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Montag, 19.08.2019

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Der Vogelpapst von Großenseebach

Theodor Müller hat fast 300 Nistkästen aufgehängt - 04.04.2019 14:57 Uhr

Lieferung mit dem Roller. Theodor Müller fährt neue Nistkästen in den Wald. Aufhängen wird er sie tags darauf bei seinem Spaziergang. © Foto: Andrea Lachmuth


Ab Mitte April regt sich das neue Leben im Wald. Die Insekten schwärmen aus und die Brutzeit der Vögel beginnt. Theodor Müller hat jetzt viel zu tun. Täglich dreht er seine Runden durch den Wald und kontrolliert die vielen Vogelhäuschen, die links und rechts der Forstwege den Waldrand säumen.

Aufmerksame Waldbesucher, die auf dem Forstweg zwischen Großenseebach und Obermembach wandern, sehen sie sofort. Etwa alle 40 Meter hängen in den Bäumen am Wegesrand Nisthilfen zweieinhalb bis drei Meter hoch. Die Nistkästen dienen dem Naturschutz und sind vor allem im Frühjahr Bruthilfen für kleine Singvögel. Im Winter bieten sie kleinen Säugetieren und Insekten ein Heim.

Mit einem gebrochenen Fersenbein fing alles an: "Ich sollte viel laufen, hat mein Doc gesagt. Da habe ich mir gedacht, wenn ich Strecken ablaufe und dabei Vogelhäuschen aufhänge, habe ich was zu tun", schmunzelt Theodor Müller, als er sich an die Anfänge seines Hobbys vor fünf Jahren erinnert.

Gesagt, getan: In seiner Hobbywerkstatt begann der gelernte Metzger in seiner Krankenzeit Nisthilfen zu zimmern und diese im Großenseebacher Wald aufzuhängen. Es wurden immer mehr. Heute hängen seine Häuschen im Ort und an vielen Forstwegen im Wald der Großenseebacher Waldbauern. "Wenn ich morgens früh einen neuen Nistkasten aufhänge, setze ich mich oft 20 Meter daneben und warte ruhig ab. Es dauert meist nicht lange, bis die ersten Meisen anfliegen und die Nisthilfe in Besitz nehmen", erzählt er. Dabei leuchten seine Augen, wenn er von der morgendlichen Ruhe und Schönheit im Wald schwärmt. Von 100 Nistkästen seien bis Ende Mai rund 98 Stück besetzt. Acht bis zehn Eier kann ein Gelege von Kohl- oder Blaumeisen haben. "Und Meisen brüten auch mehrmals im Jahr", weiß Müller vom regen Vogelleben zu berichten.

"Am Anfang habe ich die Nistkästen nummeriert und mir Pläne gezeichnet wo sie hängen, damit ich den Überblick behalte," erinnert er sich an den Projektstart. Mittlerweile sind auf seiner Liste 287 Standorte verzeichnet, an denen die Vogelhäuschen hängen.

Zwei Hammerschläge reichen und das neue Vogelhäuschen hängt am Baum. Theodor Müller mit seinem Enkel Luca. © Foto: Andrea Lachmuth


Die Wege dorthin kennt er heute auswendig. Die Bauweise seiner Vogelhäuschen hat er über die Jahre der Praxis angepasst. Mit einem kleinen Einflugloch versehen, baut er sie aus Kiefern- oder Fichtenholz mit wenigen Schrauben zusammen. Mit einer Verriegelung lässt sich die Nisthilfe an der Vorderseite aufklappen und reinigen.

Abschließend werden die Kästen abgeflämmt und bekommen ein wetterfestes Dach aus Teerpappe sowie einen Draht zum Aufhängen. So sind sie robust und halten Nässe und Sturm lange stand.

Gemeinsam mit Enkelsohn Luca belädt er heute den Anhänger seines Mopeds mit Vogelhäuschen. Am Nachmittag steht eine Kontrollrunde am Forstweg nach Obermembach an. Die Vogelhäuschen werden am Wegesrand abgeladen. "Morgen früh hänge ich sie auf und tausche kaputte Kästen aus", erzählt der Rentner.

Ab und zu begleitet ihn sein zwölfjähriger Enkel bei der Pflege. Eine lange Holzlatte, an der ein Zimmermannshammer mit Magnetvorrichtung montiert ist, gehört zur Ausstattung. In einer Aussparung lassen sich Nägel einlegen und für die Anbringung des Vogelhäuschens etwa zwei Zentimeter in den Stamm klopfen. Hier hängen sie hoch an geeigneten Stämmen von Fichten, Kiefern oder Buchen. Mit dem Holzstecken heben Opa und Enkel heute viele Vogelhäuschen herunter und kontrollieren ihre Inhalte: "Wenn die Vögel ausfliegen, gehen oft Hornissen rein und bauen ihre Nester. Alte Nestern holen wir raus, damit die Vögel nicht oben drauf bauen, sonst können sich Räuber wie Marder, Eichhörnchen und Specht leichter Eier und Küken angeln", erklärt Enkel Luca. Er geht gerne mit seinem Opa in den Wald und hat schon viel über die Natur und die Vögel im Wald gelernt. Der Kontrolle und der Pflege der Vogelhäuschen widmet sich Theodor Müller das ganze Jahr über. 44 Nisthilfen hat er dieses Jahr wieder gebaut, viel Altbestand wird ausgetauscht. Sein Ziel: 350 Stück im Wald.

Er macht das alles alleine. Für sich, aus Liebe zu den Vögeln. Sein Lohn: Ein Wald voller Vogelkonzerte. "Ich denke, mein Einsatz hat sich schon bemerkbar gemacht, denn der Vogelbestand bei uns ist super", sinniert der Vogelpapst von Großenseebach. 

ANDREA LACHMUTH

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