Mittwoch, 27.05.2020

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Raritäten: Nashornkäfer und Egerling in Röttenbacher Garten

Imposantes Insekt und Stammart aller Zuchtchampignons wohnen im selben Beet. - 02.04.2020 12:00 Uhr

Ausgesprochene Seltenheit: Ein Nashornkäfer-Weibchen – leider ohne Horn – auf der Hand von Gartenbesitzer Hubert Amon in Röttenbach. © Foto: Rainer Groh


 Und weil der Röttenbacher Hubert Amon, aktiv im Bund Naturschutz, in seinem Garten nun wirklich nichts Gewerbliches vorhat, herrscht bei ihm nur Freude, dass der Käfer dort zu Hause ist – und zwar in stattlichen Mengen. Mehrere Hundert der dicken, walzenförmigen Larven, die charakterisch gekrümmt sind wie der Buchstabe C, findet Amon regelmäßig in seinen beiden Hochbeeten.

Dazu fertig entwickelte Käfer der Art Oryctes Nasicornis, die nach dem noch selteneren Hirschkäfer mit bis zu vier Zentimetern Länge wohl die größten Käfer sind, die es in unseren Breiten gibt.

Nur die Männchen tragen das namensgebende Horn in ausgeprägter Form auf dem Kopf, und Amon war beim Fototermin mit unserer Zeitung ein wenig enttäuscht, dass ihm alle, die er deshalb in einer kompostgefüllten Schale festgesetzt hatte, wieder entwischt waren. Ein Weibchen war noch da, und Amon konnte auch die Larven des Käfers vorzeigen, die sich massenhaft am Kompost in seinen Hochbeeten gütlich tun.

Die ganz schön fetten Vorstufen, aus denen nach dem Verpuppen in großen Kokons die fertigen Käfer werden, haben die Fähigkeit, Zellulose zu verdauen, den Gerüst-Stoff von Holz. In der Natur leben sie vor allem in morschen Eichenstümpfen. Weil diese immer seltener werden, war der Käfer bis vor wenigen Jahren fast vom Aussterben bedroht.

Inzwischen haben die Tiere aber offensichtlich umgesattelt. Sägespäne, Rindenmulch oder auch Häckselspäne als Nahrung haben die Art wieder zahlreicher werden lassen.

Weil Amon alle Jahre seine Gartenabfälle einschließlich Laub, zerkleinert und damit die Hochbeete füllt, haben die Nashornkäfer-Larven ein gutes Nahrungsangebot und helfen andererseits durch Verdauung beim Bilden von Gartenerde.

Der zweisporige Egerling, der Pilz, der als Stammart der Zuchtchampignons gilt, hat sich ebenfalls in Amons Garten niedergelassen. © Foto: Rainer Groh


Zweiter "Untermieter" auf den Beeten ist eine noch größere Rarität, der zweisporige Egerling, Agaricus bisporus. Der Pilz gilt als die Stammart aller Zuchtchampignons, die unsere Küche bereichern. Was selbst den Höchstadter Experten Hans Krautblatter in Erstaunen versetzt:

Es gab bisher keinen Nachweis eines Vorkommens vom Steigerwald über das Regnitz- bis ins Maingebiet.

Hubert Amons Hochbeete sind die Pionier-Habitate für den seltenen Pilz. Hans Krautblatter ist von zwei weiteren Phänomenen fasziniert:

Mit "selten über zehn Zentimeter" beschreibt die Fachliteratur den Hutdurchmesser des zweisporigen Egerlings, Amon hat aber zwei 20 Zentimeter große Pilze bei Krautblatter abgeliefert. Überdies schon Mitte März. Laut bisherigem Stand des Wissens ist die Sporen-Zeit des Agaricus bisporus erst von Juni bis Oktober. Die Klimaerwärmung stellt auch hier die biologische Uhr erheblich vor.

RAINER GROH

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