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Münchaurach: Querelen reißen nicht ab

Hitzige Wortgefechte nach der Aurachtaler Gemeinderatssitzung - 12.02.2021 14:00 Uhr

Für die Neugestaltung des Gugelhauses sind jetzt Fördermittel zugesagt worden. Dies teilte Bürgermeister Klaus Schumann mit.

11.02.2021 © Matthias Kronau


Zwei zuvor gefasste Beschlüsse, mit denen ihnen der Rat entgegenkommen will, konnten sie nicht beruhigen. "Die belügen uns nach Strich und Faden" oder "wir werden doch verarscht"; schimpften verärgerte Bürger danach im Freien. Minuten zuvor war die Aussprache zum Thema Ortskernsanierung und damit auch die öffentliche Sitzung zu Ende gegangen. Gut eine halbe Stunde lang hatten sich einige Kritiker des Sanierungsprogramms und Gemeinderatsmitglieder ein Frage- und Antwortspiel geliefert. Bis Ratsmitglied Richard Schnappauf (Wählergemeinschaft Aurachtal) die Reißleine gezogen hatte. Auf seinen Antrag hin beschloss das Gremium; das Thema abzuschließen.

"Wir drehen uns im Kreis", hatten zuvor schon mehrere seiner Kolleginnen und Kollegen geklagt. Wie berichtet, haben 17 Grundeigentümer im Sanierungsgebiet ihre Unzufriedenheit per Unterschrift zum Ausdruck gebracht. Alarmiert wurden sie Ende September. Da erfuhren sie, dass ihre Flächen im Grundbuch mit dem Vermerk "Sanierung wird durchgeführt" versehen worden sind. Neben finanziellen Nachteilen, etwa einer Wertminderung, fürchten sie um die Gestaltungsfreiheit an ihrem Eigentum. Der betroffene Erhard Weiß etwa wollte wissen: "Brauche ich eine Genehmigung, wenn ich mein Haus grün anstreichen will oder andere Fenster und Türen einsetze?" Brauche er nicht, sagte Bürgermeister Klaus Schumann (ÜWB), "denn wir haben keine Gestaltungssatzung".

Eigenes Programm

Vielmehr gebe es ein Fassadenprogramm, in dem definiert sei, was gefördert werde, und zwar mit 30 Prozent. Tatsächlich werden im Zug der Sanierung zu bestimmten Vorhaben genehmigungspflichtig, räumte der Rathauschef ein. Aber kurz zuvor in der Sitzung war einstimmig beschlossen worden, dass die Verwaltung einige Punkte auflisten wird, die von vornherein als genehmigt (beziehungsweise genehmigungsfrei) eingestuft würden. Die Fassadengestaltung soll dazugehören. Ein weiterer Punkt, in dem der Gemeinderat den Kritikern ein Zugeständnis macht ist der Grundbucheintrag. Von einer nicht näher benannten unabhängigen Stelle soll nochmals ein Abgleich mit den Sanierungszielen vorgenommen werden. In diesem Zug könnte für einzelne Objekte der Eintrag gestrichen werden.

Damit wäre vielleicht auch Monika Warter geholfen, die in der Aussprache wiederholt gefordert hatte: "Ich will da raus!" Dass ihr Haus da überhaupt reingekommen ist, versteht sie nicht. Es habe nichts Historisches, sei weit weg vom Ortskern, und sie habe auch keine Umbaupläne. Weiß und Warter warfen den Verantwortlichen in der Gemeinde vor, dass sie weder ausreichend informiert, geschweige denn in den Entscheidungsprozess einbezogen worden seien. Mehrere Ratsmitglieder hielten den Kritikern entgegen, dass sie sich erst fünf Jahre nach dem Startschuss zu Wort melden.

Die Sanierung des Ortskerns von Münchaurach empört die Bürger schon seit einiger Zeit.

Der Bürgermeister hatte eingangs geltend gemacht, dass es von Anfang an Veranstaltungen und öffentliche Bekanntmachungen gegeben habe. Allenfalls die Kommunikation über die Grundbuchvermerke sei schiefgelaufen, räumte Schumann ein. Bürgervertreter quer durch die Fraktionen unterstützten den Rathauschef und die Verwaltung. "Wir haben die Hand dafür gehoben und übernehmen auch Verantwortung", bekannte der CSU-Rat Jan Heller. "Ich bin der Meinung, dass das Verfahren zur Ortssanierung einen geregelten Verlauf genommen hat", betonte Klaus Schumann. Erhard Weiß ist da ganz anderer Meinung und kündigte rechtliche Schritte an. Heller wie Schumann sprachen die Möglichkeit an, Fördermittel an Land zu ziehen.

Diese Möglichkeit hätten auch Privatleute, unterstrich der Bürgermeister. Letztere hätten keine Nachteile zu befürchten und seien zu nichts verpflichtet. Apropos Fördermittel: Die sind laut Schumann für die Baumaßnahmen am Gugelhaus in der Königstraße zugesagt. Je nach Förderprogramm zwischen 60 und 80 Prozent. Der Umbau des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes ist mit 550 000 Euro veranschlagt, weitere 600 000 Euro kostet ein Anbau, der neu errichtet wird. Dazu kommen etwa 140 000 Euro für den Außenbereich, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Gemeinderat segnete das Gestaltungs- und Nutzungskonzept für das Objekt ab.

KARL-HEINZ PANZER

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