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Feuerwerk-Händler aus Schlüsselfeld gerät wegen Böller-Verbot in Not

Der Firma Röder gehen 95 Prozent des Jahresumsatzes flöten - 18.12.2020 13:50 Uhr

„Make Silvester great again“ steht auf der Mütze von Heiko Röder (links). Er und Markus Strasser stehen in der Lagerhalle für Feuerwerkskörper in Schlüsselfeld. Das Foto wurde im Jahr 2019 aufgenommen, also vor den Corona-Auflagen.

15.12.2020 © Foto: Matthias Kronau


Der Feuerwerkhändler hatte rechtliche Schritte gegen das Verkaufsverbot von Silvesterraketen und Böllern überlegt. Allerding ist das Verbot durch Paragraf 12 der Elften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 15. Dezember abgedeckt.

"Das ist dann der Tod der ganzen Branche", meint Heiko Röder. Vor zwanzig Jahren, im Alter von 18 Jahren, ist er in den Feuerwerkhandel eingestiegen. Unterhalb des ADAC-Fahrsicherheitszentrums bei Schlüsselfeld an der A 3 hat die Firma Röder Feuerwerk inzwischen ein großes Gelände.

Ein Silvesterfeuerwerk wie dieses 2019 in Höchstadt wird es heuer nicht geben.

15.12.2020 © Berthold Raum


Die Gebäude dort wurden vergangenes Jahr erweitert. Eine riesige Halle ist bis unters Dach voll mit Pyrotechnik: rund 1650 Artikel lagern dort. Wie viele Teile es insgesamt sind auf dem Gelände, sei schwer zu sagen, meint Heiko Röder. "Aber rund 50 Tonnen Schwarzpulver haben wir hier."


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Für Silvester ist alles fertig verpackt. Die 35 Mitarbeiter von Röder Feuerwerk haben damit schon vor Monaten begonnen. "Wenn wir das jetzt alles wieder auspacken und zurück sortieren müssen, entstehen weitere Kosten", meint der Geschäftsführer verzweifelt. Ein großer Container aus China kam gerade erst an, der sechs Wochen lang unterwegs war. Die Ware ist bezahlt – das Geschäft lässt sich nicht mehr zurücknehmen. Immer zwei Jahre im Voraus entwickeln die Fachleute bei Röder Feuerwerk neue Ware, in China werden die Muster gebaut. Im Oktober 2020 hätten sie vorbestellen müssen für Silvester 2021.

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Die Kunden können online kaufen – die Webseite hat zwei Shops, einen für Hochzeiten und Geburtstage unter dem Jahr und einen für Silvester. Üblicherweise öffnet zwischen den Jahren auch der Lagerverkauf, zu dem Kunden aus ganz Franken anreisen. "Dass das heuer nichts wird, ist zwar schade, war aber wenigstens schon länger klar." Heiko Röder ärgert sich vor allem, dass er Knall auf Fall erfahren musste, dass seiner Firma 95 Prozent des Jahresumsatzes wegbrechen werden. Bis vor ein paar Tagen standen die Ampeln für den Feuerwerksverkauf ja noch auf Grün.

Für die Branche, die komplett abhängig ist von wenigen Verkaufstagen im Jahr, sei es wirklich "der Genickbruch", wenn jetzt die private Verwendung von Böllern und Raketen untersagt wird.

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In anderen Bundesländern sei das nicht der Fall, sagt Marketing-Mitarbeiter Markus Strasser. Er hat die einzelnen Landesverordnungen studiert, die bereits zum Thema erlassen sind. In Thüringen, meint er, wird sogar die nächtliche Ausgangssperre bis 3 Uhr morgens aufgehoben, damit die Leute den Jahreswechsel feiern können.

Der Alkohol ist das Problem

Strasser und Röder betonen, dass Verletzungen durch Böller, Raketen und Co. kein großes Problem sei zu Silvester. Röder zitiert eine Studie aus dem Jahr 2015, nach der dies nur einen sehr geringen Anteil ausmache. "Und diese Patienten werden dann ja nicht auf der Covid-19-Station behandelt", meint Strasser, der sich ärgert. Die Politik argumentiere ohne Belege.


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Alkohol, das hätten ihm mehrere Ärzte bestätigt, sei ein wesentlich größeres Problem. Röder befürchtet sogar, dass viele sich jetzt mit illegalen Böllern eindecken, was die Verletzungsgefahr steigere.

"Eine Explosion der Lebensfreude"

Und Strasser hat eine Idee für die Zukunft: Die Politik könne den Feuerwerksverkauf zu einem bestimmten Tag hin erlauben, wenn der Corona-Winter vorbei ist, zum Beispiel zum 28. Februar. "Das wäre eine Explosion der Lebensfreude, die auch noch eine Branche rettet."

CLAUDIA FREILINGER

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