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Erlangen-Höchstadt: Gegner mit Gemeinsamkeiten

Landratskandidaten stellten sich der Diskussion über ihre Konzepte zum Klimaschutz - 19.02.2020 06:57 Uhr

Thilo Schaufler (l.) startete den Abend mit einem Vortrag. An den Tischen v. r. Alexander Tritthart (CSU), Michael Dassler (FDP), Regina Enz (FW), Manfred Bachmayer (Die Grünen), Martina Stamm-Fibich (SPD), Maximilian Stopfer (JU), Manfred Reinhart (LÖP). © Foto: Rainer Groh


Die beiden Kreisgruppen Erlangen und Erlangen-Höchstadt des Bund Naturschutz, die Bewegung Fridays for Future, der Verein Energiewende Erlangen und Erlangen-Höchstadt und der Solarmobilverein hatten es gemeinsam unternommen, Amtsinhaber Alexander Tritthart (CSU), Martina Stamm-Fibich (SPD), Regina Enz (FW), Manfred Bachmayer (Grüne), Michael Dassler (FDP), den Listenführer der Jungen Union, Maximilian Stopfer und Manfred Reinhart als Vertreter von Nicolas Bischoff, dem gemeinsamen Kandidaten von der Linken, der ÖDP und den Piraten (LÖP) auf ihre Standpunkte zu ökologischen Themen hin "abzuklopfen".

Schon in den Eingangs-Erklärungen nach einem Auftakt-Vortrag von Thilo Schaufler wurde klar: In Sachen Klimaschutz sehen alle den Landkreis nicht schlecht aufgestellt. Allen voran der amtierende Landrat. 5 Millionen Euro, so Alexander Tritthart, für besseren Busverkehr, im Haushalt Geld für Radwege- und E-Mobilitätskonzept. Das sei schon was.

"Vieles richtig gemacht", konstatierte auch Regina Enz. Überhaupt halte sie nichts von Hysterie und Klima-Panik, die Freien Wähler seien für gemäßigte Politik, enkeltaugliche Entscheidungen und langsames Heranführen an neue Dinge.

Der Grüne Bachmayer spricht von einem Stillstand. ERH sei immer noch bei 37 Prozent Anteil regenerativer Energien, man brauche 100 Prozent. Deshalb solle man in ERH einen Arbeitskreis Klimaschutz einrichten.

Mit Forderungen wie Holzbauweise prüfen für das neue Spardorfer Gymnasium, den Radverkehr in großem Stil fördern, lag Martina Stamm-Fibich (SPD) mit den Grünen auf einer Linie. Allerdings sollte man Klimaschutz-Politik auch sozialverträglich gestalten. Ihr Beispiel: Mit billigen Tickets die Bürger in die Busse locken sei gut, aber nicht, wenn die Busfahrer dafür nicht mehr gerecht entlohnt werden.

Michael Dassler (FDP) sieht Klimapolitik als Wirtschaftsförderung: Wenn die Unternehmen im Landkreis führend neue Technologien wie Wasserstoff-Antriebe entwickeln, sei dies doch auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

Maximilian Stopfer (JU) forderte einen klimaneutralen Landkreis, Manfred Reinhart (LÖP) sieht die Ökologie im politischen Dreiklang mit der Ökonomie und dem Sozialen als noch unterrepräsentiert.

Und als sich Reinhart sowohl für die StUB samt Ostast als auch für die Reaktivierung der Aurachtalbahn aussprach, war man beim dominanten Thema quer durch die verschiedenen podiumsüblichen Diskussionsrunden, die Henning Zimmermann (Fridays for Future) und Stefan Jessenberger (Energiewende Er(H)langen) moderierten: Mobilität und Verkehr.

Noch bessere Radverbindungen sind nötig. Dies einte alle. Auch die Forderung, das Busfahren billiger und schneller zu machen. Das VGN-weit gültige 365-Euro-Ticket favorisieren dabei alle bis auf Regina Enz, die für einen Preis von einem Euro pro Fahrt eintritt. Michael Dassler schränkte seine Gunst für den ÖPNV ein: den Pkw-Verkehr dürften Schnellbusse nicht ausbremsen.

Zur StUB als klimafreundliches Verkehrsmittel die bekannten Positionen: Regina Enz und Michael Dassler sprachen sich stattdessen für eine Wiederbelebung der Aurachtalbahn bzw. eine direkte Zugverbindung zum Flughafen und nach Nürnberg aus, Manfred Reinhart für StUB und Aurachtalbahn. Auf den StUB-Ostast hoffen alle Befürworter.

Der Klimaschutz braucht auch Personal. Darin waren alle einig. Doch will es der etatverantwortliche Alexander Tritthart bis mindestens 2021 mit der schon im Haushalt angesetzten Stellen-Aufstockung belassen und dann den Bedarf prüfen will, sehen Martina Stamm-Fibich, Manfred Bachmayer und Manfred Reinhart schon jetzt Bedarf: Die Nachfrage nach Klima-Beratung werde zunehmen, das Klimaschutzprogramm ist zehn Punkte stark, die abgearbeitet werden müssen. Einzig der Liberale Dassler möchte diese Leistung an Experten aus der freien Wirtschaft vergeben.

Unterschiedlich die Haltungen auch zu einer Pflicht für Solaranlagen in Neubauten. Gegen Zwang sind Regina Enz, Maximilian Stopfer und Michael Dassler. Skepsis äußerte Martina Stamm-Fibich der Kosten wegen, die Preise und Mieten unsozial treiben könnten. Alexander Tritthart gab sich hin- und hergerissen – vor allem der Frage wegen "wer kontrolliert das?". Klar für eine Pflicht Reinhart und Bachmayer. Der Grüne: "Photovoltaik gehört aufs Dach. Selbst Strom erzeugen ist auch sozial, denn es ist billiger."

RAINER GROH

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