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Dienstag, 25.06.2019

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Von der Küste an den Karpfenteich

Ein schleswig-holsteinischer Tauschreporter besucht den preisgekrönten Fischwirt Walter Jakob in Mühlhausen. - 24.05.2019 18:34 Uhr

Landrat Alexander Tritthart (von links) gratuliert Marianne und Walter Jakob gemeinsam mit Mühlhausens Bürgermeister Klaus Faatz zu der Auszeichnung. © Foto: Roland Huber


Walter Jakob zeigt Tauschreporter Burkhard Büsing die Karpfensetzlinge und erklärt, wie lange es dauert, bis sie im Verkaufstresen liegen. © Foto: Roland Huber


Auch wenn der Karpfen kein Seefisch ist, gibt es den Preis zu Recht: Die Jakobs stellen ein Fest auf die Beine, bei dem gut 2000 Kilogramm Karpfen über den Tresen gehen. Das schaffen Herings-, Matjes-, Stint-, Krabbentage und wie die vielen Feste entlang der Küstenstreifen von Nord- und Ostsee bei uns sonst noch heißen, nicht unbedingt.

Ich muss zugeben: Nur weil ich an der Nordsee lebe, verstehe ich noch lange nichts vom Fischen. Zwar angelt bei uns in Dithmarschen nahezu jeder Junge – aber ich bin nur Zugezogener. Ich weiß gerade einmal, dass der Dorsch, den ein Freund bei regelmäßigen Urlauben in Norwegen fängt, mir ausgezeichnet schmeckt. Die Geschichten aus Büsum, dem Hafen, von dem die Kutter auslaufen, schreibt aber mein Bürokollege.

Immerhin, das haben Walter Jakob und ich gemein: Viele Berührungspunkte mit den Nordseefischern hat auch er nicht. "Es gibt die Tiefseefischerei, die Küsten- und Kutterfischer und die Binnenfischer", erläutert er mir. Die Schnittmengen sind da eher gering. "Manchmal gibt es gemeinsame Probleme, etwa mit Prädatoren", sagt Jakob. Der Komoran trete beispielsweise sowohl an der mecklenburgischen Küste als Fressfeind auf als auch an den Weihern im Aischgrund.

Bei einem weiteren Fressfeind könnte unsere Sicht wiederum nicht unterschiedlicher sein: Walter Jakob erzählt, dass er sich Sorgen um die Ausbreitung des Fischotters mache. Ja, das kann ich für den Aischgrund verstehen, denke ich einerseits. Es ist wohl wie bei uns mit dem Wolf und den Schafen. Statt in der Wildnis zu jagen, macht sich das Raubtier am leicht zugänglich gedeckten Tisch zu schaffen. Andererseits gibt es für Schleswig-Holstein Bemühungen, den Fischotter wiederzugewinnen und die Ansiedlung an der Eider, dem größten Fluss im Land, zu fördern. Vor Kurzem habe ich in der Dithmarscher Landeszeitung darüber berichtet, dass unser Nationalparkzentrum Wattenmeer eine große Außenanlage für den Otter bauen will, um das Tier zu zeigen und über die Lebensumstände aufzuklären. Ich freue mich auf diese Ansiedlung.

Walter Jakob zeigt mir seinen Betrieb. Millionen Karpfen tummeln sich bei ihm. Er nimmt einen Teelöffel. "Auf dem Löffel sind circa 2000 Tiere", sagt er. Kleine Setzlinge, die dieser Tage in die Teiche auf den gut 70 Hektar kommen, die er bewirtschaftet. "Ein bis zehn Prozent landen auf dem Teller." 60 bis 70 Tonnen im Jahr.

Das mit dem regionalen Gütesiegel Aischgründer Karpfen ausgezeichnete Produkt verbringt allerdings nicht die gesamte Zeit in dem eigenen Betrieb. Nach zwei Jahren gehen sie zur Mast in einen anderen Teich in der Region. "Wir kaufen sie dann zurück." Nach einem weiteren Jahr wird der Fisch in der Firma geschlachtet.

Walter Jakob blickt zufrieden auf die vergangene Saison zurück, doch die kommende macht ihm Sorgen. "Es ist erschreckend: Wir haben Setzfische übrig, weil die Teiche nicht mit Wasser aufgefüllt sind." Die Trockenheit macht nicht nur den Bauern, sondern auch dem Fischwirt zu schaffen.

Viele neue Infos waren das für den Fischkopf aus Schleswig-Holstein, die Walter Jakob über die Karpfenzucht parat hatte. Landrat Alexander Tritthart kennt viele dieser Fakten. Dennoch kam auch er auf eine Visite bei Fisch Jakob vorbei, gratulierte zu der Auszeichnung und fragte, wo der Schuh drückt.

Für mich war Karpfen bislang nur der Fisch, den meine Schwiegereltern am Heiligen Abend essen. Nun aber hätte ich große Lust, mir den Bauch während des Hoffests im September einmal vollzuschlagen. Allerdings trennen mich seit gestern Abend wieder 700 Kilometer von Mühlhausen. 

BURKHARD BÜSING

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