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Höfener Tunnel: Mehr Sicherheit durch Überholverbot?

Fürther Südstadt-SPD macht sich für Radler stark, Baureferent verweist auf Straßenverkehrsordnung - 21.06.2020 21:00 Uhr

Ein Gefahrenherd für Radfahrer ist die enge Bahnunterführung in der Höfener Straße im Nürnberg-Fürther Grenzgebiet. Ein Überholverbot soll sie sicherer machen.

19.06.2020 © Foto: Jo Seuß


Seit Jahren gibt es immer wieder Vorstöße von verschiedenen Seiten, für breitere Verhältnisse zu sorgen – geändert hat sich an der Situation jedoch nichts. Besonders gefährdet sehen sich Radfahrer, von denen manche vorsichtshalber auf den Gehweg ausweichen, obwohl das illegal ist.

Nun kommt wieder etwas Bewegung in die Sache: Die Fürther Südstadt-SPD hat vorgeschlagen, für den Bahnunterführungsbereich an der Stadtgrenze ein "Überholverbot für einspurige Fahrzeuge" anzuordnen. In der Kleeblattstadt begrüßt man den Vorschlag grundsätzlich, darüber entscheiden muss aber die Nachbarstadt, weil die Unterführung auf Nürnberger Gebiet liegt. Hans-Joachim Gleißner, Leiter des Fürther Straßenverkehrsamtes, befürwortet jedenfalls ein Überholverbot von Radlern: "Das könnte die Verkehrssituation zumindest für die Fahrradfahrer entspannen."

Hintergrund für den Vorstoß ist die Straßenverkehrsordnung, die Ende April geändert wurde. Dabei sind neue Regelungen aufgenommen worden – mit dem Ziel, die Straßen für Biker sicherer zu machen. Mit der Novelle ist auch das Überholverbot einspuriger Fahrzeuge gekommen.

Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich hat über die Fürther Verwaltung inzwischen von dem Vorstoß der dortigen Südstadt-SPD erfahren. Er hält es grundsätzlich für "wünschenswert, die Unterführung für den Radverkehr angenehmer befahrbar zu machen", nach einer ersten Überprüfung steht für ihn aber fest: "Die Umsetzung des Vorschlags ist hier leider nicht zielführend."

 

Durchgezogene Linie ist markiert

 

Der Knackpunkt: Wegen der bereits vorhandenen Markierung mit einer durchgezogenen Linie zwischen der (Fürther) Karolinenstraße und der Kreuzung Nürnberger Straße (Fürth) sowie Fürther Straße (Nürnberg) bestehe hier "schon ein Überholverbot für alle Fahrzeuge – auch Fahrräder und Motorräder". Hier verweist Ulrich auf eine ebenfalls neue Regelung der Straßenverkehrsordnung (StVO) in § 6 Abs. 4, Satz), wonach seit dem 28. 4. 2020 "das Überholen eines auf der Fahrbahn fahrenden Zweirads bei Einhaltung des Mindestseitenabstandes von 1,50 Meter ohne Überfahren der durchgezogenen Linie nicht zulässig ist". Mit Blick auf beengte Lage in der Unterführung sei dies wegen des ständigen Gegenverkehrs auch nicht möglich, so Ulrich. Sein Kehrschluss: "Faktisch wurde der Antrag damit mit der Novelle der StVO erledigt.

Insgesamt sieht der Nürnberger Baureferent die Lage so: "Die wünschenswerte Verbesserung für den Radverkehr in der Höfener Straße kann erst dann eintreten, wenn die Bahnunterführung – wie ursprünglich mal geplant – verbreitert wird."

Klar ist: Seit Jahren beschäftigt die gefährliche Situation rund um die Bahnunterführung Bürger und Politiker. Bereits in den 1990er Jahren wünschte man sich, dass die Unterführung mit einem Querschnitt von neun Metern im Zuge des S-Bahn-Baus verbreitert wird und es getrennte Geh- und Radwege gibt. Doch die Deutsche Bahn setzte die Anregungen nicht um – was damals nicht nur mit den Kosten, sondern auch dem fehlenden Druck aus den beiden Rathäusern zu tun hatte.

Im November 2017 sprachen sich die Nürnberger Grünen per Antrag für Tempo 30 etwa 100 Meter vor und nach dem Tunnel sowie rote Fahrradmarkierungen aus. Regelmäßig staut sich der Verkehr vor dem Nadelöhr seit der Vollendung der Höfener Spange. "Die Durchfahrt ist für Fußgänger und Radfahrer mit Gefahren verbunden", hieß es in dem Antrag der Grünen.

 

Alternativrouten werden empfohlen

 

"Man müsste eine neue Brücke bauen, um den Bestand zu verändern", sagt Gleißner. Damit kämen enorme Kosten auf die Stadt Nürnberg zu, weil sie "als Kostenträger mit im Boot ist", wenn der Ausbau von der Bahn gefordert werden würde. Geld für eine solche Millionen-Investition ist aktuell nicht in Sicht. Insofern empfiehlt Ulrich den Radlern sicherere Alternativrouten mit Radwegen – entweder über die Sigmundstraße oder die Jakobinenstraße.

Die Fürther Sozialdemokraten wollen aber nicht locker lassen. In ihrem Brief bitten sie darum, das Thema "Bahnunterführung Höfener Straße" bei der nächsten Nachbarschaftskonferenz der beiden Kommunen zu besprechen. Vielleicht entstehen dabei ja neue Ideen, wie dieser Gefahrenherd entschärft werden kann.

Luisa Degenhardt/Jo Seuß

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