Röttenbach: Drei Bürgermeister, ein Audi-Oldtimer

6.4.2021, 11:32 Uhr
Dienstjubiläum 2016 auf dem Parkplatz in Röttenbach: In 25 Jahren hat der Audi drei Bürgermeister transportiert, Hans Mitschke, davor Karl-Heinz Seitz und heute Ludwig Wahl (v. l.). Jetzt genießt der Wagen seinen Ruhestand bei einem Oldtimer-Sammler.

Dienstjubiläum 2016 auf dem Parkplatz in Röttenbach: In 25 Jahren hat der Audi drei Bürgermeister transportiert, Hans Mitschke, davor Karl-Heinz Seitz und heute Ludwig Wahl (v. l.). Jetzt genießt der Wagen seinen Ruhestand bei einem Oldtimer-Sammler. © Archivoto: Rainer Groh

Ludwig Wahl erinnert sich zum Beispiel an eine Fahrt in den Landkreis Deggendorf 2013. Nach dem verheerenden Hochwasser dort wollte der Freie Wähler einen großen Spendenscheck publikumswirksam an einen Kollegen überreichen. Blöd nur: Der Audi spukte ihn nicht aus. So sehr Wahl auch rüttelte – der Kofferraum blieb zu.

Also flugs zur Bank vor Ort und einen neuen Scheck geholt. Ein anderes Mal bat ein Fahrgast darum, die Klimaanlage einzuschalten. "Was sollte ich machen", lacht Ludwig Wahl, "ich habe das Fenster runtergekurbelt – mehr ging nicht."

30 Jahre im Dienst

Der kultige Audi war 30 Jahre lang im Dienst – dank fachkundiger Mitarbeiter im Gemeinde-Bauhof blieb er gut in Schuss. Ludwig Wahl wird das sonore Motorgeräusch vermissen. Sein Vorgänger Hans Mitschke erinnert sich, dass die Limousine sich immer gut hat fahren lassen.

Und dessen Vorgänger wiederum, Karl-Heinz Seitz, legt Wert auf die Tatsache, dass sich das Paket an Extra-Ausstattung auf ein elektrisches Schiebedach, Fußmatten, Kopfstützen an den Rücksitzen, eine Lendenwirbel-Stütze vorn (Mitschke: "Damit der Bürgermeister Rückgrat behält"), Holzeinlagen und elektrische Fensterheber vorn beschränkt.

Nach kontroverser Debatte

Angeschafft wurde der Wagen auf Betreiben von Karl-Heinz Seitz 1991. Am 31. Januar fiel damals der Kaufbeschluss im Gemeinderat nach langer, kontroverser Debatte. VW täte es auch, hieß es damals, wie das Sitzungsprotokoll verrät.

Es gab aber auch die Anregung für einen BMW und einen Disput über die Obergrenze des Kaufpreises, die die Gemeinde dem Bürgermeister setzen sollte. 50 000 Mark standen im Haushaltsplan. Mit 45 600 Mark blieb man im Limit – und den Audi hatte der damalige Bürgermeister Seitz auch schon probegefahren. Schließlich fiel der Kaufbeschluss einstimmig mit 17:0.

Keine Ersatzbeschaffung

Jetzt hätte eine größere Reparatur angestanden und so kam vom Bauhof die Empfehlung, den Audi-Opa in den Ruhestand zu schicken. "Wir konnten ihn an einen Oldtimer-Sammler in der Nähe verkaufen", freut sich Wahl. Rückt jetzt ein junger Hüpfer auf die Dienstwagen-Stelle nach?

Das hält Wahl nicht mehr für zeitgemäß. "Weniger Auto ist heutzutage mehr Mobilität", sagt der Freie Wähler, der auch gerne mal mit dem Fahrrad oder dem Zug unterwegs ist. Und außerdem hat die Gemeinde einen Dienstwagen für alle Mitarbeiter, den der Bürgermeister natürlich auch nutzen kann. Der hat sogar eine Klimaanlage.

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