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"Höhle der Löwen": Was Dagmar Wöhrl von Gründern erwartet

Interview mit der Nürnberger Unternehmerin zum Staffel-Finale - 20.11.2018 14:56 Uhr

Von der Politikerin zur Investorin: Für Dagmar Wöhrl war es die zweite Staffel als Jurymitglied in der "Höhle der Löwen". © MG RTL D / Frank Hempel


Frau Wöhrl, Sie haben die zweite Staffel als Jurymitglied in der "Höhle der Löwen" hinter sich gebracht. Was hat sich im Vergleich zum ersten Jahr verändert?

Dagmar Wöhrl: Nach meinem Empfinden sind die Gründer und Gründerinnen noch einmal besser geworden. Das mag man kaum glauben, denn die Sendung hat ja schon seit einigen Jahren ein hohes Niveau. Aber ich habe festgestellt, dass sich noch besser vorbereitet wird und dass somit selten eine Frage von uns Löwen unbeantwortet blieb. Persönlich fühle ich mich in der Höhle mittlerweile sehr wohl und scheue auch keinen Kampf mehr mit meinen Mitlöwen. Ich bin mutiger geworden. Mein Bauchgefühl ist für mich aber noch immer sehr wichtig.

Welcher Pitch und welche Gründer sind Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Wöhrl: Das ist wirklich schwer zu sagen. Als Löwe sind mir natürlich meine Gründer besonders ans Herz gewachsen – aus Geschäftsbeziehungen sind mittlerweile Freundschaften entstanden. Ich vermag keinen davon herauszustellen, denn jeder hat seine ganz eigene Geschichte, die mich mit ihm verbindet. Sehr emotional war natürlich der Pitch von MoveAid – einer Hilfe für Schlaganfallpatienten (Anm. der Red. Ein Pitch aus der 2017er Staffel). Noch heute werde ich oft darauf angesprochen.

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Po-Dusche und Latzhosen: Die Wöhrl-Deals in der "Höhle der Löwen"

Nach 23 Jahren im Bundestag hat Dagmar Wöhrl ihre neue Aufgabe in der Fernsehshow "Höhle der Löwen" auf Vox gefunden. In ihrer ersten Staffel investierte sie insgesamt in sieben Start-ups - und in der darauffolgenden, der insgesamt bereits fünften Staffel der TV-Show sollten noch ein paar Investitionen hinzukommen: Hier finden Sie alle Wöhrl-Deals!


Was ist aus Ihren Investments geworden?

Wöhrl: Nun, ich kann sagen, dass fast alle meine Deals auch immer noch Teil unseres Familienunternehmens sind. Es gibt wahre Erfolgsgeschichten, aber ehrlicher Weise auch Beteiligungen, wo wir doch etwas mehr kämpfen müssen. Aber auch das gehört zum Unternehmertum dazu. Es gibt keine Garantie auf Erfolg.

Haben Sie vor den Aufzeichnungen wieder mit Ihrem Mann ein Budget vereinbart?

Wöhrl: (Lacht) Nein. Wir haben eingesehen, dass das wenig Sinn macht, weil man im Voraus einfach nicht weiß, welche Start-ups sich vorstellen. Es wäre ja schade, ich würde bei einem hervorragenden Gründer und einem exzellenten Produkt kein Angebot abgeben können, nur, weil unser Limit damit überschritten wäre. Mein Mann vertraut mir, dass ich wohl überlegt investiere.

Die Verbraucherzentrale warnt vor schlechter Qualität der DHDL-Produkte und kritisiert die viel zu hohen Preisempfehlungen der Löwen. Sind diese Vorwürfe berechtigt?

Wöhrl: Für meine Investitionen muss ich das klar verneinen, wir waren auch nicht angesprochen. Für uns ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium. Der Aufbau von Marken ist für uns im Vordergrund und nicht der kurzfristige Gewinn. Uns ist es wichtig, Unternehmen aufzubauen, die im Idealfall auch in zehn Jahren noch am Markt präsent und nicht in den Krabbeltischen der Discounter zu finden sind. Der Aufbau einer Marke bedarf eines langen Atems und geht einher mit einem qualitativ hochwertigen Produkt. Nur so kann es gelingen, am Markt zu bestehen. 

