Höchstadterin veröffentlicht Bildband über Kindermalerei

14.11.2020, 07:47 Uhr
In der Kunstschule Höchstadt lernen Kinder, wie sie ihre kreativen Ideen umsetzen können. Hier Kathi, die selbstsicher ihr neuestes Werk präsentiert.

In der Kunstschule Höchstadt lernen Kinder, wie sie ihre kreativen Ideen umsetzen können. Hier Kathi, die selbstsicher ihr neuestes Werk präsentiert. © Gerschmann/privat

Irina Gerschmann liegen besonders die Jüngsten am Herzen – und es ist tatsächlich erstaunlich, was die Drei- bis Sechsjährigen auf die Leinwand bringen. Leni zum Beispiel hat in den zwei Jahren, in denen sie die Kunstschule besucht, an die 80 Bilder gemalt. Drei Jahre lang hat Irina Gerschmann an dem Buch gearbeitet, aus mehr als 1000 Bildern 200 ausgewählt, die besonders eindrucksvoll zeigen, mit viel Kreativität die Kinder ans Werk gehen.

"Kinder malen drauf los"

Die Bilder entstehen spielerisch. "Wenn Kinder mit drei Jahren zu uns kommen, setzen sie sich hin und malen drauf los", erzählt Irina Gerschmann, die – auch in Coronazeiten – Kurse anbietet für alle Altersgruppen. Die Kleinen fragen nicht, was sie malen sollen, sie lassen die Farben auf dem Papier sprechen.

Kunst macht Spaß: Irina Gerschmann mit ihrer Schülerin Leni.

Kunst macht Spaß: Irina Gerschmann mit ihrer Schülerin Leni. © Foto: privat

Pablo Picasso soll nach dem Besuch einer Ausstellung mit Kinderzeichnungen gesagt haben: "Als ich so alt war, konnte ich malen wie Raphael. Aber ich brauchte ein Leben lang, um so zu malen wie die Kinder." Die Bilder in Höchstadt scheinen seine Aussage zu bestätigen. Drei- bis Sechsjährige setzen gleichgewichtet Farben und Formen auf die Malfläche, schaffen komplizierte ästhetische Zusammenhänge, erzielen ohne Vorwissen leuchtende komplementäre Farbkontraste und lassen so Bildstrukturen entstehen – leicht und unbekümmert wie Picasso es für große Kunstwerke gewünscht hat.

Ungesteuert vom Verstand

Irina Gerschmann erinnern die Bilder an die Kunstrichtung des Tachismus, der das Unbewusste spontan, ungesteuert vom Verstand, alleine durch Auftrag von Farbflecken auf die Leinwand ausdrücken möchte. Auch bei ihrer eigenen Kunst lässt sich die Höchstadterin immer wieder von der Kunst der Kleinen inspirieren.

Sie malen mit Gouache (Wassertempera) – der dickflüssigen, gut haftenden und deckenden Farbe. "Die ist sogar essbar", sagt Irina Gerschmann. Sie gibt den Kleinen die drei Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Weiß auf die Palette.

So bietet sie ihnen die Möglichkeit, durch Experimentieren selbst herauszufinden, wie und mit welchem Ergebnis die Farben gemischt werden können. Auch die richtige Handhabung des Pinsels üben sie. "Ich betone oft den Unterschied zum Kochlöffel", sagt die Kunstlehrerin schmunzelnd. Gleichzeitig ist sie fasziniert, wie selbstverständlich die Kinder beim Malen die Hand wechseln. Manchmal halten sie rechts eine Reiswaffel (unter Umständen mit ungiftiger Farbe als Aufstrich) und malen mit links, manchmal gehen sie mit zwei Pinseln ans Werk – in jeder Hand einen.

Kleckern erlaubt

Kleckern ist ausdrücklich erlaubt. "Die Atmosphäre bei uns ist entscheidend", meint Gerschmann. Die jungen Malerinnen und Maler (meist sind es mehr Mädchen) sitzen auf kleinen Schemeln vor ihren Leinwänden im Raum verteilt und machen ganz andere Erfahrungen als zu Hause mit Wasserfarben – auch durch die pädagogische Anleitung und die Dynamik der Gruppe.

Die Zwei- bis Dreijährigen setzen gerne unregelmäßige Farbflächen nebeneinander. Die Vierjährigen fangen mit feinen regelmäßigen Strukturen wie Kreisen, Halbkreisen und Linien an. Die Fünf- und Sechsjährigen bauen konkrete geometrische Konstruktionen ein. "Erstaunlicherweise beenden sie den Malvorgang genau dann, wenn das Verhältnis von Harmonie und Spannung ihren Höhepunkt auf der Malfläche erreicht", meint Irina Gerschmann, fügt aber hinzu: "Den Jüngeren ist das Ergebnis allerdings meistens noch total egal." Sie tragen am Ende auch gerne so lange Farben auf, bis brauner Matsch übrig ist. "Ihnen helfe ich manchmal zu stoppen."

Traum von Ausstellung

Die Höchstadterin, die ihr Kunst-, Textil- und Modedesign-Studium in Moskau mit Auszeichnung absolviert hat, träumt von einer Ausstellung der Kindermalerei auf hohem Galerie-Niveau. Eltern rät sie, ihren Kindern möglichst viele Freiheiten zu lassen und nichts zu Gegenständliches zu erwarten. "Das bringt oft die schönsten Ergebnisse." Kreativ und bunt. So wie bei Leni.

Das Buch "Wenn kleine Kinder große Bilder malen" mit 212 Seiten und 259 Abbildungen in Farbe gibt es zum Preis von 27,50 Euro zum Bestellen über die Internetseite kunstschule-hoechstadt.de

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