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Montag, 21.10.2019

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"Fairien" in Vestenbergsgreuth

Kinder lernen im Jugendcamp, was Nachhaltigkeit und Fairtrade bedeuten - 04.09.2019 09:57 Uhr

Das wird lecker: Anne, Fiona, Flo und Florian (v. l.) zupfen auf den Hochbeeten mit Unterstützung von Jasmin Siegfried frische Kräuter, aus denen sie dann ein Pesto für die selbst gemachten Nudeln machen. © Foto: Maria Däumler


"Wir versuchen die Kinder spielerisch an die Themen Nachhaltigkeit und Fairtrade, gesunde Ernährung und gesunde Lebensführung heranzuführen", sagt Susanne Körner, Umweltpädagogin beim Kreisjugendring, der das Projekt zusammen mit dem Ferienpass des Landkreises Erlangen-Höchstadt anbietet.

Aus Hanffäden und aus Streifen von Stoffresten weben (v. l.) Annalena, Natalie und Johanna unter Anleitung von Susanne Körner (2. v. r.) Sitzkissen. © Foto: Maria Däumler


"Wir arbeiten aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern versuchen ganz sachlich zu überlegen: Ist es fair?", erläutert sie. Ist es fair, wenn zum Beispiel ein Arbeiter, der eine Jeans näht, nur ein Prozent des Verkaufspreises erhält? Da müssen die Kinder meist nicht lange überlegen, wie da die Antwort nur lauten kann.

Bevor praktisch in den Workshops gearbeitet wird, bespreche man mit den Mädchen und Jungs zum Beispiel, wie viel Energie in einem T-Shirt steckt, wo die Rohstoffe herkommen, wie die Arbeitsbedingungen vieler Arbeiter/innen sind und was nachhaltig ist, informiert Susanne Körner weiter. "Das interessiert die Kinder schon sehr. "

In einer Holzhütte auf dem Gelände des Jugendcamps verkündet Sophia ganz selbstbewusst: "Wir sind eine Fairtrade-Firma." Die Elfjährige schneidet in der "Textilen Manufaktur" gerade Querfäden zurecht, aus denen später zusammen mit alten Stoffen ein Sitzkissen gewebt wird. Johanna schneidet dazu einen alten Stoff in schmale Bahnen, die dann über Holzstäbe geflochten werden. Da muss man geduldig sein – und so lernt man schnell, wie viel Arbeit in so einem Kissen steckt.

Vor einer anderen Holzhütte baut Trautgott Goßler, KJR-Geschäftsführer, mit Kindern ein neues Hochbeet. Einige befüllen den Holzkasten gerade mit kleinen Ästen und Laub als Unterbau für das Erdreich. Alle wirken sehr konzentriert. In drei bestehenden Hochbeeten, die bereits im Vorjahr entstanden sind, wächst jede Menge Gemüse. Hier zupfen gerade Anne, Fiona, Flo und Florian frische Kräuter ab: Aus Salbei, Schnittlauch, Basilikum, Petersilie und Minze wird dann in der Küchenhütte ein Kräuterpesto gemacht.

"Die gibt es mittags zu den selbst gemachten Nudeln", erzählt Umweltpädagogin Jasmin Siegfried. Jeden Tag bewirtet die Küchengruppe alle 20 Kinder und ihre Betreuer möglichst mit regionalen oder sogar selbst angebauten Lebensmitteln. Das kommt prima an. Nicht nur die selbst gemachten Nudeln aus Dinkel und Weizen sind der Renner, auch die Nachspeise schaut lecker aus: Obstspieße mit Schokoüberzug. Nebenher erfahren die jungen Köche, woher Schokolade kommt und wie sie angebaut wird.

Bei all diesen Aktionen sehen und spüren die Kinder, wie viel Arbeit, Mühe und Pflege es braucht, bis beispielsweise Tomaten oder Kürbisse wachsen. Wer selbst kocht, entwickelt in der Regel eine gewisse Wertschätzung für Lebensmittel und wirft nicht so schnell was weg.

Anne, die im vergangenen Jahr schon einmal an einer Freizeit im Jugendcamp teilgenommen hat, ist mit Begeisterung bei der Kochgruppe dabei: "Mir gefällt es sehr gut, weil man hier kochen kann", erzählt die Elfjährige. Im Kurs des Vorjahres habe sie eine Schürze aus alten Stoffen genäht. "Die benutze ich zu Hause immer noch", freut sie sich – und liefert so einen Beweis für gelebte Nachhaltigkeit.

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