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Home-Schooling: Distanz, die auch verbinden kann

Digitales Know-How, Gemeinschaftsgefühl und Schüler aus anderen Teilen der Welt - 17.02.2021 17:57 Uhr

Der Unterricht über den Bildschirm und vom heimischen Schreibtisch aus, ist für Schülerinnen und Schüler seit mehreren Monaten Alltag und birgt einige Herausforderungen. Die Erfahrungen gehen dabei weit auseinander.

04.02.2021 © Stefan Puchner, NN


Home-Schooling hieß das Gebot der letzten Monate, die Schul-Alternative in Corona-Zeiten. Mittlerweile haben sich die meisten Schüler und Lehrer an das Konzept gewöhnt, die Meinungen zum Modell der digitalen Schule sind dabei aber sehr geteilt.

"Umstellung innerhalb von einer Woche"

Dass es klappen kann und nicht alles schlecht ist am Unterricht von zuhause, diese Erfahrung haben die Lehrer und Schüler am privaten Jenaplan-Gymnasium in Nürnberg gemacht. Die weiterführende Schule wird aktuell von 180 Schülern besucht und hat die Umstellung im März des vergangenen Jahres sehr schnell umsetzen können. Hier kann nun auf rund zehn Monate Online-Unterricht zurückgeblickt werden: "Innerhalb einer Woche hatten wir mithilfe einer 28-köpfigen Projektgruppe die virtuelle Schule auf die Beine gestellt – das war ein großes Gemeinschaftsprojekt", berichtet Bernd Beisse als einer von drei Schulvorständen und Verantwortlicher für die Schulentwicklung.

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Struktur und Routine im Lockdown

Leonie Gaschler, Schülerin der zehnten Jahrgangsstufe am Jenaplan-Gymnasium kommt mit dem Online-Unterricht sehr gut zurecht und ist froh darüber, dass dieser über Microsoft Teams so gut funktioniert: "Wir hinken nicht mit dem Schulstoff hinterher und es macht sogar wirklich Spaß". Die Ganztagesschule orientiert sich weiterhin am normalen Stundenplan, von 9 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag wird unterrichtet. Ihr habe es sehr geholfen, die gewohnte Struktur im Lockdown nicht stark verändern zu müssen, berichtet die 15-Jährige. Struktur für Schüler und Lehrer zu schaffen, war auch laut Beisse das große Ziel: "Die Digitalisierung kann vor allem ein Stressbefreiungsinstrument sein, wenn man sie im Kern anpackt. Wir hatten zudem den unbedingten Willen, dass wir alle mitnehmen, das funktioniert nicht, wenn einer fehlt. Dazu haben wir viele Gespräche geführt, die Technik laufend weiterentwickelt und Lehrer und Schüler bei Bedarf mit Laptops oder Internet-Sticks ausgestattet."

Ersatz für die "normale" Schule?

Der häufig als einer der ersten am Home-Schooling genannten Nachteile ist das fehlende Gemeinschaftsgefühl und die wegfallende soziale Interaktion untereinander. Leonie selbst nimmt die Distanz zu Lehrkräften und anderen Schülern als gar nicht so groß wahr: "Sicher ist es nicht das Gleiche, wie persönlich und vor Ort im gleichen Klassenraum zu sitzen, aber wir sehen uns über die Webcams ja trotzdem und unsere Lehrer machen außerdem vermehrt Gruppen- und Partnerarbeiten mit uns. Da rufen wir uns häufig noch einmal untereinander an und können auch mal ein bisschen quatschen".

Distanz, die über Kontinente hinweg verbindet

Der digitale Unterricht bedeutet eine räumliche Trennung, kann auf der anderen Seite aber auch eine Verbindung über Kontinente hinweg ermöglichen: Die sechste Jahrgangsstufe des Jenaplan-Gymnasiums hat vor einigen Wochen Zuwachs bekommen: Zwei Schülerinnen, die in Moskau und Kapstadt leben, nehmen online am Unterricht teil: "Dazu kam es ganz zufällig", erzählt Beisse. "Die Eltern sind jeweils über Google auf unsere Schule gestoßen und haben gefragt, ob eine Teilnahme ihrer Kinder an unserem Online-Unterricht möglich ist. Und wir haben gesagt, klar, das versuchen wir und es klappt wunderbar. Zudem ist es spannend für die anderen Schüler und wir würden das gern noch ausweiten".


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Zusätzliche Kompetenzen

Ein weiterer Lerneffekt, den Leonie aus dieser Zeit mitnimmt, ist das digitale Know-How: "Für mich musste Technik bislang immer einfach funktionieren. Jetzt macht es mir Spaß, mich damit auseinanderzusetzen und ich habe viele Dinge dazugelernt". Etwas, das auch Beisse als positiven Effekt des Online-Schoolings erkennt: "Digitale Kompetenz und das strukturierte Arbeiten mit und über Kommunikationsplattformen werden die Schüler auch später können müssen". Zudem hat Leonie das Gefühl, dass die Schulgemeinschaft trotz der Distanz zum Teil sogar gestärkt worden sei. Es sei sich immer gegenseitig geholfen worden, wenn zum Beispiel die Technik gestreikt habe. "Manchmal haben wir auch den Lehrern etwas erklärt", lacht die Zehntklässlerin.

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Katja Kiesel Volontärin Lokalredaktion E-Mail

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