Beeindruckende Skulpturen

Herrin des Holzes: Theresia Hofmann ist Deutsche Meisterin mit Erlanger Vergangenheit

26.9.2021, 05:13 Uhr
Theresia Hofmann fertigt in Attelsdorf Holzfiguren und ist Deutsche Meisterin.

Theresia Hofmann fertigt in Attelsdorf Holzfiguren und ist Deutsche Meisterin. © Niko Spörlein, NN

Am vergangenen Wochenende wurde die 39-Jährige aus dem Schlüsselfelder Ortsteil Attelsdorf mit ihren Kettensägen Deutsche Meisterin der Holzskulpturenkunst. Heute klopfen bei ihr Interessenten aus ganz Deutschland an und möchten von „Res“, nur unter diesem Namen kennt man sie im Steigerwald, eine ganz individuell bearbeitete Holzfigur. Die elterliche Scheune bietet viel Platz für die dicken Eichenstämme, die sie vorzüglich bearbeitet. „Nur Eiche kommt wegen ihrer Qualität infrage“, sagt die frischgekürte Meisterin. Dieses gelagerte Holz bezieht sie überwiegend aus der Region; es werde aber auch hier und da mit Lkw aus Baden-Württemberg angeliefert.

Staatsexamen an der Uni Erlangen

Ursprünglich absolvierte „Res“ an der Universität in Erlangen das Staatsexamen der Krankenpflege. Kreativität und Einfühlungsvermögen seien im Umgang mit Menschen gefragt, aber auch bei der Bearbeitung von Holz. Ihre Werke machten schnell weit über die Grenzen Nordbayerns auf sich aufmerksam, spätestens seit die Stadt Schlüsselfeld, damals noch bei Bürgermeister Georg Zipfel, bei ihr und einigen ihrer Kollegen den „Skulpturenpark“ (die „Steigerwald-Sagen“) in Auftrag gab. „Res“ Hofmann fertigte für diesen Park menschliche Holzfiguren, meist mannshoch, die heute noch beispielsweise in der Altstadt „Unter den Linden“ zu bewundern sind.

Die Edeldame ist eines der Werke Hofmanns und ist in Schlüsselfeld von großer Bedeutung.

Die Edeldame ist eines der Werke Hofmanns und ist in Schlüsselfeld von großer Bedeutung. © Niko Spörlein, NN

Die „Edeldame“ aus dem Bürgerwald steht so in Sichtweite des Rathauses und bildet eine Sage ab, die in Schlüsselfeld geläufig ist: Anna Amalia von Laufenholz soll sich um 1620 herum im Wald verlaufen haben, erzählt man sich. Es wurde Nacht, sie verirrte sich und musste um ihr Leben fürchten. Bis sie zur Orientierung die Glocken von Schlüsselfeld hörte und dem Klang folgte. Aus Dankbarkeit soll sie den Schlüsselfeldern diesen Wald geschenkt haben - den „Bürgerwald“. Heute noch ist dieser Bürgerwald mit einem realen Holzrecht für Schlüsselfelder Bürger ausgestattet.

Ausgestattet von Fach-Unternehmen

Inzwischen wurde auch das Fach-Unternehmen „Stihl“ auf die Holzkünstlerin aufmerksam; hier fließen nicht die großen „Mittel“, vielmehr stattet „Stihl“ seine Repräsentantin mit Werkzeug und Schutzkleidung aus, erzählt „Res“ Hofmann. Es sei noch nicht so lange her, da bestellte die Stadt Hirschaid ein Freundschafts-Geschenk für eine ihrer Partnerstädte: Die „Reichenden Hände“ entstanden in Attelsdorf in gut einwöchiger Arbeit. Man müsse aber wissen, betont die Künstlerin, dass sie nicht ununterbrochen bei ihrer Arbeit in der Scheune bleiben könne, schließlich kümmere sie sich auch noch um den Haushalt und ihre zwei Kinder.


„Also, ganz so einfach war das nicht mit der Deutschen Meisterschaft“, reflektiert sie über den Wettbewerb im sächsischen Ort Eibau (Landkreis Görlitz). Man musste sich zunächst bei einigen Qualifikations-Turnieren im Schnellschnitzen beweisen und Punkte sammeln. Ein elitärer Kreis von 13 Männern und zwei Frauen aus ganz Deutschland schaffte es dann zur DM. Bei dieser ging es zwei Tage lang um die Holzbearbeitung bis ins Detail, es ging um Kreativität, um die Finesse bei der Anatomie, es ging aber auch um die Motivwahl und nicht zuletzt begutachteten die Schiedsrichter auch mögliche Fehlschnitte im Holz.

Amtierenden Meister distanziert

Theresia Hofmann, eine geborene Ottenschläger, schaffte es schließlich und distanzierte ihren schärfsten Konkurrenten, den amtierenden Deutschen Meister Uwe Hempel, um acht Punkte. Die eher schlichte DM-Medaille trägt sie natürlich nicht ständig. „Für das NN-Bild zieh' ich sie schon drüber“, scherzt die stets gut gelaunte Deutsche Meisterin und macht sich gleich hernach an ihre nächste Auftragsarbeit: Engelsskulpturen seien bestellt für einen Trauerwald in der Nähe von Hof.

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