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Kritiker werfen den Jurymitgliedern außerdem vor, nur an ihren eigenen Profit zu denken und die unerfahrenen Gründer auszunutzen. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Wöhrl: Wie gesagt, für uns steht der kurzfristige Gewinn nicht im Vordergrund. Wir wollen gemeinsam mit unseren Gründern Marken aufbauen. Deshalb fühle ich mich bei diesem Punkt auch nicht angesprochen.

In Deutschland gibt es immer mehr Start-ups, im Vergleich zu den USA sind es hierzulande aber immer noch relativ wenige. Woran liegt das?

Wöhrl: Es fehlt bei uns die Gründerkultur. Und das fängt leider schon in der Schule an. Anstatt hier frühzeitig die Weichen zu stellen, findet man teilweise in den Schulbüchern noch Formulierungen aus längst vergangenen Zeiten. Unternehmer werden hier noch immer gleichgesetzt mit ausbeutenden Kapitalisten. Wir sollten hier aber schon ansetzen und Mut machen, dass es sich lohnen kann, ein Risiko einzugehen und sich seinen Traum von der Selbständigkeit zu erfüllen. Wünschenswert wäre außerdem, wir würden endlich die Bürokratie eindämmen. Eine Gründung bedeutet erst mal eine Menge von Anträgen und Erklärungen. Wir sollten uns Estland als Beispiel nehmen. (Anm. der Red.: Wegen der guten digitalen Struktur und der einfachen Steuerregelung ist Estland beliebt bei Gründern aus aller Welt) Hier muss etwas verändert werden, genauso, wie im Bereich der Fördermöglichkeiten. Es ist nicht so, dass Staat oder Land oder Kommune nicht bereit wären, junge Start-ups zu fördern. Das Problem ist aber, dass man fast schon wieder eine separate Ausbildung braucht, um die bestmögliche Förderung für sein Projekt zu erhalten. Es wäre schön, wenn es eine zentrale Anlaufstelle gäbe, bei der alle Fördermöglichkeiten einsehbar wären.

Welche Tipps haben Sie für junge Menschen, die ein Unternehmen gründen wollen?

Wöhrl: Seid mutig. Traut Euch. Und lebt Euren Traum. Wenn Ihr eine Idee oder ein Produkt habt, was es Eurer Meinung so noch nicht gibt oder das einen Mehrwert bietet, dann legt los. Macht Fehler. Ruhig mehrere. Lernt daraus und macht es beim nächsten Mal besser. Scheitern ist nur eine Stufe auf dem Weg zum Erfolg.

Wie geht es mit Ihnen weiter, sehen wir Sie im nächsten Jahr wieder auf dem Sessel bei Vox?

Wöhrl: Dazu kann ich noch nichts sagen, es finden gerade die Verhandlungen statt.

Sie twittern während einer DHDL-Sendung sehr viel und bezeichnen sich selbst als "Twitterlöwin". Haben Sie sich den Namen selbst gegeben?

Wöhrl: Der "Twitterlöwe" wechselt von Woche zu Woche. Jeder Löwe, der bei Twitter aktiv ist, steht für einen Abend Rede und Antwort. Die Zuschauer nutzen das ganz gerne, um auch einmal persönliche Fragen an "ihre" Löwen loszuwerden. Irgendwann hat sich die Bezeichnung "Twitterlöwe" durchgesetzt.

Betreuen Sie den Account eigentlich komplett selbst?

Wöhrl: Ich empfehle jedem, der "Die Höhle der Löwen" anschaut, sie auch parallel auf Twitter zu verfolgen. Das ist einfach wahnsinnig unterhaltsam. Es ist wie eine kleine eingeschworene Gemeinschaft und es macht Spaß, live auf Twitter mitzuverfolgen, wie der Zuschauer Gründer, Produkte und uns Löwen wahrnimmt. Es gibt Kritik, Lob, aber auch Anregungen. Ich sage meinen Gründern immer, dass man hier ungefiltert ein Feedback zum Produkt bekommt. Ich liebe diesen direkten Austausch mit den Zuschauern! Ohne sie hätte es den Hasthag "#Familienunternehmen" nie gegeben.

Über was twittern Sie dann eigentlich nach dem Staffelende?

Wöhrl: Ich twittere ja schon seit April 2009 – weit vor "Die Höhle der Löwen." Ich glaube, ich war sogar mit eine der ersten Politikerinnen, die diesem Medium beigetreten ist. Von daher gab es auch schon immer etwas zu twittern und wird es auch nach Staffelende geben.

 

  

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