Samstag, 26.09.2020

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Herzogenaurach: Bald Endstation für den Camping-Bahnhof

Dietmar Marscholik muss September nächsten Jahres seinen Laden nahe Schaeffler räumen — "Ein paar Monate länger wären schön" - 24.11.2018 11:50 Uhr

Wie viele Ausrüstungsteile rund um Camping und Outdoor er anbietet, kann Dietmar Marscholik gar nicht genau sagen. „Zigtausende sind es auf alle Fälle“, sagt er. Nun ist der langsame Abverkauf im Gange.

© Foto: Matthias Kronau


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"Wir hatten natürlich gehofft, dass wir bleiben können, bis ich in Rente gehen kann", sagt Dietmar Marscholik. Der 62-jährige Inhaber des Camping-Bahnhofs hätte gerne noch ein paar Jahre in dem alten Gebäude weitergearbeitet. Ganz überraschend kam die Kündigung aber nicht. Grundsätzlich ist schon seit Jahren klar, dass dieses Areal einmal anderweitig genutzt werden würde. "Wohl schon über ein Jahr ist es her, dass mich der Bürgermeister angerufen hat," erinnert sich Dietmar Marscholik. "Er meinte, dass zwar noch etwas Zeit sei, es andererseits dann aber doch auch recht schnell gehen könne."

Konkret wurde es im April dieses Jahres, die Kündigung wurde dem Campingbahnhof zugestellt. Zu-
nächst war Frist bis Ende Juni, sie wurde aber noch einmal zwei Monate nach hinten verlegt.

Notwendige Entwicklung

Bürgermeister German Hacker sieht die Entwicklung auch mit "Wehmut", zumal er selbst früher ein guter Kunde war. "Eine super Beratung gibt es da", weiß er. Doch letztlich sei die Entwicklung notwendig. Nach der Entwidmung des kurzen Gleisabschnitts für Bahnzwecke "haben die Stadt und auch die Firma Schaeffler nun einen Zustand, um Stadt- und Gewerbeentwicklung betreiben zu können", so Hacker. Heißt: Die Stadt braucht Teile der Gesamtfläche für die Stadt-Umland-Bahn, Schaeffler (auf deren Gelände der Bahnhof liegt) für mögliche Investitionen.

Auf Nachfrage bei dem Unternehmen ist allerdings lediglich zu erfahren: "Wir sind derzeit in einem Planungsprozess zu den Nutzungsmöglichkeiten der Flächen nördlich unserer Werksgrenzen. Deshalb können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht konkreter werden."

Es sind auch solche Sätze, die Dietmar Marscholik befürchten lassen, dass er den Bahnhof verlassen muss, und der dann ewig leersteht. "Das wäre schlimm", so Marscholik, der gemeinsam mit seiner Frau derzeit eine schwere Zeit durchlebt. "Es geht einem 24 Stunden durch den Kopf: Wie geht es weiter?"

Und ob überhaupt. "Ich kann noch nicht sagen, dass wir auf alle Fälle weitermachen." Denn ein derartig sortimentreicher Camping-Laden, in dem Camping- und Outdoorfreunde stundenlang stöbern können, findet sich in dieser Form nur noch selten. Mit einem Inhaber, der unter Mithilfe seiner Frau ein wahrhaft gigantisches Angebot in der langgezogenen früheren Halle der Güterabfertigung bereithält.

Für alle was dabei

"Ich denke, der Laden ist in dieser Form einmalig." Der Camping-Bahnhof ist überregional bekannt, der normale Kunde findet sich hier zurecht, und auch für den Freak ist der Camping-Bahnhof ein Fest.

Die Devise heißt: Intensive individuelle Beratung statt anonymer Internethandel. "Da bin ich nie eingestiegen, das ist auch keine Option für einen einzelnen Einzelhändler", betont Marscholik. Also lieber 40 verschiedene Campingkocher im Regal vorrätig haben als Unmengen Zeit für den Online-Verkauf opfern, der für einen Einzelnen viele juristische Fallstricke bietet. "Wir waren und sind immer so zufrieden gewesen", so der Herzogenauracher, der jetzt in Nürnberg lebt.

Der Vater half mit

Dietmar Marscholik hat seinen Camping-Bahnhof langsam aufgebaut. Das war vor über 30 Jahren. Zunächst hatte der damalige adidas-Mitarbeiter nur privat Expeditionsausrüstung verliehen. Daraus wurde bald mehr, und 1986 öffnete der Camping-Bahnhof. Viele Jahre half auch sein Vater mit, für den der Bahnhof gewohntes Terrain war: Hans Marscholik hatte 20 Jahre lang als Beamter im "echten" Bahnhof gearbeitet. Da hängen viele Erinnerungen am Camping-Bahnhof.

Was sind die nächsten Schritte für die Marscholiks? Seit einiger Zeit ist schon mit dem rabattträchtigen Abverkauf begonnen worden. Ziel: Das Gesamtsortiment stetig zu verringern, bis Dietmar Marscholik weiß, wo es langgeht.

Ein Umzug in ein anderes Gebäude in der Region? "Da ist es natürlich schwierig, etwas zu finden, das preislich passt." Eine Variante könnte auch sein, das Geschäft samt Sortiment und Geschäftsbeziehungen einem Nachfolger zu verkaufen. Doch so weit ist es noch nicht. Die Marscholiks sind noch ganz am Anfang ihrer Überlegungen.

Noch ein bisschen länger?

Nur eines weiß Dietmar Marscholik: "Es würde uns schon sehr helfen, wenn wir noch ein paar Monate länger drin bleiben könnten. Vielleicht zeigt sich ja, dass die Firma Schaeffler das Gelände doch nicht so schnell braucht."

MATTHIAS KRONAU

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