhofen genutzt wurde.

Sensibler Bereich

Darauf angesprochen, wollte sich das Unternehmen nur noch schriftlich äußern und belegen, dass das von ihnen genutzte Material unbedenklich ist. Danach tat sich erst einmal gar nichts mehr. Stattdessen meldeten sich bei Hans Leuchs, Sachgebietsleiter im Umweltamt, plötzlich mehrere Menschen, die den Vorfall klein redeten. Es sei doch eigentlich gar nicht so schlimm, einer fragte, "ob das wirklich alles sein muss". Auch Gemeinderat Gäck wurde mehrfach als "Sheriff" und "Anschwärzer" denunziert.

Vom angekündigten Gutachten dagegen keine Spur. Von September an fragte das Landratsamt immer wieder nach, wann mit diesem zu rechnen sei. Sogar eine Beseitigungsanordnung drohte es an, am vergangenen Freitag legte das Unternehmen das entsprechende Gutachten vor. Es stammte vom 7. November, die Proben wurden bereits im Oktober genommen. Warum die Firma so lange wartete, kann Leuchs auch nicht nachvollziehen, "wahrscheinlich überbringt man schlechte Nachrichten einfach nicht so gerne".

Denn: Der Sachverständige legte in dem Schreiben dar, dass das genutzte Material nicht für die Arbeiten im „sensiblen Bereich“ am Weiher hätte genutzt werden dürfen. Giftig sei es nicht, aber für das sumpfige Gebiet eben nicht geeignet. "Das hätten sie höchstens in einem Gewerbegebiet verwenden können, wo es nicht feucht ist und ausreichend Abstand zum Grundwasser besteht", so Leuchs.

Denn die Proben, die an insgesamt elf Stellen genommen wurden, wiesen deutlich erhöhte Werte auf. Der Höchstwert für Kohlenwasserstoffe lag mehr als doppelt so hoch wie erlaubt, auch der pH-Wert war in sieben Fällen über dem Grenzwert von 9. Außerdem war das Material zu sandig und deshalb für den Dammbau nicht geeignet. "Kritisch war auch, dass fünf Prozent Asphalt und Bauschutt enthalten war", sagt Hans Leuchs. Klingt erst einmal wenig. Der Experte schätzt aber, dass am Weiher etwa 800 Kubikmeter Erde abgeladen wurden, "da sind dann schnell ein paar Kubikmeter im Wasser". Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt im Weiher habe das in dieser kurzen Zeit zwar nicht gehabt, langfristig hätte es aber durchaus zu Belastungen führen können, so der Experte. Viel schwerer wiegt für das Landratsamt, dass die Arbeiten während der Vogelbrutzeit durchgeführt wurden, "da ist es natürlich verboten, im Schilfgürtel zu verfüllen".

"Zahlen sind vorhanden"

Fakt ist: Seit Freitag steht fest, dass das Material komplett raus muss. "Wenn die Firma uns innerhalb einer Woche versichert, dass in angemessener Zeit alles weg ist, können wir uns eine schriftliche Verfügung sparen", sagt Hans Leuchs. Andernfalls müsse man einen Bescheid schicken, der mit Kosten verbunden ist.

Das wird nicht notwendig sein, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der betroffenen Firma. "Wenn die Entscheidung so stehen bleibt, werden wir dafür sorgen, dass das angeblich so belastete Material beseitigt und weggefahren wird." Das sei eine Frage des gesunden Menschenverstandes, "die Zahlen sind auf dem Papier vorhanden", auf einen Rechtsstreit wolle man es nicht ankommen lassen, "dafür haben wir auch keine Zeit".

Überhöhte pH-Werte seien aber völlig normal, "das rührt von unserem kalkigen Boden". Er fordert deshalb, dass die Grenzwerte bundesweit nach oben korrigiert werden müssen, andernfalls könne man irgendwann gar nichts mehr bauen. "Wenn man alles in Regeln und Zwänge stopft, stirbt der Bau in Deutschland".

Seine Firma werden jedenfalls in Zukunft immer "den behördlichen Weg gehen" und sich alles genehmigen lassen – so wie es auch im vorliegenden Fall hätte geschehen müssen. Dadurch entstünden allerdings hohe Kosten, "da stellt sich dann die Frage, wer das alles bezahlt. Und wir werden viel länger fürs Bauen brauchen." Bereits heute gebe es schließlich bei vielen Baustellen "hirnrissige Termine und unrealistische Zwänge".

Sein Fazit nach dem monatelangen Streit um der Fetzelhofener Weiher: "Wo kein Kläger, da kein Richter. Und in diesem Fall gab es eben einen Kläger."

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