17°

Freitag, 19.07.2019

|

Hilfeläuten nach Taifun

Alte Liebfrauenhaus-Glocke in philippinischem Dorf - 14.11.2013 18:43 Uhr

So sah die Kirche in Mambuquiao vor dem Taifun aus. Das Gebäude steht noch, das Dach ist allerdings teilweise abgedeckt. Rechts ist die alte Glocke aus dem Liebfrauenhaus zu sehen. Ob sie noch hängt, ist unklar. © privat


„Ja, wir haben wieder Kontakt zu unserem Dorf“, sagt Franz-Josef Dorn. „Jemand hat einen Generator aufgestellt, mit dem die Leute ihre Handys wieder aufladen können.“ Dorn ist seit 34 Jahren mit Ehefrau Evelyn verheiratet, und sie stammt aus dem Dorf Mambuquiao in der Großgemeinde Batan/Provinz Aklan. In den Geschäften gibt es offenbar nicht mehr viel. „Unsere Familie dort wollte für die Aufräumarbeiten eine Kettensäge kaufen, aber es gibt keine mehr.“

Franz-Josef und Evelyn Dorn wohnen in Strullendorf bei Bamberg. Sie halten aber seit jeher engen Kontakt zu ihrem Dorf auf den Philippinen und helfen, wo sie können. Dass nun seit etwa zwei Jahren eine Glocke aus dem Liebfrauenhaus in Mambuquiao hängt, ist dem Zufall zu verdanken.

„Vor den Gottesdiensten hatte sich der Pfarrer in Mambuquiao immer die kleine Glocke vom Eisverkäufer ausgeliehen“, erzählt Franz-Josef Dorn. „Das klingt zwar lustig, war aber irgendwie auch traurig.“ Über seinen Cousin Reinhold Rittmeier erfuhr Dorn, dass im Liebfrauenhaus eine alte Stahlglocke lagerte. Der Cousin wusste das, weil er als Mitarbeiter der Firma Hörz regelmäßig im Liebfrauenhaus Glocke und Uhr wartet.

Nach einer Anfrage stimmte das Liebfrauenhaus zu. Mit dem Flugzeug wurde die 50 Kilo schwere Stahlglocke auf die Philippinen geflogen. Dort hat sie schnell eine wichtige Rolle im Alltagsleben der Menschen eingenommen. „Die Einwohner halten in ihrer Arbeit inne, lauschen dem Glockenläuten und fangen an zu beten – ein erhabenes Gefühl“, sagte Evelyn Dorn nach dem erfolgreichen Glocken-Transfer.

Das Beten hat die große Taifun-Katastrophe nicht verhindern können, und das Dorf mit der Herzogenauracher Glocke muss nun ganz von vorne anfangen.

Die philippinische Seite der Familie Dorn hat zum Glück keine Todesfälle zu beklagen, doch weiß Franz-Josef Dorn, dass in dem Dorf noch Menschen vermisst werden. „Und da muss man jetzt wohl davon ausgehen, dass die nur tot geborgen werden können.“

Beim Wiederaufbau steht jetzt auch die Kirche im Vordergrund. Das Dach soll wieder gerichtet werden, aber nicht, um möglichst schnell wieder Gottesdienste abhalten zu können. Das vielleicht auch. Aber in erster Linie will man einen Raum schaffen, in dem obdachlose Menschen übernachten können.

„Die Kirche ist in den Dörfern immer der stabilste Bau“, weiß Franz-Josef Dorn. Ob die Herzogenauracher Glocke noch hängt oder vom Taifun abgerissen wurde, das hat Dorn noch nicht in Erfahrung gebracht. Das Läuten als Zeichen der Hoffnung würden die katholischen Dorfbewohner aber sicher gerne hören.

Auch aus Eggolsheim

Auch in einem anderen Dorf in der Großgemeinde Batan hängt oder hing übrigens eine fränkische Glocke. „In Napti ist eine alte Kapellenglocke aus Eggolsheim im Einsatz“, erzählt Franz-Josef Dorn, der sich wie seine Ehefrau Evelyn große Sorgen um die Menschen dort macht. Die beiden haben zusammen mit der Strullendorfer katholischen Gemeinde für dieses Wochenende ein Benefizkonzert organisiert, dessen Erlös nach Batan fließen soll.

Da die Dorns direkte Kontakte dorthin haben, ist sichergestellt, dass das Geld auch genau dort ankommt, wo es nötig ist. Die Dorns würden sich natürlich auch über Spenden aus Herzogenaurach freuen. Es wurde ein Spendenkonto beim katholischen Pfarramt Strullendorf eingerichtet.

Bankverbindung: Kathol. Pfarramt Strullendorf, Sparkasse Bamberg, Nummer 810030973, BLZ 77050000, Kennwort: Philippinen 

MATTHIAS KRONAU

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Herzogenaurach