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Herzogenaurach: Wieder Streit um die Aurachtalbahn

Uneinigkeit in Herzogenaurachs Planungs- und Umweltausschuss. - 24.09.2020 06:00 Uhr

Diese S-Bahn fährt bei Vach vorbei an einem Sonnenblumenfeld. Die Frage, ob die Aurachtalbahn zu reaktivieren wäre, soll Thema eine Machbarkeitsstudie sein.

23.09.2020


Und um das es in der jüngsten Sitzung des Herzogenauracher Planungs- und Umweltausschusses im Interimsrathaus wieder einmal erbitterte Auseinandersetzungen gab.

Da drohte CSU-Fraktionschef Konrad Körner dem SPD-Bürgermeister German Hacker offen mit der kommunalen Rechtsaufsicht, wenn dieser nicht endlich einen in einer zurückliegenden Sitzung besprochenen Brief an den Freistaat Bayern, also die Bayerische Staatsregierung, auf den Weg bringe.

Hacker erwartet "Kannibalisierungseffekte"

Aus diesem Schreiben solle hervorgehen, dass der Herzogenauracher Stadtrat sich deutlich für eine Reaktivierung der Aurachtalbahn ausspricht. Aus Hackers Sicht ein überflüssiger Schritt, weil er daran zweifelt, dass der Freistaat angesichts zu erwartender "Kannibalisierungseffekte" zwischen StUB und Aurachtalbahn von seiner ablehnenden Haltung gegen das S-Bahn-Projekt abrückt. Zudem würden in der nahen und fernen Zukunft noch viele Schreiben in diesem Kontext von Herzogenaurach nach München gehen, im Vorfeld brauche es solche Absichtsbekundungen nicht.

Ging es doch auch im Planungsausschuss nur darum, eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen. Und dazu ein Büro zu benennen, das die Rätinnen und Räte mit fachlicher Expertise bei der Auswahl eines geeigneten Planungsbüros für diese Machbarkeitsstudie berät. Das kann laut Hacker dauern (zumal der Bürgermeister die Findung des geeigneten Büros als demokratischen Prozess sieht) – und ist kein konkreter Schritt zur Reaktivierung.

Zunächst gilt es herauszufinden, ob das Projekt überhaupt die Vorgaben der Politik erfüllen kann. Laut Annette Mandry vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), die mit ihrem Kollegen Tilman Gänsler der Sitzung beiwohnte, ist der zentrale Faktor die Ermittlung der Kosten und die zu erwartende Auslastung.

Über 1000 Fahrgäste pro Streckenkilometer

Damit die Aurachtalbahn als S-Bahn überhaupt Grünes Licht bekommen kann, ist ein Fahrgastaufkommen von über 1000 Menschen pro Streckenkilometer pro Tag nachzuweisen. "Nachdem nur wenige Fahrgäste die komplette Strecke abfahren werden, müssen es insgesamt deutlich mehr als 1000 täglich sein", erklärte German Hacker.

In den Vorgaben wird auch bestimmt, dass die Bahn-Infrastruktur "ohne Zuschuss des Freistaats Bayern in einen Zustand versetzt wird, der einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht".

Hohe Hürden

Zudem müssen jene, die eine neue Aurachtalbahn auf die S-Bahn-Gleise setzen wollen, ein Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen finden, das bereit ist, die Strecke über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu betreiben. Das kann, muss aber nicht die DB AG sein. Ergänzend zur Bahnlinie ist darüber hinaus ein Busnetz einzurichten – alles Hürden, die nur sehr schwer zu bewältigen sind.

Über die Aussagekraft der Studie entscheide laut German Hacker die Detailtiefe – und genau aus diesem Grund soll ein noch zu benennendes Fachbüro bei der Entscheidung für das eigentliche Planungsbüro helfen, denn die Zahl der dezidierten Eisenbahn-Experten dürfte im Stadtrat nicht allzu hoch sein.

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Die zu verarbeitende und zu bewertende Informationsflut werde bei dem Projekt bereits im Vorfeld groß sein, warnt Hacker, denn im Rahmen der Machbarkeitsstudie würden viele Fragen gestellt: "Das ist ein extrem breiter Prozess", so Hacker.

Ein Prozess, an dessen Ende nicht notwendigerweise der Beschluss für ein weiteres Bahnprojekt stehen muss. Denn die Voruntersuchungen, sie sind ergebnisoffen. Und sollen so auch vom Stadtrat behandelt werden.

HANS VON DRAMINSKI

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