Donnerstag, 19.09.2019

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Herzoman birgt immer Gesprächsstoff

Die 34. Auflage bietet wieder viele Anekdoten und einen Bürgermeister mit "Plattfuß" - 28.07.2019 20:38 Uhr

Da feiert die Belegschaft der Metallbaufirma Walter ihren Chef Gerhard Walter. Der war so euphorisiert, dass er zunächst mit Helm und Fahrradschuhen auf die Laufstrecke wollte, dann aber doch noch kehrt machte.


Wie die Sieger der Frauen-Konkurrenz. Astrid Werner hatte als Studentin ein Pferd in Herzogenaurach stehen und bekam mit, wie viele Menschen durch die Gegend radelten und rannten. "Ich habe mich erst gefragt: Was machen die denn da, und als ich es wusste, habe ich mir gesagt: Da machst du mit!"

Mittlerweile ist die 34-Jährige so gut, dass sie für das Bayernligateam des TSV Altenfurt startet und die Konkurrenz am Sonntag in Grund und Boden radelte und lief. Nach 1:05:29 Stunden war sie im Ziel, mit respektvollem Abstand vor durchaus bekannten Triathletinnen wie Theresa Neukam, Elena Pluta und der Siegerin von 2017, Sofia Warter Rubio. Astrid Werner fand die Bedingungen super, stieg mit Rückstand aus dem Becken des Freibads, holte auf dem Rad alle anderen ein ("zumindest habe ich das vermutet, genau gewusst habe ich es nicht") und vergrößerte den ohnehin großen Vorsprung auf der Radstrecke noch – nach Platz zwei im Vorjahr also nochmals eine Steigerung.

"Nicht nur auf dem Sofa hocken"

Schneller werden ist nicht mehr die Motivation für Philip Ray. Beim 20. Herzoman war er als Mittfünfziger erstmals dabei, musste dann aus gesundheitlichen Gründen aussetzen. 2018 entschloss er sich – schon jenseits der 70 – bei der Trainingsgruppe "Fit for Herzoman" mitzumachen. "Das ist toll für ältere Leute, man kann Muskulatur aufbauen und hockt nicht nur auf dem Sofa rum."

Beim Schwimmen hatte Philip Ray, der inzwischen ordentliches Mitglied der TSH-Triathlonabteilung ist, die Bühne und viel Beifall für sich. Das war ihm aber eher unangenehm. Denn bis zum letzten Jahr schwamm er in der Brustlage, was aber wegen eines Meniskusschadens nicht mehr ging. Nun musste der 72-Jährige sich das Kraulschwimmen antrainieren – "und da fehlt mir noch viel Übung". So benötigte er 18:29 Minuten für die 400 Meter im Freibad und hielt damit ein wenig die folgende Startgruppe auf. Am Schluss benötigte er wegen dieses Handicaps heuer knapp über zwei Stunden – 2020 wird er sicherlich darunter liegen, wenn das Kraulen einstudiert ist.

Er war sicherlich ein Publikumsliebling, aber den meisten Applaus entlang der Strecke erntete das 14-köpfige Starterteam der Firma Gerhard Walter Metallverarbeitung. Vor einem halben Jahr habe der Firmenchef in launiger Runde diese Idee gehabt, dann wurde fleißig trainiert, schicke Trikots wurden gestellt – und die restlichen Mitarbeiter bastelten offenbar Plakate für die "Walter Warriors". Wieder eine örtliche Firma mehr, die den Herzoman bereichert, die meisten Teilnehmer dürfte aber nach wie vor ProLeit stellen.

"Lost" in Aurachtal

Eher einsam fühlte sich Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker – zumindest auf der ersten Radrunde. Der passionierte Radfahrer hatte schlicht und einfach einen Platten, der sich nicht beheben ließ, obwohl Konkurrenten mit der Luftpumpe aushalfen. "Ab Aurachtal musste ich schieben", klagte der SPD-Politiker, der Glück hatte, dass an der Kreuzung "An der Bieg" Koalitionspartner Peter Simon (Grüne) stand. Der war selbst als Teilnehmer gemeldet, musste aber wegen einer Erkältung passen. Somit konnte er Hacker sein Fahrrad ausleihen, sodass dieser doch noch das Ziel erreichte, zwar rund 20 Minuten später als geplant; aber aufgeben musste er nicht. "Schade, ich habe mich heute körperlich gut gefühlt und hätte eine Bestzeit drauf gehabt", so der Bürgermeister.

Diese gelang dann dem Sieger bei den Herren, Lasse Ibert. Der einstige Schaeffler-Mitarbeiter, inzwischen Selbstständiger in Nürnberg, musste einfach so schnell sein, um die jüngeren Rivalen abzuwehren. Der 31-Jährige vom Team twenty.six Roth fürchtete vor allem Dion Heindl vom TV 48 Erlangen (Jahrgang 2000), der 22 Sekunden hinter ihm ins Ziel kam. "Ich wusste, dass der letztlich schneller schwimmt und läuft als ich. Ich musste auf der Radstrecke Vollgas geben und dann die Flucht nach vorne antreten. So schnell bin ich noch nie durch den Dohnwald gerannt."

Ob seine 55:30 Minuten ein neuer Streckenrekord sind, konnten nicht einmal die Veranstalter von der Turnerschaft 1861 sagen. Diese Daten würden online nicht gepflegt, hieß es. Ansonsten lief die Veranstaltung routiniert und fast perfekt ab. Vorstandssprecher Gerd Ankermann beklagte nur ein "Hitzeopfer" – ein Lautsprecher hatte den Geist aufgegeben und rauchte dann vor sich hin.

  

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