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„Der Schandfleck Herzogenaurachs“

Die Aurach wird zunehmend mit Müll überhäuft - 21.08.2015 08:57 Uhr

Ob legitim oder nicht, der Fischereiverein ist sich sicher: Der Holzbalken über dem O-Fall ist teil des Problems. Der Abfall, der in die Aurach geschmissen wird, bleibt dort hängen und kippt am Wasserfall hinunter. © Foto: Mark Johnston


Aufzulisten, was die Mitglieder des Fischereivereins in der Aurach alles schon gefunden haben, würde den Rahmen deutlich sprengen. „Fahrräder, Einkaufswägen, sogar einen Einweggrill“, nennt Georg Maier, Vorsitzender des Herzogenauracher Fischereivereins, nur einige Beispiele.

Dass solch Unrat in dem Fluss nichts zu suchen hat, ist selbstredend. Doch die Folgen dieser gedankenlosen Müllentsorgung sind viel weitreichender. „Reingeworfene Flaschen fallen am O-Fall runter und zerbrechen“, erklärt Maier. Die Scherben würden danach in den Hecken liegen bleiben und ein Verletzungsrisiko darstellen. Vor allem, wenn sich Kinder, wie in der Vorwoche beim Projekttag der Carl-Platz-Schule, in dem Gewässer befinden, ist höchste Vorsicht geboten.

120 Alkohol-Flaschen

Bierflaschen landen in letzter Zeit verstärkt in der Aurach. Georg Maier weiß, dass es sich immer um die gleiche Gruppe handelt, die um das Gewässer ziehe und Saufgelage abhalte. Die tatsächlichen Ausmaße erkannte der Verein beispielsweise am Umweltschutztag, als die Mitglieder die Aurach reinigten. „An einer Ecke haben wir über 120 alkoholische Getränkeflaschen, wie etwa Jägermeister, herausgezogen“, erinnert sich 2. Vorsitzender Robert Bretting.

Generell bemüht sich der Verein ständig darum, die Aurach möglichst sauber zu halten. „Jedes Mitglied muss sechs Arbeitsstunden pro Jahr ableisten“, erläutert Maier. Doch der durchschnittliche Arbeitsdienst wird oft deutlich überschritten, manche Helfer würden freiwillig 60 bis 70 Stunden Mehrarbeit leisten.

Dreimal die Woche versuchen Vereinsmitglieder mit Wurfankern und Netzen, den Fluss zumindest einigermaßen zu reinigen. Auch die Stadt stellt extra einen Dienst zur Verfügung, der täglich den Müll entfernt. Doch lange hält die neue Ordnung nur selten.

Denn der O-Fall ist nicht das einzige Problemkind. Auch der Norma-Parkplatz sowie die Steinmauer hinter dem Freibad werden als Treffpunkte und anschließend für die Müllentsorgung missbraucht. Die Polizei weiß von dem Problem, doch ein Platzverbot bringe selten etwas, denn die Übeltäter „wandern doch einfach ein Stück weiter“, ist sich Robert Bretting sicher. Höchstens Beamte, die immer wieder in Zivil vorbeischauen würden, könnten vielleicht für Besserung sorgen.

Balken verschärft das Problem

Fischereivereins-Vorsitzender Georg Maier hebt eine der zahlreichen Bierflaschen auf. © Foto: Horst Linke


Wer den O-Fall besucht, erkennt auch den Balken sofort. Oberhalb des kleinen Wasserfalls, quer durch das Gewässer, zieht sich seit einigen Jahren tatsächlich ein Holzbalken. Er ist dem Fischereiverein ein weiterer Dorn im Auge.

Denn der Holzbalken, etwa 20x20 cm breit und mit Ketten an den Mauerwänden verankert, ist mitverantwortlich für die komplizierten Umstände. Der Inhaber der nahen Stadtmühle baute den Balken, damit sämtlicher Müll den Weg runter zum O-Fall statt Richtung Mühle nimmt. Für Georg Maier ein Unding: „Ohne den Balken könnte alles viel kontrollierter entfernt werden.“ Doch der Inhaber der Mühle blockt bisher jedes Gespräch ab.

Ob der Holzbalken überhaupt legal ist, bleibt sowieso unklar. „Das Wasserwirtschaftsamt spricht von einer Grauzone“, erklärt Maier. Denn wo genau der Mühlberg, der das Gebiet des Mühleninhabers markiert, aufhöre, wisse keiner.

Problematisch wird die ganze Verschmutzung, wenn Benzinkanister in der Aurach landen. „Ein Tropfen Öl verseucht 1000 Liter Wasser“, berechnet Maier. Man habe schon Kanister mit bis zu acht Litern gefunden. Die Folgen sind fatal: Fische nehmen die Giftstoffe auf, sterben und auch der Mikrokreislauf wird zerstört. „Letztendlich landet dann alles beim Angler auf dem Tisch“, beschreibt Holger Hermann, Schriftführer des Fischereivereins, das Ende des Kreislaufs. Zu den Auswirkungen auf den menschlichen Körper gebe es aber noch keine aussagekräftigen Studien.

Besserung erwartet der Verein in Zukunft nicht. „Das ist ein Kreislauf, der nicht mehr endet“, glaubt Georg Maier. Man müsse an die Vernunft derjenigen appellieren, die den Fluss immer wieder zumüllen. Immerhin sind es am Ende die Bürger, die dafür gerade stehen müssen, wenn die Aufräumarbeiten der Stadt mit öffentlichen Geldern bezahlt werden.

Bürgermeister German Hacker nannte den kleinen Wasserfall an der Aurach vor kurzem nicht umsonst „den Schandfleck Herzogenaurachs“. Ein Ort zum Baden — so viel steht fest — wird der O-Fall länger nicht mehr sein.

OLIVER KOPRIVNJAK

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