Stadtratsausschuss: Ein Sportzentrum im Höchstadter Westen?

29.7.2021, 12:10 Uhr
Der Entwurf für das Sportzentrum der Zukunft, wie der ESC es sich wünscht: Die Eis- und Schwimmsportler wollen das 3600 Quadratmeter große Vereinsgelände von der Stadt kaufen und noch erweitern.

Der Entwurf für das Sportzentrum der Zukunft, wie der ESC es sich wünscht: Die Eis- und Schwimmsportler wollen das 3600 Quadratmeter große Vereinsgelände von der Stadt kaufen und noch erweitern. © ESC

Die Vision eines Sportzentrums im Höchstadter Westen nimmt mehr und mehr Gestalt an. Zu einem generalsanierten Eisstadion und dem Freibad könnten sich in gar nicht so ferner Zukunft ein Hallenbad und ein Eissportzentrum gesellen. In der jüngsten Sitzung des Stadtratsausschusses für Sport, Freizeit und Feuerwehr, die Bürgermeister Gerald Brehm als "historisch" einstufte, wurden Weichen gestellt.

Eine ganz neue Wendung bringen die Macher vom Eis- und Schwimmsportclub ESC Höchstadt ins Spiel. Schon seit Jahren haben sie sich Gedanken gemacht, was aus ihrem arg in die Jahre gekommenen Vereinsheim werden könnte. In der Sitzung präsentierte die Vereinsführung um die Vorsitzende Nadja Müller einen einigermaßen kühnen Plan: Direkt gegenüber vom Eisstadion soll das "Eissportzentrum Nordbayern" entstehen. Ein Vorhaben, das 3700 Quadratmeter Nutz- und Sportfläche beinhaltet, mit einer 28 mal 56 Meter großen Eisfläche und einem Kostenvolumen von 7,5 Millionen Euro.

Der Ausschuss macht sich vor Ort ein Bild von der Aischtalhalle.

Der Ausschuss macht sich vor Ort ein Bild von der Aischtalhalle. © Karl-Heinz Panzer

"Ein Geschenk für die Öffentlichkeit"?

Um genug Platz dafür zu schaffen, wollen die Eis- und Schwimmsportler ihr in Erbpacht betriebenes 3600 Quadratmeter großes Vereinsgelände von der Stadt kaufen und noch erweitern. Die Disziplinen Eis- und Synchroneiskunstlauf, Eishockey, Speed-Skating und Curling sollen ausgeübt werden können, darüber hinaus ist an Community-Räumen und einem Gym-Raum gedacht. Bauherr und Betreiber wäre der ESC als gemeinnütziger Verein.


Warum der ESC Höchstadt eine moderne Sportstätte plant


Es wird "ein Geschenk an die Öffentlichkeit", kündigt Nadja Müller an, also auch für externe Nutzer offen. Es könnten Wettkämpfe abgehalten werden, Trainingseinheiten für Mannschaften auch aus anderen Sportarten, Weiterbildungsveranstaltungen, Volkshochschule, Universitäts- und Schulsport. Ein Überangebot an Eisflächen am Kieferndorfer Weg sieht Müller durch die Pläne überhaupt nicht gegeben: "Wir brauchen zwei Eispisten gleichzeitig", sagt sie im Gespräch mit den Erlanger Nachrichten.

Auch dem Hallenbad stattete der Sportausschuss einen Besuch ab und beriet vor Ort über die Zukunft des Bades.

Auch dem Hallenbad stattete der Sportausschuss einen Besuch ab und beriet vor Ort über die Zukunft des Bades. © Karl-Heinz Panzer

Positives Feedback für das Großprojekt

Sie und ihre Mitstreiter seien keineswegs blauäugig an das Mammutprojekt herangegangen, unterstreicht die Vorsitzende. Bei keinem Geringeren als dem Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann sind sie vorstellig geworden. Der sei begeistert gewesen und habe den Kontakt mit dem Landessportverband vermittelt, zuständig für die Förderung von Sportstätten im Freistaat. Der Verlauf der Sondierungsgespräche lässt die ESCler daran glauben, dass ihr Vorhaben mehr als eine Schnapsidee ist. Auch im Sportausschuss habe sie ein durchwegs positives Echo wahrgenommen, so Müller.

