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Kommt Amazon nach Allersberg? Gerüchte schießen ins Kraut

Streit um mögliches Logistikzentrum schwelt nach Bürgerentscheid weiter - 06.08.2020 12:37 Uhr

Amazon ist ein möglicher Interessent für neue Gewerbeflächen in Allersberg.

© dpa


Daniel Horndasch kämpft anscheinend gegen Windmühlen. Seit Monaten will der Bürgermeister von Allersberg die Gerüchte rund um ein geplantes Gewerbegebiet und angebliche Absprachen mit dem US-amerikanischen Versandkonzern Amazon entkräften. Doch der Streit um zwei große Areale nahe der A 9 und des örtlichen Regionalbahnhofs mit insgesamt 33 Hektar spaltet nach wie vor den Ort. Dabei hätte ein Bürgerentscheid die Situation klären sollen.

Hat er aber wohl nicht, denn auch nach der Abstimmung im Mai wird in Allersberg unter anderem gemunkelt, dass die Ansiedlung eines Logistikzentrums von Amazon längst beschlossene Sache sei. Horndasch tritt diesen Spekulationen entschieden entgegen: "Es ist noch nichts entschieden und noch nichts verkauft. Wir stehen noch ganz am Anfang der Planungen", erklärt der parteilose Kommunalpolitiker, der sich bei der Bürgermeister-Wahl vor drei Jahren als Kandidat der Freien Wähler und des Allersberger Bürgerforums durchgesetzt hatte.

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Trotz Bürgerentscheid: Kommt Amazon doch nach Allersberg?


Bei dem Bürgerentscheid ging es allein um eine bauleitplanerische Frage, betont Horndasch, "Amazon wurde auf dem Stimmzettel mit keinem Wort erwähnt." Und tatsächlich stimmten die rund 8400 Einwohner der Marktgemeinde im Landkreis Roth ausschließlich über die Forderungen zweier örtlicher Bürgerinitiativen ab, die hinsichtlich der Gestaltung des künftigen Gewerbegebietes ziemlich unterschiedliche Vorstellungen haben. So plädierte die BI "Für Fortschritt und Entwicklung in Allersberg" dafür, dass die verschiedenen planungsrechtlichen Verfahren im Zusammenhang mit den beiden geplanten Gewerbe- beziehungsweise Sondergebieten im Sinne der vom Allersberger Marktgemeinderat getroffenen Beschlüsse fortgesetzt werden sollen.

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Die BI "Lebenswertes Allersberg" dagegen forderte, dass auf das Industriegebiet "Allersberg West I" vollständig verzichtet werden soll. Und "Allersberg West II" sollte zunächst auf maximal acht Hektar beschränkt werden und vorwiegend ortsansässigen Betrieben vorbehalten bleiben.

Rund 59 Prozent der Teilnehmer am Bürgerentscheid stimmten für die große Lösung, auch wenn im Vorfeld das Gerücht gestreut worden war, dass man damit automatisch auch für Amazon sein Kreuz mache. Das stimmt so natürlich nicht, auch wenn Amazon sein Interesse am Allersberger Standort vor einiger Zeit per Pressemitteilung bestätigt hat.

"Die Feindbilder, die da aufgebaut wurden, halte ich nicht für sinnvoll", sagt Horndasch und verweist auf die Chancen, die ein großes Gewerbegebiet biete. Zusätzliche Gewerbesteuer-Einnahmen wären überaus willkommen in der hoch verschuldeten Kommune, deren Verbindlichkeiten sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt haben und nun bei elf Millionen Euro liegen. Schon zweimal hat das Landratsamt Roth als Rechtsaufsichtsbehörde der Gemeinde den Haushaltsnotstand attestiert.

Plan noch nicht konkret genug

Um nun für klare Verhältnisse zu sorgen, beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Interessent von der Vergabe von Gewerbeflächen ausgeschlossen werden dürfe – weder Amazon noch der Immobilienentwickler P3 Logistic, der oft mit dem Online-Versandhändler zusammenarbeitet. Horndasch hofft, dass das die Debatte wieder etwas versachlicht. "Konkrete und realistische Grundstücksverhandlungen setzen zumindest voraus, dass der Bebauungsplan hinreichend konkret ist", sagt er. Nur dann könnten die Möglichkeiten einer Ansiedlung nebst Erschließungskosten vernünftig eingeschätzt werden.

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ANDRÉ AMMER

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