Herzoman: Eine wahnwitzige Energieleistung

24.7.2016, 21:06 Uhr
Obwohl er erst den Challenge absolviert hatte, kam Tobias Heining lachend ins Ziel und klatschte mit den Fans ab (Bild rechts). Schon zum Schwimmen im Freibad hatten sich viele Fans versammelt (Bild links).

Obwohl er erst den Challenge absolviert hatte, kam Tobias Heining lachend ins Ziel und klatschte mit den Fans ab (Bild rechts). Schon zum Schwimmen im Freibad hatten sich viele Fans versammelt (Bild links).

Es war nur ein einziges Wort, das Tobias Heining entfuhr, als er die Ziellinie überquerte: „Naja“. Naja? „Naja im Sinne von: Das war eine harte Nummer“, erklärt der 27 Jahre alte Athlet wenig später völlig gelassen neben der Laufbahn des Turnerschaft-Sportplatzes: „Aber es hat voll Spaß gemacht.“

Dass es eine harte Nummer war, nahmen Heining alle ab, schließlich hatte der Nürnberger genau eine Woche zuvor noch am Challenge in Roth teilgenommen. Wobei „ teilgenommen“ es auch nicht so ganz trifft: Heining war mit einer grandiosen Leistung Zehnter geworden, in einer Zeit von 8:26:43 Stunden. Es war, das kann man ruhig so sagen, das Rennen seines Lebens. Ein halbes Jahr lang hatte er auf dieses Ziel hingearbeitet.

„Seitdem laufe ich mit einem Grinsen durch die Gegend“, sagt Heining, er hat es auch in Herzogenaurach noch getragen, obwohl die Entscheidung, hier anzutreten nicht ganz absehbar war. Am Montag nach Roth, sagt Heining, „ging gar nix“, am Dienstag und Mittwoch hat er alle Treppen gemieden und ist nur Aufzug gefahren, am Freitag fuhr er schon wieder mit dem Rad zur Arbeit – von Nürnberg nach Herzogenaurach –, am Samstag war er als Helfer beim Triathlon-Jugendcup und am Sonntag gewann er seinen ersten Herzoman in einer Zeit von 51:59 Minuten. Es war eine wahnwitzige Energieleistung.

Bereut hat er seinen Start zu keiner Sekunde, die Muskeln spielten die ganze Zeit mit. „Und kleine Wettkämpfe wie dieser sind schön, hier herrscht ein besonderes Flair“, sagt Heining und rät jedem Triathlon-Anfänger es erstmal über kurze Distanzen zu probieren, bevor man sich an Veranstaltungen wie den Challenge wagt.

„Pobacken zusammenkneifen“

Schon nach dem Schwimmen war Heining als Erster aus dem – für einen Triathlon winzigen – Freibad-Becken gestiegen. Beim Radfahren hatte ihn dann sein ärgster Konkurrent, Christian Seeberger vom SSV Forchheim, eingeholt, in der Wechselzone war der etwas schneller fertig. Doch nach dem ersten Laufkilometer hatte Heining sich die Führung zurückerobert und gab sie auch nicht mehr her. „Da musste ich schon die Pobacken zusammenkneifen“, sagt Heining, „aber ich wusste ja, in 15, 20 Minuten ist alles vorbei.“

Wobei: So richtig vorbei ist es für Heining nie, nächste Woche will er schon seinen nächsten Triathlon laufen, dieses Mal über die olympische Distanz in Erlangen. Dort hat er zuletzt drei Mal in Folge über die Kurzdistanz gewonnen. Nur ob er den Ironman in Barcelona im Oktober wirklich wie ursprünglich einmal geplant machen wird, das glaubt selbst Heining momentan nicht mehr: „Irgendwann wird die Luft raus sein.“

Während man mit Heinings Sieg schon hatte rechnen können – mit Swen Sundwald (Zerrung) und Lasse Ibert (noch muskuläre Probleme nach dem Challenge) hatten immerhin zwei weitere Favoriten abgesagt, gab es bei den Frauen eine Überraschung: Zwar hatte Jennifer Jones, die für keinen Verein antrat, durchaus schon mit schnellen Zeiten auf sich aufmerksam gemacht, aber so richtig auf der Rechnung hatten sie nur wenige Experten.

Den Sieg schon geahnt

In 1:06:55 Stunden hatte sie 45 Sekunden Vorsprung vor der Zweitplatzierten Sarah Hahn (ebenfalls vereinslos). So ganz wollte sich Jones dann auch nicht als Überraschungssiegerin feiern lassen: „Ich war doch schon zwei, drei Mal dabei“, sagt die 28 Jahre Athletin, die erst seit etwa drei Jahren Triathlon trainiert und damit überhaupt nur angefangen hat, weil ihr Freund Triathlet ist.

Dass sie gewonnen hat, hatte sie beim Zieleinlauf geahnt – „weil der Sprecher es angedeutet hat“ –, aber Gewissheit gab es erst, als die offiziellen Ergebnislisten ausgehängt wurden. „Hier ist alles so top-organisiert, dass es so viel Spaß macht.“ Und kommt als nächster Schritt dann der Challenge 2017? „Ne“, sagt Jones, „dafür ist die Vorbereitung zu intensiv. Roth ist zu lang.“

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