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Mittwoch, 21.08.2019

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Pfarrer war lange in Herzogenaurach: "Es woar schee"

Mit der Vorstellung seiner Dissertationsarbeit verabschiedete sich Jean Desire Sawadogo - 17.07.2019 14:00 Uhr

Wer denkt, muss auch essen: Matthias Rittner, Jean Désiré Sawadogo und Dagmar Seck (v.l.) saßen in der Erlanger Mensa oft beieinander. © Foto: Jansen


Nach 13 Jahren in Europa, darunter sieben in Herzogenaurach und sechs Jahren in Innsbruck, kehrt Sawadogo in sein Heimatland Burkina Faso zurück, um als Hochschullehrer an der Philosophischen Hochschule in Ouagadougou Sozial- und Moralphilosophie zu lehren. Bürgermeister German Hacker begrüßte den Noch-Herzogenauracher mit "Willkommen zu Hause". Als 32-jähriger Seelsorger hatte Sawadogo ein Stipendium in den USA ausgeschlagen, um im "Land der Philosophen" zu studieren. In nur vier Monaten lernte er Deutsch und spricht inzwischen acht Sprachen. Und Fränkisch.

Sawadogo stellte seine Doktorarbeit, eine "schwere Geburt von 424 Seiten" natürlich auf Deutsch vor. Ihr Titel: "Von der Armut zur selbstzentrierten Entwicklung durch die Fähigkeiten – Der Fähigkeitsansatz nach Martha Nussbaum als Weg zur Armutsbekämpfung und endogenen Entwicklung in Burkina Faso". Die Doktorarbeit verfasste er in Französisch. Die Verteidigung seiner Arbeit, die er mit einer Eins absolvierte, hielt er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität in Innsbruck in Deutsch.

Vor Ort geforscht

Für seine Arbeit stellte er sich die Frage: Was ist Armut, und wie kann man Armut mit philosophischen Mitteln bekämpfen? Armut ist für ihn ein Kapazitäts- oder ein Fähigkeitenmangel. Es gibt viele unterschiedliche Auffassungen von Armut. Um diese zu erkunden, hatte Sawadogo in Burkina Faso über zwei Monate geforscht und Gespräche mit Experten und einfachen Menschen geführt – ein für eine philosophische Doktorarbeit sehr unübliches Verfahren. Das Ergebnis: Die Burkiner sind "Zweckoptimisten". Das ist einerseits gut, erhält es doch die Lebensfreude, andererseits verhindert es, dass die Menschen etwas an ihrer Situation verändern.

Es ist möglich

Drei Ursachen für die Armut sind: Geringe Lebenserwartung, ein schlechtes Bildungsniveau und kein Zugang zu den Ressourcen. "Wir müssen umdenken, wir müssen mehr in Bildung investieren, mehr Hilfe zur Selbsthilfe leisten und eine demokratische Regierungsführung, ohne Korruption anstreben", lautete sein Fazit. Es müsse eine Verbindung hergestellt werden zwischen der Entfaltung der Fähigkeiten der Menschen und der Theorie der endogenen Entwicklung von Joseph Ki-Zerbo, die nach einer nachhaltigen Entwicklung im kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich ruft, die den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Ortsbevölkerung entsprechen. "Wir sind in Burkina Faso nicht unterentwickelt, sondern unterorganisiert, und wenn wir uns zusammenschließen, schaffen wir das", davon ist er überzeugt. Bis 2050 will er das Land verändern, ganz Obamas "Yes we can". Ein Exemplar seiner Dissertation schenkte er der Stadt.

Zur Veranstaltung waren auch Vertreter der ehemaligen "Mensagruppe" mit Dagmar Seck und Matthias Rittner erschienen, die Sawadogo mit einer Frankenfahne als Geschenk verabschiedeten. Der Eintrag ins goldene Buch der Stadt geriet fast zu einer Liebeserklärung, lautete er doch: Die Zahl "Sieben" steht für Harmonie und Wachstum. Sieben Jahre lang bin ich in die Harmonie und das Leben von Herzogenaurach und von Franken hineingewachsen. Es waren "sieben fette Jahre". Danke Herzogenaurach – Danke Franken: "Es woar schee". 

MARGOT JANSEN

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