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"Oberliga ist eine extreme Belastung"

Markus Babinsky und Philipp Schnierstein wollen vor allem aus beruflichen Gründen kürzer treten - 01.04.2019 20:00 Uhr

Hier weht ein Hauch von Nostalgie: Das Foto zeigt Philipp Schnierstein bei der Vertragsverlängerung im Dezember 2013 mit dem damaligen Präsidenten Axel Rogner (links) und Sportchef Jörg Schobert. Erst im Herbst war „Fipsi“ ebenfalls aus Nürnberg gekommen und hatte die Experten schnell überzeugt. © Fotos: mste


Wie berichtet, gehen "Babo" und "Fipsi", beide 29 Jahre alt, im Paket zum Eishockey-Bayernligisten ERV Schweinfurt Mighty Dogs, der sich über einen starken Goalie (Schnierstein war bereits Bayernliga-Torhüter des Jahres) und einen robusten und torgefährlichen Verteidiger freuen darf.

Für Babinsky, der nach seinem abgeschlossenen Studium der Sozialen Arbeit heuer ins Berufsleben einsteigt, gab es nicht "den einen Grund" für den Transfer: "Eine Entscheidung wird immer durch viele Kleinigkeiten beeinflusst. Der wichtigste und ausschlaggebende Punkt war allerdings der Spaß am Eishockey. Ich habe in der diesjährigen Saison eine enorme Doppelbelastung gespürt und war teilweise unzufrieden damit. Die Belastung in der Oberliga kann enorm sein und sich auch auf andere Bereiche des Lebens negativ auswirken. Um daher wieder mehr Spaß am Eishockey zu haben und diesen auch als Multiplikator für die anderen Lebensbereiche nutzen zu können habe ich diese Entscheidung für mich getroffen."

Er habe den HEC frühzeitig darauf hingewiesen, dass er mit anderen Vereinen sprechen werde und natürlich auch vor Bekanntgabe des neuen Vereins informiert.

Markus Babinsky, "Babo", wechselt zum Bayernligisten ERV Schweinfurt Mighty Dogs. © mste


Die Entscheidung für Schweinfurt als neuen Verein, bei dem der zeitliche Aufwand etwas geringer werden sollte, sei fast zwangsläufig gewesen. Babinsky: "Ich bin familiär und arbeitstechnisch an Nürnberg gebunden. Da gibt es in erreichbarer Nähe nicht viele Möglichkeiten. Die Oberliga, die Amateur- und Profibereich verbinden möchte, ist eine extreme Belastung für alle Amateure. Auch, da die meisten Vereine danach streben ein Vollprofi-Verein zu sein. Mit Schweinfurt habe ich einen Verein gefunden, der sich in den letzten Jahren neu aufstellen musste und meiner Meinung nach gute Arbeit geleistet hat. An diesem Prozess möchte ich mich beteiligen und wieder einem Verein helfen, eine tragende Rolle im nordbayerischen Eishockey einzunehmen."

Zum Schluss hat Babinsky auch noch lobende Worte für die Alligators übrig: "Zu guter Letzt möchte ich mich noch bedanken. Ich habe in den letzten acht Jahren viele Erfolge mit dem HEC feiern dürfen, zu guter Letzt auch noch den sportlichen Klassenerhalt in der Oberliga. Dabei habe ich auf und neben dem Eis viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und hoffe den ein oder anderen davon wiederzusehen, vielleicht ja sogar auf dem Eis."

Nicht so ausführlich äußert sich sein bisheriger und auch künftiger Mitspieler Philipp Schnierstein. Auch er führt vor allem seine persönliche Situation als Grund für diesen für Außenstehende vielleicht überraschenden Schritt an: "Ich bin überzeugt davon, dass ein neuer Impuls nach so langer Zeit hilfreich ist. Jedoch ist es auch notwendig aus beruflichen Gründen kürzer zu treten. Dabei ist der zeitlich geringere Aufwand in der Bayernliga ausschlaggebend." So sei bei ihm diese Entscheidung nach der Saison schnell gereift und umgesetzt worden.

Für den Sportlichen Leiter des HEC, Jörg Schobert, kamen die Wechsel der beiden Publikumslieblinge nicht so überraschend. So habe Schnierstein schon frühzeitig signalisiert, dass er aus beruflichen Gründen kürzer treten wolle. "Das war schon in der abgelaufenen Saison oft problematisch, weil der Fipsi eben einen Job hat, bei dem er voll eingespannt ist und in dem 50 Stunden in der Woche keine Seltenheit sind. Und bei Babo stand eben der Wechsel ins Berufsleben an."

Sicherlich habe bei ihren Entscheidungen auch eine gewisse Unzufriedenheit über die Saison eine Rolle gespielt. "Hätten wir so weiter gespielt wie in der Hauptrunde und die Playoffs erreicht, könnte ich mir vorstellen, dass die beiden eher überlegt hätten, noch eine Saison Oberliga dranzuhängen", so Schobert.

Allzu viel Wehmut will der Sportliche Leiter allerdings nicht verbreiten. Es sei normal, dass Spieler den Verein verlassen, gerade nach so einer langen Zeit sei ein Tapetenwechsel manchmal das Beste – auch für Identifikationsfiguren.

Ob die Abgänge ein sportlicher Verlust seien, darauf wollte er sich auch nicht festlegen: "Die beiden waren natürlich immer Leistungsträger, aber wenn sie heuer ohne 100-prozentige Überzeugung verlängert und dann mitten in der Saison das Handtuch geworfen hätten, wäre damit auch keinem gedient gewesen." Auf jeden Fall sei alles korrekt gelaufen bei diesen Transfers. Man kann sich also weiterhin in die Augen schauen bei den Alligators.

HOLGER PETER

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