Rettungshundestaffel Erlangen-Höchstadt seit 30 Jahren im Einsatz

17.2.2021, 06:00 Uhr
Sina hat eine feine Nase und wird sicher mal ein guter Flächenhund, meint die Leiterin der Rettungshundestaffel, Ute Wittig.

Sina hat eine feine Nase und wird sicher mal ein guter Flächenhund, meint die Leiterin der Rettungshundestaffel, Ute Wittig. © Foto: Matthias Kronau

Darauf ist Staffel-Leiterin Ute Wittig (56) aus Unterreichenbach mächtig stolz. Eigentlich wollte Ute Wittig das 30. Jubiläum im vergangenen Jahr groß feiern – doch Corona kam dazwischen. Dennoch ist das Jubiläum natürlich ein Anlass, mal einen Blick auf dieses zeitintensive, anspruchsvolle Ehrenamt zu werfen.

Bereits 1980 haben sich interessierte Hundeführer zur Rettungshundearbeit zusammengeschlossen, damals als freie Staffel. 1990 ist man dann offiziell dem BRK beigetreten, seit 2001 gibt es die eigene "Bereitschaft Höchstadt Hund". Zu einer SEG (Schnelle Einsatzgruppe) hat man sich zusammengeschlossen mit dem BRK Fürth, dem BRK Nürnberg-Land, den Johannitern, der DLRG Nürnberg und der Zirndorfer Feuerwehr. So ist gesichert, dass man immer einsatzfähig ist.

Neun geprüfte Flächenhunde

Die "Bereitschaft Höchstadt Hund" zählt momentan neun geprüfte Flächenhunde mit ihren Hundeführern (Teams), sowie elf Flächenhunde, drei Trümmerhunde und acht Mantrailer (Personenspürhunde) in Ausbildung. Die zweijährige Mischlingshündin Sina von Ute Wittig beispielsweise befindet sich gerade in Ausbildung. Diese absolvieren Hund und Hundeführer gemeinsam, sie dauert zwei bis drei Jahre. Danach erfolgt eine Prüfung, die alle 24 Monate wiederholt werden muss.

Ein angehender Hundeführer sollte grundsätzlich fit sein, betont Ute Wittig. "Wir sind bei Wind und Wetter draußen, und unsere Einsätze finden zu 90 Prozent nachts statt, das muss man körperlich verkraften. Und auch psychisch sollte man stabil sein, denn man weiß nie, in welchem Zustand man eine vermisste Person auffindet." Denn das ist es, was die Rettungshundestaffel tut: Vermisste Menschen aufspüren. Dafür ist laut Wittig erst einmal jeder Hund geeignet, vom Dackel bis zum Neufundländer. "Eine gute Nase sollte er haben, außerdem freundlich, aufgeschlossen und lernwillig sein." Und: Je eher man mit der Ausbildung anfange, desto besser.

Die Rettungshundestaffel wird dazu gerufen, wenn sehr große Gebiete an Waldfläche abgesucht werden müssen. Dann treten die Flächenhunde auf den Plan. "Die Hundeteams suchen das ihnen zugewiesene Waldstück mit ihren Hunden ab, die dazu frei durch den Wald laufen, aber durch eine Kenndecke für alle erkennbar als Rettungshunde gekennzeichnet sind. An dieser Kenndecke befindet sich das Logo des Roten Kreuzes sowie ein Licht und Glocken um für den Hundeführer im Dunkeln gut sichtbar und hörbar zu sein", erklärt Ute Wittig.

Schnell und effektiv

Im Einsatz bekommen die Hundeführer Kartenmaterial des abzusuchenden Waldstückes, welches sie dann eigenständig mit ihren Hunden abarbeiten müssen. So lassen sich große Flächen schnell und effektiv absuchen. "Die Hunde sind darauf trainiert, nach menschlichem Geruch zu suchen." Befindet sich eine vermisste Person länger an einem Ort, z.B. durch einen Sturz, bildet sich ein sogenannter "Geruchspool".

Übrigens ist das für die Hunde keine Arbeit, sondern eher ein Spiel. "Der Hund weiß, dass er eine Belohnung bekommt. Wir arbeiten mit der Freude des Hundes." Anstrengend sei die "Nasenarbeit" für die Vierbeiner dennoch. Findet der Hund einen Vermissten, zeigt er diesen seinem Herrchen/Frauchen durch verbellen der vermissten Person an. "Das heißt, er bleibt bei der Person und bellt so lange, bis der Hundeführer da ist." Dies ist nur eine der Anzeigearten, aber die am häufigsten ausgebildete.

So ein "Geruchspool" verschwindet allerdings bei toten Menschen sehr schnell. "Unsere Aufgabe und unser Ziel ist es, die Menschen lebend zu finden", betont denn auch Ute Wittig. Deshalb der Begriff "Rettungshunde". Darüber hinaus gebe es dann auch speziell ausgebildete Leichenspürhunde. Für Ute Wittig und ihre Teams ist jedoch natürlich die schönste Nachricht: "Wir haben ihn und er lebt!"

Heuer schon 18 Alarmierungen

Tatsächlich können die "Bereitschaft Höchstadt Hund" und die SEG auf zahlreiche erfolgreiche Sucheinsätze blicken, bei denen die Hunde den Vermissten gefunden haben oder wesentlich zum Auffinden beitragen konnten, etwa, indem sie einer Spur folgten und somit eine Richtung vorgaben, wo weitergesucht werden konnte. Allein im Jahr 2020 wurde die Rettungshundestaffel ERH zu 88 Einsätzen alarmiert, im Jahr 2021 gab es auch schon wieder 18 Alarmierungen. Im Zusammenspiel von Hundestaffel, Polizei und Feuerwehr endeten etwa 70 Prozent der Einsätze erfolgreich.

"Die Rettungshundestaffel arbeitet kostenlos und ehrenamtlich", betont Ute Wittig. Die Hundeführer trainieren und tätigen Einsätze nicht nur in ihrer Freizeit, sondern tragen sogar die Kosten der Ausbildung und die Fahrtkosten selbst. Deshalb sind Spenden dringend erforderlich, etwa für größere Anschaffungen wie Trainingsgeräte. Die "Bereitschaft Höchstadt Hund" trainiert jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr sowie samstags von 9.30 bis zirka 17 Uhr. Hinzu kommen die Einsätze. Durchaus also ein zeitintensives Ehrenamt. "Aber auch sehr befriedigend", meint Ute Wittig. "Wenn wir Erfolg haben, sind wir immer so glücklich."

INFO: Wer die Rettungshundestaffel unterstützen möchte: Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Erlangen-Höchstadt; IBAN: DE21 7636 0033 0305 6789 00.

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