Freitag, 29.05.2020

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Chöre in ERH: Nachwuchssorgen und Hoffnungsschimmer

Wie kann man neue Sängerinnen und Sänger gewinnen? - 14.04.2020 06:57 Uhr

Der Herzogenauracher Gerald Fink, Leiter des Fränkischen Sängerbundes, sieht in Chören „ein Spiegelbild der Gesellschaft“. © Archivfoto: Margot Jansen


Doch dabei bindet sich kaum mehr jemand längerfristig an das Singen. Denn die "klassischen" Laienchöre haben es immer schwerer. Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger sinkt seit Jahren stetig, immer mehr Chöre geben auf. Die Gründe sind vielfältig. Oft hört man von Überalterung, keinem Bindungswille von Aktiven, fehlenden Chorleitern oder ausbleibendem Nachwuchs.

Ähnlich geht es da auch dem Gesangverein Liederkranz Vestenbergsgreuth. "Wir ruhen schon seit einem halben Jahr", sagt Vorsitzende Katharina Fochler. Aktuell steht die Auflösung des Vereines im Raum. Vor einiger Zeit hörte der Chorleiter auf, eine Nachfolgersuche blieb bislang erfolglos.

Auch, sagt Fochler, habe man ein Durchschnittsalter von fast 68 Jahren, der älteste Sänger sei gar 90 Jahre alt.

Berufsbedingt oder aus Krankheitsgründen würden viele den Proben fernbleiben, mittlerweile sei die Gruppe stark geschrumpft. Und der Nachwuchs bleibe aus, klagt Fochler.

Das sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, denn auch Verbände und Kirchen würden diese Probleme kennen, heißt es seitens des Deutschen Chorverbandes.

So ähnlich formuliert es auch Michael Knörlein, Pressereferent des Sängerkreises Erlangen-Forchheim. Auch der Sängerkreis spüre, dass es immer weniger Sängerinnen und Sänger gibt. Der Sängerkreis ist für 134 Chorvereine in der Region – mit fast 5000 Aktiven – da. Doch die Zahlen seien rückläufig. Auch gäbe es zum Teil immer weniger Chorleiter.

Statt wie früher ein Chor pro Chorleiter, gebe es durchaus den Trend, dass Chorleiter mehr als einen Chor betreuen. Seit einem Jahr gebe es vom Sängerkreis eine Bezuschussung für Werbemaßnahmen der Chöre. Trotzdem haben viele Nachwuchssorgen – und stehen nahe einer Vereinsauflösung.

An diesem Punkt war auch der Verein Fidelia Hemhofen. Rund 140 Jahre vorher als Männergesangverein gegründet, wurden Anfang 2015 bereits Vorkehrungen zur Auflösung getroffen. Doch die Mitglieder wollten es noch einmal wissen und Werbung für einen Kinder- und Jugendchor machen. Mit Erfolg.

Innerhalb weniger Monate gelang die erste Probe, der Chor mit damals 14 Mitglieder war geboren. Und der Fortbestand des Vereines gesichert.

Im September 2015 folgte der erste Auftritt. Seither ist der Kinder- und Jugendchor Felicitas Fidelis um Chorleiterin Sandra Ruß ein fester Bestandteil im musikalisch-kulturellen Leben rund um Hemhofen.

Doch wie hat der Verein es geschafft, dass die jungen Musiker dabeibleiben? Denn oft ist zu hören, Kinder würden meist nur ein paar Mal zum Singen kommen, sich dann nach und nach anderen Hobbys widmen. Doch in Hemhofen scheint das anders zu sein.

Das liege zu großen Teilen an Chorleiterin Ruß, meint Vereinsvorsitzende Juliana Lankes.

Ruß freute sich über das Lob, sagte aber auch: "Wir sind nicht nur strahlendes Beispiel, auch wir kämpfen."

Mittlerweile habe man einen festen Stand, es kämen eher keine neuen Sängerinnen dazu. Doch Teambuildingmaßnahmen würden helfen, dass der Chor zusammenbleibt.

So hat Ruß mit ihren Schützlingen zum Beispiel schon einen Ausflug ins Nürnberger Opernhaus gemacht. Das Gemeinschaftsgefühl sei wichtig. Jeder solle wissen, dass er oder sie Verantwortung trage. 14 Mädchen im Alter von elf bis 15 Jahre gehören ihrem Chor an, wobei sie ausdrücklich betont, dass auch Jungen willkommen seien.

Wichtig sei auch, die Eltern immer wieder mit einzubeziehen. In diesem Jahr sei nämlich ein Musical zusammen mit den Adelsdorfern geplant. Dann singen die Kinder mit einem Mama-Chor, die Väter begleiten an den Instrumenten und die übrigen Senioren aus dem Männerchor sind auch dabei.

So etwas ähnliches habe es in kleinerer Form schon im vergangenen Jahr gegeben. "80-Jährige haben mit Zehnjährigen gesungen", sagt Ruß begeistert. Das sei auch bei den Kindern gut angekommen. Und genau das soll in diesem Jahr wieder passieren.

Insgesamt, so sagt der musikalische Leiter des Fränkischen Sängerbundes (FSB), Gerald Fink aus Herzogenaurach, seien Chöre "ein Spiegelbild der Gesellschaft". Ja, es gebe Nachwuchsprobleme.

Aber Fink will bewusst auf die positiven Aspekte blicken: "In den Fränkischen Sängerbund haben wir schon zu Jahresbeginn wieder etliche neu entstandene Chöre aufgenommen. Da ist die ganze Bandbreite der Musik dabei, vom Metal-Chor "Stimmengewitter" bis zum klassisch ausgerichteten "E.T.A.-Hoffmann-Chor."

MAX DANHAUSER

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