Handlungsbedarf am Hallenbad

Sogar zu einer Energieverbundzentrale gibt es bereits Überlegungen, die Vertreter eines Energieversorgers in der Sitzung umrissen. Die Grundidee besteht darin, aus der Nähe von Sportanlagen mit ihrem Kälte- oder Wärmebedarf Synergieeffekte zu erzielen. Sprich, die den Eishallen entzogene Wärme könnte andere Sportstätten aufheizen. Vielleicht auch das Hallenbad, falls es zu einem Neubau am Kieferndorfer Weg kommt. Im Rathaus gibt es dazu sehr konkrete Überlegungen.

Anhand einer Studie will man Klarheit darüber erlangen, ob es sich lohnt, die Badeanstalt an der Steige längerfristig in Betrieb zu halten. Handlungsbedarf für den 1972 errichteten und 1992 sanierten Komplex besteht ohnehin: Nach dem Eindringen von Mardern unter die Dachhaut und dem Befall mit Ameisen im vergangenen Jahr muss die Holzkonstruktion über dem angebauten Wärmebecken instand gesetzt werden. Das soll nach der Saison 2021/22 geschehen. Bis dahin kann nach Einschätzung von Experten weiter geschwommen, gerutscht und geplanscht werden.

Ausschreibung für Eisstadion im Herbst

Die nächste Höchstadter Großbaustelle könnte das Eisstadion am Kiefersdorfer Weg sein. Der Sportausschuss ließ sich von den Planern des Ingenieurbüros Möller + Meyer über das Grundgerüst der anstehenden Generalsanierung informieren. Sicher ist, dass die Eispiste erneuert werden muss. Im Nordwesten wird ein neuer Zugang mit Kasse eingerichtet werden. Ein VIP-Bereich beziehungsweise Multifunktionsraum im Obergeschoss ist ebenfalls fester Bestandteil der Planung.

Das Dach wird den Planern zufolge an beiden Seiten verlängert. Darauf kommt eine Photovoltaikanlage, die einen Großteil des im benachbarten Freibad gebrauchten Stroms produzieren soll. Außerdem soll an der südöstlichen Seite ein zentraler Eingangsbereich entstehen, an dem auch die Badegäste eingelassen werden. Bis zur europaweiten Ausschreibung im Herbst ist es Aufgabe des Arbeitskreises Eisstadion, sich auf Planungsdetails zu einigen.

Sanierung der Aischtalhalle

Auch am anderen Ende der Stadt muss etwas getan werden: Die Aischtalhalle, genutzt unter anderem für Schulsport und Veranstaltungen, ist sanierungsbedürftig. Hans-Peter Philipp, der Leiter der städtischen Sportstätten, zeigte den Stadträten, was zu tun ist. Dass es ab und an oben hineinregnet ist hinlänglich bekannt. Bei der Dachreparatur wird darauf geachtet, dass die Konstruktion auch die geplante Photovoltaikanlage tragen kann.

Ein großes Manko, so war zu hören, sind die sanitären Anlagen. Für Frauen mitunter unzumutbar, sie müssten sich außerdem auf lange Wartezeiten einstellen, so hieß es. Viel Ärger bereitet auch die Küche, deren Ausdünstungen sich bei Veranstaltungen unweigerlich in der Halle ausbreiten. Darüber hinaus wird wohl ein komplett neuer Boden eingebaut und das gesamte Gebäude barrierefrei gestaltet. Trotz aller Mängel bescheinigte Philipp dem Gebäude eine gute Grundsubstanz. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie, die die Stadt vor der Sanierung in Auftrag gibt, wird auch die Möglichkeit eines Neubaus in der Nähe des Freibades untersuchen.

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