Bei der StUB schwingt stete Skepsis mit

22.2.2020, 08:00 Uhr
Ein Eindruck vom StUB-Dialogforum, an dem vergangene Woche Herzogenauracher die Chance hatten, sich über den geplanten Verlauf der Stadt-Umland-Bahn über die Herzo Base zu informieren.

Ein Eindruck vom StUB-Dialogforum, an dem vergangene Woche Herzogenauracher die Chance hatten, sich über den geplanten Verlauf der Stadt-Umland-Bahn über die Herzo Base zu informieren. © Foto: Matthias Kronau

Das terroristische und rassistische Verbrechen in Hanau gebot einen Moment des Innehaltens. Für "klare Worte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" von Bürgermeister German Hacker klopften die Anwesenden Beifall.

Zwei Tage nach dem Dialogforum auf der Herzo Base (wir haben berichtet), fasste Gräf noch einmal die Fakten aus 90 Seiten landesplanerischer Beurteilung mit vier Seiten Maßgaben für die weitere Planung zusammen. Die Vorzugstrasse im Raumordnungsverfahren gilt laut Planung "als raumverträglich, die Sinnhaftigkeit des Projekts wurde herausgestellt".

Raumverträglich sei auch die mittlere Querung der Regnitz, in den Zahlen enthalten – 2012: Kosten 258 Millionen Euro – enthalten seien auch die Brückenbauwerke.

Kostenindex

Auf Grundlage des Kostenindex und der Inflation geht man nun von 19 Prozent Preisentwicklung aus, entsprechend Kosten von 307 Millionen Euro. "Unsere Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt und sind nicht infrage zu stellen", sagte Gräf. Alle Variantenentscheidungen (z.B. Rathgeberstraße, Sieboldstraße, Wöhrmühlquerung) machten 28 Millionen Euro aus.

Bei 26 Kilometern Streckenlänge seien 14,5 Millionen Euro pro Kilometer Strecke zu rechnen: "Das ist plausibel". Der Nutzen-Kosten-Indikator von 1,1 erfüllt das Kriterium der Förderfähigkeit. Nachdem der Bund seinen Förderanteil auf 75 Prozent aufstockte, auch straßenbündige Bahnkörper und Planungskosten betreffend, sinke der Eigenanteil für Herzogenaurach auf 13 Millionen Euro. Sollte Bayern seine Regelförderung um 20 Prozent aufrechterhalten, so falle der Anteil weiter.

Angelaufen sind mittlerweile die vor der Planfeststellung durch Duldungspflicht erlaubten Baugrunduntersuchungen, über 26 Kilometer alle 200 Meter, soweit möglich auf öffentlichen Grundstücken.

Die genaue Streckenführung bei Haundorf im S-Bogen südlich der Einmündung Feldstraße in die Haundorfer Spange sei kritisch und rechtlich kompliziert wegen der Durchschneidung landwirtschaftlicher Flächen. Ein Präzedenzfall sei auch der angedachte Park-and-Ride-Parkplatz angrenzend an die Aurach-Raststätte Süd, da zwar in anderen europäischen Ländern, jedoch nur singulär in Deutschland bislang verwirklicht.

Grundsatzkritik indes, bereits vielfach geäußert, wurde von CSU mit Stephan Wirth und Freien Wählern mit Manfred Welker erneuert. Wirth wandte ein, beim Raumordnungsverfahren sei "herausgekommen, was erwünscht war, nichts Essenzielles". Seit vor zwölf Jahren eine Stadtratsmehrheit die StUB beschloss, sei dagegen eine S-Bahn von Nürnberg nach Bamberg entstanden.

Problematisch

Sein Fraktionskollege Konrad Körner sagte, die Entscheidung im Bundestag habe "enorm geholfen". Allerdings seien bei den momentanen Kostenangaben Planungs- und Betreiberkosten nicht enthalten. Die von Nürnbergers Oberbürgermeister Ulrich Maly genannten rund 500 Millionen Euro seien "realistisch".

Auf problematische Punkte, wie die Querung des Hans-Ort-Rings mit Gefahr von Rückstau, solle jedoch "mit gleicher Tiefe" hingeschaut werden, so Körner ferner. Florian Gräf erwiderte, der Signalplan zur Querung sei von der Regierung nicht nachgefragt worden. Es sei "lösbar, beherrschbar und leistungsfähig, die StUB in einer bestehenden Kreuzung wie am Hans-Ort-Ring" zu führen.

Manfred Welker (FW) wollte wissen, welche Zeit die StUB bis zum Wegfeld in Nürnberg braucht. Vom Adidas-Campus bis zum Bahnhof Erlangen seien 13 Minuten genannt.

45 Minuten, die gleiche Zeit wie der Bus, benötige die StUB bis Wegfeld, hieß es. Dies ließ Kurt Zollhöfer (CSU) an der Bürger-Akzeptanz des Verkehrsmittels zweifeln. Peter Simon (Bündnisgrüne) argumentierte, eine Aurachtalbahn binde Schaeffler, Adidas und Puma nicht an. Mit einer klimafreundlichen Stadt-Umland-Bahn lasse sich am Stau vorbeifahren. "Als sehr positiv" betrachtete Renate Schroff (SPD), auch Verbandsrätin, das Ergebnis, vor allem, da die Fahrgastzahlen positiver eingeschätzt würden und ein Zehn-Minuten-Takt angestrebt sei.

Auf Nachfrage von Christian Polster (CSU) informierte Bürgermeister German Hacker, zu einem Park-and-Ride-Parkplatz in einem geschlossenen Autobahnsystem werde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Ein weiterer Park-and-Ride-Parkplatz ist im Neubaugebiet Reihenzach an der Flughafenstraße geplant.

Der Rückhalt bei den Bürgern für eine StUB, so Grünen-Rätin Retta Müller-Schimmel schließlich, habe sich beim Bürgerbegehren gezeigt. "Wir begleiten die Mobilitätswende. Die immer gleichen Argumente für die Aurachtalbahn machen den Bürger draußen irr."

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