Sonntag, 12.07.2020

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"Geile Böck" aus Zeckern: Aus Gaudi wurde Ernst

Christina Sörgel, Trainerin eines Männerballetts, im Interview - 06.02.2020 17:14 Uhr

In militärischem Gewand wollen die „Geilen Böck“ wieder angreifen. Am Samstag möchten sie mit ihrer Choreographie „Zeckern Drill“ beim Wettkampf in Aschbach die Herzen des (weiblichen) Publikums erobern. © Foto: Roland Huber


Frau Sörgel, wie wichtig ist Ihnen denn die Titelverteidigung in Aschbach?

Natürlich sehr wichtig (lacht). Die Jungs sind heiß. Letztes Jahr kam der Erfolg überraschend für uns – und jetzt sind natürlich die Ansprüche und Erwartungen gestiegen. Und es ist wirklich so, dass meine Jungs ehrgeiziger sind als ich selbst.

Tun Ihre Schützlinge auch genug für künftige Erfolge?

Die sind total voll dabei. Wir trainieren fast immer vollzählig und diszipliniert. Und gibt es doch mal Absagen, kommen die rechtzeitig bei mir an. Für sie ist es keine reine Gaudi mehr nach den Siegen in Aschbach und Effeltrich haben sie immer neue Ziele. So fahren wir am 24. April in die Karnevals-Hochburg nach Mainz – da trifft sich auf Einladung der Allianz Deutscher Männertanzgruppen quasi die Elite der deutschen Männerballette.

Als Kind hat Christine Sörgel bei der Garde getanzt, zunächst nur zum Spaß bei der SpVgg Zeckern unter Trainerin Ute Daniel, später bei Turnieren für den RMV Strullendorf. Seit 2014 ist die 26-jährige angehende Lehrerin die Trainerin der Zeckerner Männerballett-Gruppe „Geile Böck“. © Foto: Roland Huber


Wie sind denn die "Geilen Böck" entstanden – und wie sind Sie zu Ihrem Trainerposten gekommen?

Entstanden ist das Ganze aus einer Gaudi heraus. 2013 hat eine Freundin und Mittänzerin von mir geheiratet – einen Fußballer der SpVgg. Da wollten wir nicht nur einen Showtanz mit unseren "Crazy Ladies" bieten, sondern etwas gemeinsam mit den Männern. Denen hat das so gut gefallen, dass sie gefragt haben, ob man das nicht öfter machen könne. Zum Beispiel zum Fasching. Und schon war ich Trainerin.

 

Ist es denn leichter oder schwerer, mit Männern zu trainieren?

Die Jungs sind schon deutlich unkomplizierter – Mädchen zicken mehr. Obwohl ich schon auch ein paar männliche "Gackerweiber" in meiner Truppe habe. Aber insgesamt sind sie leicht zu handeln. Aber ein Kasten Bier muss dabei sein. Dann haben sie ihren Spaß, und ohne werden sie nicht locker in der Hüfte.

 

Ihre Tänzer kommen ja fast alle vom Fußball. Die haben doch bestimmt eher einen sportlichen Ansatz. Wenn man Parallelen zum Eiskunstlauf zieht, stehen sie wohl mehr auf die A-Note und weniger auf den künstlerischen Teil, die B-Note . . .

Das ist richtig. Die Power bringen die Jungs mit, für die filigranen Aspekte bin ich zuständig. Die Mitglieder sind zwischen 19 und 30 Jahre alt und körperlich ziemlich fit - wir sind eine vergleichsweise junge Truppe. Mit Marcel Kreuzer haben wir auch einen guten Tänzer dabei. Bei den Choreographien hatten wir anfangs Soli für ihn dabei, inzwischen vertrete ich die Meinung, wir machen etwas gemeinsam – und dann gibt es keine "Stars". Nun gibt es halt Elemente, bei denen alle Mithalten können. Das Schöne ist, dass sich die anderen immer mehr an das Niveau von Marcel herantasten.

 

Gibt es auch Dinge, die ihre Jungs im Training nicht so gerne machen? Dehnen gehört ja nicht zu den männlichen Vorlieben.

(Lacht) Kann man so sagen. Aber die Bereitschaft, sich ein wenig zu quälen, nimmt mit dem Fortschreiten der Saison vor den Wettkämpfen schon deutlich zu. Anfangs ist der eine oder andere vielleicht noch etwas faul. Aber vor den Auftritten besiegen alle ihren inneren Schweinehund.

 

Wie entsteht denn bei den "Geilen Böck" der neue Tanz und die Choreographie?

Wir haben immer eine erste Sitzung bei meinem Papa in der Werkstatt, das ist unser Treffpunkt. Der Auftritt darf ja nicht länger als fünf Minuten dauern. Diesmal haben wir uns eben für den "Zeckern Drill" entschieden, das ist schon an eine militärische Szenerie angelehnt und es kommen einige bekannte Songs vor. Da gibt es einen Instructor und Soldaten, die parieren – aber alles mit Humor gewürzt. Und das mit den Kostümen ging auch einfacher als bei einem Frauenballett: Wir sind in den Erlanger Army-Shop, waren nach einer halben Stunde mit Uniformen für alle draußen und konnten noch gemeinsam ein Bierchen trinken gehen.

 

Wie sind denn die Erfahrungen mit weiblichen Groupies – fliegen da Kuscheltiere und Höschen auf die Bühne?

Bei den Turnieren ist es ja eher so, dass die eigenen Fans ihre Truppe anfeuern. Das ist also eher harmlos. Aber beim Poppendorfer Weiberfasching im Wirtshaus Dippacher geht es traditionell schon verrückter zu. Da flippen die Mädels schon mal total aus.

 

Ist ja vermutlich schon komisch, sich als Trainer der "Geilen Böck" vorzustellen. Hatten Sie eigentlich Einfluss auf den Namen der Truppe? Nö, den haben die sich schon selbst gegeben. Zeckern hat ja den Geißbock im Wappen, auch die Fußballer werden so genannt. Und daraus sind dann eben die "Geilen Böck" geworden. Aber das ist schon in Ordnung so.

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