Herzogenaurach: Fundament des Bergfrieds aufgedeckt

20.7.2018, 16:03 Uhr
Der „große Graben“ im Schlosshof wird dieser Tage wieder zugeschüttet. l

Der „große Graben“ im Schlosshof wird dieser Tage wieder zugeschüttet. l © F.: we

Eines konnten die Archäologen aber feststellen: Offensichtlich hat Wenzel Berner bei seiner Bauaufnahme der mittelalterlichen Burg um 1715 vor dem barocken Umbau nicht so großen Wert auf Maßstabsgenauigkeit gelegt.

Denn nach einer ersten, vergeblichen Grabung am Schusterbrunnen, konnte an einer zweiten Position, näher zum Eingang in das Rathaus, das Fundament des Bergfrieds am Donnerstag aufgedeckt werden.

Der Turm hatte ein Zweischalenmauerwerk, nach außen eine Seite aus behauenen Sandsteinquadern, genauso nach innen, der Zwischenraum wurde mit Bruchsteinen aufgefüllt.

Zuvor mussten bei der Ausgrabung erst Verfüllung des 18. Jahrhunderts entfernt werden. Allerdings wurde beim Neubau des Rathausgebäudes in den 1960er Jahren viel vom ehemaligen Boden entfernt.

Dr.Marco Goldhausen mit Exponaten, die in Herzogenaurach gefunden wurden.

Dr.Marco Goldhausen mit Exponaten, die in Herzogenaurach gefunden wurden. © F.: we

Goldhausen schätzt, dass noch rund 20 Zentimeter vom ursprünglichen Bodenniveau erhalten sind, in denen sich auch hochmittelalterliche Keramik des Typs "Leistenbrand" aus dem 12. Jahrhundert befindet. Das Material des abgebrochenen Turms, die Sandsteinquader, wurde beim barocken Umbau der mittelalterlichen Burg zum barocken Schloss verwendet.

Entdeckt haben sie die Archäologen bei einer weiteren Grabung, am Ostflügel. Hier steht bereits der Felsenboden an, in diesem konnten Pfostenlöcher für ein Gebäude nachgewiesen werden. Darauf sitzt das Fundament der aufgehenden Mauer des Ostflügels, das mit den Abbruchsteinen des Bergfrieds errichtet wurde. Dies konnte Dr. Goldhausen an den Bossenquadern mit Randschlag zeigen. Am Südflügel des Gebäudes unterhalb des Laufniveaus des Schlossinnenhofes haben die Archäologen ein Bogenportal in der Mauer freigelegt, außerdem zugehöriges Mauerwerk, das als Abgang zu einem Keller interpretiert wird. Dieser Keller war älter als der jetzige bestehende Keller des Ratskellers. Der Bogen hat eine Durchgangshöhe von rund 1,60 Meter und ist damit passend für die Körpergröße von mittelalterlichen Menschen. Renate Krautwurst zeichnet hier die Details auf.

Bei ihren Grabungen konnten die Archäologen außerdem auch feststellen, dass die Bauwerke unterhalb des Laufniveaus mit Lehm gegen eindringende Feuchtigkeit von außen geschützt wurden.

Währenddessen säubert ein weiterer Mitarbeiter im Anwesen Hintere Gasse 30 die Bestandteile von Gefäßen, die bei der Grabung zutage gefördert wurden, genauso wie bei vorangehenden Baumaßnahmen im Schloss und drumherum.

Besonders über die Keramik lässt sich die Zeitstellung feststellen, vor allem in der Stauferzeit war eine umfangreiche Bauphase an der mittelalterlichen Burg, dem späteren Schloss der Barockzeit.

Konservatorisch überdeckt

Aufgetaucht sind auch Funde aus dem Spätmittelalter und dem Barock. Bis jetzt fehlen Keramikfunde aus dem 11. Jahrhundert. Die können aber noch an anderen Stellen im Erdreich verborgen sein.

Die ausgegrabenen Befunde im Boden werden nach der Dokumentation mit einer "konservatorischen Überdeckung", einem Vlies versehen, bevor sie wieder mit Sand bis zum Frühjahr verfüllt werden können.

Was nach der Dokumentation mit den Funden geschieht, entscheidet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Für Goldhausen sind die Erkenntnisse aus Herzogenaurach wichtig für die ganze Region und schließen eine Informationslücke.

Denn in unserer Region ist wenig über das Hochmittelalter, ein Teil davon ist die Stauferzeit, bekannt, da aus diesem Zeitraum nur wenig Schriftquellen erhalten sind. "Es ist wichtig, mit Nachdruck daran zu arbeiten, und diese Lücken zu schließen!", so Marco Goldhausen.

 

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