Mittwoch, 13.11.2019

|

Energiewälder wandern sämtlich in den Ofen

Es muss nicht immer Biogas sein: Energiegewinnung aus Pappel oder Miscanthus — Hohe Erträge, ökologischer Gewinn - 03.12.2010 18:57 Uhr

Miscanthus führt in Deutschland noch ein Schattendasein, obwohl die Pflanze als ideale Rohstofflieferantin gilt. © sic


  Ein Wald soll die Jahrhunderte überdauern, ein Energiewald steht 25 bis 30 Jahre und wandert gänzlich in den Ofen. Prinzip: einmal pflanzen, mehrmals ernten. Der Vorteil liegt laut bayerischer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in den enormen Zuwächsen: Pro Jahr und Hektar wächst eine Holzmenge heran, deren Verbrennung bis zu 5000 Liter Heizöl einspart.

Die Stämmchen werden nach drei, fünf oder zehn Jahren eingeschlagen, der Stock treibt wieder aus, wächst und alles beginnt von vorne. Der Energiewald fällt deshalb in die Kategorie „Kurzumtriebskultur“. Das ist auch das Thema, zu dem Revierleiter Gerhard Hofmann beim Ortstermin nahe Horbach gut zwei Dutzend interessierte Waldbesitzer informiert.

Experiment mit Pappel

Die jungen Pappeln, genauer Balsampappeln, gehören in diesem Fall Landwirt Friedrich Derrer. Auf einem Hektar Fläche hat er 10000 der Pappel-Stecklinge gepflanzt. Ab dem dritten Jahr kann geerntet werden. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. Den Investitionskosten von rund 50 Euro pro Tonne stehen aktuell rund 90 Euro Ertrag gegenüber.

Obwohl zur Pflanzung der Einsatz von Pestiziden notwendig sei, „ist die ökologische Wirkung ausgesprochen positiv“, sagt Hofmann. Beispielsweise gehe die Nitratbelastung im Umfeld solcher „Monokulturen“ bis auf Null zurück. Einzelne Städte förderten den Anbau deshalb explizit. In Bayern gebe es dafür noch keine Zuschüsse, genehmigungspflichtig sind Kurzumtriebskulturen aber sehr wohl.

Gänzlich ohne Spritzmittel kommt die Süßgrassorte Miscanthus aus. Auf diese „ideale“ Energielieferantin schwören die Nebenerwerbslandwirte Werner Seiler (Weingartsgreuth) und Richard Sapper (Horbach). Sie sehen sich als Pioniere auf dem Gebiet und setzen sich für eine verstärkte Nutzung der Pflanze ein: „Österreich und auch die Schweiz sind Deutschland, was Anbau, Nutzung und die Technik betrifft, um wenigstens zehn Jahre voraus“, sagt Seiler.

Er ist von der Pflanze begeistert: Der Brennwert von 2,5 Kilogramm Miscanthus entspricht einem Kilo Heizöl. Mit einem Hektar Anbaufläche lassen sich bis zu 6000 Liter Heizöl einsparen, rechnet er vor. Das Gras wächst schnell, einmal gepflanzt sind 20 Jahre lang Erträge möglich. „Arbeit macht Miscanthus nur im ersten Jahr“, sagt Sapper: „Das Unkraut um die Pflanze muss entfernt werden, ab dem zweiten Jahr ist Ruhe.“

Anders als Holz muss Miscanthus nach der Ernte im Frühjahr auch nicht getrocknet werden, sondern kann sofort verfeuert werden. Der Brennstoff verlangt allerdings spezielle Öfen, taugliche Produkte gebe es bei deutschen Herstellern (noch) nicht. SABINE STRICKSTROCK

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Wachenroth, Horbach