Bürgerenergiepark: Stiller Kraftprotz in Mühlhausen

3.7.2020, 19:08 Uhr
Schweres Geschütz wird aufgefahren, beim Bau des Windparks Mühlhausen. Inzwischen drehen sich die Windräder.

Schweres Geschütz wird aufgefahren, beim Bau des Windparks Mühlhausen. Inzwischen drehen sich die Windräder. © Nikolaus Spörlein

Als Firmengründer Erich Wust sein Projekt "Bürgerenergiepark" vorstellte, hatte das etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis. Es ist etwa zehn Jahre her, da war er in Mühlhausen mit seinen Plänen zu einem Bürgerwindpark vorstellig geworden. Anfang 2013 drehten sich dann vier Windräder auf der Höhe zwischen Decheldorf und Mühlhausen – eine der ersten Anlagen im Landkreis.

103 Windräder hat seine Markt Erlbacher Firma bis heute in Bürgerbeteiligung projektiert, so Wust bei der Sitzung. Die bislang letzten "Windmühlen" in der Region ließ Wust ganz in der Nähe bauen: Die beiden Anlagen im gemeindefreien Waldstück "Birkach", zwischen Höchstadt und Weingartsgreuth gelegen.

Noch ist alles eine Idee, die sich die Mühlhausener Bürgervertreter erläutern ließen. Bevor mehr passiert, will man erst einmal in einer Bürgerversammlung das Echo in der Bevölkerung einholen.

Wust und sein Team, zu dem auch der Mühlhausener Gemeinderat Richard Kirchner gehört, verrieten bereits Details: Der Bürgerenergiepark würde aus einem Windrad und einer etwa zwölf Hektar großen Photovoltaikfläche bestehen. Letztere entweder unweit des Hochbehälters über dem Katzengraben oder aber unterhalb der Moto-Cross-Strecke.

Photovoltaik auf Agrarflächen sei nach einem vorübergehenden Aus im Freistaat wieder möglich, so Wust. Vor allem auf sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Flächen. Einen Standort für das Windrad hätten Wusts Leute bereits im Visier: in der Nähe des bereits bestehenden Windparks, und zwar am östlichen Rand. An einer Stelle, wo es die anderen Anlagen nur in geringem Umfang beeinträchtige und auch mindestens 1000 Meter Abstand zu bewohntem Gebiet halte.

Das Neue wäre im Vergleich zum Bestand ein stiller Kraftprotz. Laut Projektentwickler Stefan Paulus könnte es doppelt so viel Energie liefern, nämlich bis zu zehn Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Allerdings wäre es auch um einiges höher. Dafür wiederum arbeite der auf 169 Meter Nabenhöhe rotierende Generator deutlich leiser, versicherte Paulus. Maximal 250 Meter reckt sich der Gigant in die Höhe. Wind und Sonnenenergie würden sich am Standort gut ergänzen, meint Paulus. Noch besser wäre es, wenn man die temporär nicht benötigten Leistungsspitzen speichern könnte. Hier setzt er Hoffnungen in das Wasserstoffzentrum, das die bayerische Staatsregierung in Nürnberg einrichtet.

Beide Teilbereiche würden so umweltschonend wie nur möglich errichtet, versprachen die Wust-Vertreter. Die Photovoltaik würde, so gut es geht, hinter Büschen und Bäumen versteckt. Für das Windrad müssten dank neuer Krantechnik nur 3000 Quadratmeter Wald gerodet werden, was Paulus zufolge vergleichsweise wenig ist.

Und was ist mit der 10H-Regelung aus dem Jahr 2014? Die wäre hier kein Hindernis, vorausgesetzt die Gemeinde stellt einen einschlägigen Bebauungsplan auf, weiß Paulus. Denn der Standort liegt auf einer Vorrangfläche für Windkraft. Einen Haken aber hat die Sache mit der Photovoltaik: Der Gemeinderat hat 2018 einen Grundsatzbeschluss gefasst, wonach solchen Vorhaben auf freier Fläche nicht zugestimmt wird.

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