Nachträgliche Analyse

Hochwasser Adelsdorf: Diese Risikostellen gab es bei der Flut

26.7.2021, 18:26 Uhr
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Die "Arche Noah" auf dem Gelände der Laufer Mühle wurde noch kein Opfer des Hochwassers. © Niko Spörlein, NN

Die erste Erkenntnis: "Wir werden uns auch in Zukunft auf solche Hochwasserereignisse wie am 10. Juli einstellen müssen", so der Bürgermeister am Wochenende im Innenhof der Laufer Mühle. Karsten Fischkal hatte nicht ohne Grund gerade dorthin geladen, denn die soziotherapeutische Einrichtung wird immer wieder massiv überschwemmt. Auch beim jüngsten Hochwasser musste die Einrichtung von den Hilfskräften evakuiert werden. Die Laufer Mühle kennzeichnet allerdings auch den tiefsten Punkt der Aisch im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Die dortige (elektronische) Pegelmessung der Aisch zeigte am Nachmittag des 10. Juli einen Höchststand von über sechs Metern an.

Mehr Sandsäcke nötig

"Wir waren gewarnt", meinte der Bürgermeister, schließlich stand man im ständigen Kontakt mit Gemeinden (u.a. Neustadt/Aisch) am Oberlauf des Flusses. Werde dort eine Hochwasserwelle registriert, komme sie wenige Stunden später im Unteren Aischgrund an. Man konnte sich also durchaus vorbereiten, verhindern könne man ein solches Ereignis aber nicht; "oft allerdings reichen auch kleine Maßnahmen, um sein Hab und Gut zu schützen". Sicher sei das Hochwasser vom 10. Juli entlang der Aisch nicht im Ansatz vergleichbar mit den katastrophalen Geschehnissen in Westdeutschland. Dass es gleichwohl derart massiv komme, das habe man nicht erwartet. Selbst der Lebensmittelmarkt "Edeka" machte seine rückwärtigen Türen mit Sandsäcken notdürftig dicht; sogar das Adelsdorfer Fischerheim, obwohl es etwas höher gebaut wurde, wurde zur Sandsackfestung.

In Adelsdorf habe man aber schon einen Tag vorher (Freitag) mit dem Installieren der Sandsackabfüllung begonnen und das nötig Equipment parat gestellt. Man habe sich auch dazu entschlossen, durch die Feuerwehren mit deren Lautsprecher-Wagen Warnungen in den betroffenen Gebieten auszusprechen. Bedrückte Stimmung, Angst vor dem was da kommen werde, herrschte. Als dann die Welle in Windseile von Nainsdorf her durch die Gemeinde schwappte und schnell wichtige Straßenverbindungen nicht mehr genutzt werden konnten, habe es sich gezeigt, dass die Brücke zwischen Aisch und Adelsdorf eine der wichtigsten Verbindungen sei, die noch befahrbar war.

Jedoch schwemmte es dort derart viel Holz an, dass man auf Nachbarschaftshilfe aus Schweinbach bauen musste; ein großer Kran von einer dortigen Firma kam zum Einsatz, der das massenhaft angeschwemmte Holz und anderen Unrat von den Brückenpfeilern entfernte. Probleme gab es von Nainsdorf (die hielten sich in dem kleinen Ortsteil aber in Grenzen) durch die Großgemeinde entlang des Flusslaufes bis zur Landkreisgrenze. Am schlimmsten betroffen war der Ortsteil Weppersdorf und Teile von Lauf, die schon immer mit den gefährlichen Tücken der Aisch leben. Der Bürgermeister (aber auch der Landrat) machte sich vor zwei Wochen unverzüglich auf, um sich ein Bild von den Verwüstungen in den Weppersdorfer Häusern zu machen und entschloss sich unumgänglich, einen Hilfsfond einzurichten. Dieser Spendenaufruf wurde gehört, meinte Fischkal, denn die Spendenbereitschaft sei sehr groß.

Hochwasser sucht sich seinen Weg

Deshalb konnte der Bürgermeister am Wochenende schon erste Hilfszahlungen an betroffene Familien weiterleiten. "Wir werden und müssen das Ganze analysieren", kündigte der Rathauschef an, zusammen mit den Hilfskräften. Seitens der Feuerwehren waren am Wochenende auch der Adelsdorfer Kommandant Alexander Triebel und Kreisbrandmeister Markus Meier vor Ort. Ortseinsichten mit den Hilfskräften wurden vereinbart. Richte man an diesem Brennpunkt jedoch Sperren ein, "dann sucht sich das Wasser einen anderen Weg", so eine betroffene Anliegerin. Und der Aischer Schmiedemeister Johann Hobner, dessen Werkstatt quasi zwei Meter neben der Aisch liegt, suchte nach Gründen der massiven Überschwemmung und fand diese in immer mehr versiegelten Flächen, immer mehr Einkaufsmärkten auf der dann versiegelten Wiese; und mit Blick in die Nachbarkommune Höchstadt mit immer mehr und unaufhörlich zubetonierten Gewerbeflächen. Und dann steht da eine Art Mahnmal, ein "Gruß" der Laufer Mühle in deren weitläufigen Areal, das "Rettung in letzter Minute" verspricht: Die "Arche Noah" wurde immerhin noch kein Opfer des Hochwassers.

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