Nachfolge für 9-Euro-Ticket

Kostengünstiger ÖPNV ist für VGN nur ein Baustein

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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21.9.2022, 19:00 Uhr

"Deutschland hat mit den Füßen abgestimmt", sagt VGN-Geschäftsführerin Anja Steidl und beschreibt damit den Erfolg des 9-Euro-Tickets, das von Juni bis August Millionen Menschen zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel animiert hat. Das Ziel, die Haushalte ad hoc bei den Kosten der Mobilität zu entlasten, sei im Sommer erreicht und mit "Bravour gemeistert worden", so Steidl. Dennoch ist für sie klar, dass ein kostengünstiges Ticket nur ein Baustein der Verkehrswende sein kann.

"Die Ziele können nur im Gesamtpaket erreicht werden", verdeutlicht Anja Steidl im Podcast "Horch amol". Dazu zählt für sie der Ausbau der Infrastruktur, Fahrzeuginnovation, Angebotsverbesserung durch Taktverdichtung oder Fahrzeitverkürzung und nicht zuletzt die Digitalisierung.

Die "Tarifkomponente", wie Anja Steidl die Ticketpreise fachgerecht nennt, sei jetzt sozusagen "vorgezogen" worden. Es reiche aber nicht, "ein billiges Ticket auf den Markt zu werfen", sondern die anderen "Facetten" dürfen nicht aus den Augen verloren werden, so die VGN-Geschäftsführerin.

Finanzierung bleibt Streitthema

Und so wie die Verkehrsminister der Länder gerade mit dem Bund um die Finanzierung eines Nachfolgemodels für das 9-Euro-Ticket streiten, wird sich die Auseinandersetzung um das Geld auch in den kommenden Jahren fortsetzen, ist sich Anja Steidl sicher. Der Finanzierungsbedarf für einen kostengünstigen, deutschlandweit gültigen Fahrschein, wird mit jährlich über drei Milliarden Euro beziffert. In einem Gutachten wurde zudem errechnet, dass der ÖPNV ab 2030 zusätzliche Mittel in Höhe von jährlich elf Milliarden Euro benötigt.

Um deutlich weniger Geld ging es in der Vergangenheit in der Diskussion um ein 365-Euro-Ticket, das Nürnberg erst einführen wollte und dann wieder einen Rückzieher machte. Den Vorwurf, dass die umliegenden Städte und Landkreise aus einem "Kirchturmdenken" heraus, sich diesem Angebot widersetzten, will Anja Steidl so nicht stehen lassen. "Die Landkreise haben sich sehr genau angeschaut, welche Mehrkosten dadurch verursacht werden und wie viel Mehrverkehr ihr Landkreis dafür gewinnt", so Steidl. Es sei legitim, dass die Landkreise ihre Mittel dafür einsetzen, wo sie es für sinnvoll erachten, meint die VGN-Geschäftsführerin, zumal die Landkreise schon heute sehr viel Geld für weiteren Bedarfsverkehr - wie beispielsweise Anruf-Sammeltaxis - oder zusätzliche Linien in die Hand nehmen.

Doch wie geht es jetzt weiter? Anja Steidl ist zuversichtlich, dass es bei der nächsten Verkehrsminister-Konferenz Mitte Oktober eine Entscheidung für ein Nachfolgeticket geben wird. Unabhängig davon treibt der VGN auch eigene Ideen für attraktive Angebote voran.

So soll Anfang nächsten Jahres ein "Best-Price"-System eingeführt werden. Der Fahrgast kann dann digital ein- und auschecken und das System errechnet nach der Fahrt oder den Fahrten an diesem Tag den günstigsten, tagesaktuellen Preis.

Als weiteres "spannendes Thema" kündigt Anja Steidl "Egon" an. Mit diesem E-Ticket sollen automatisch die Fahrten eines Kunden erfasst werden und nach 31 Tagen wird errechnet, welche Summe zu bezahlen wäre. "Je mehr der Kunde fährt, desto günstiger wird es", erläutert Steidl, denn ab 12 Euro Umsatz werden bereits 50 Prozent Rabatt gewährt. Werden - trotz des Rabatts - 72 Euro Umsatz erreicht, dann gibt es auf die weiteren Fahrten sogar 75 Prozent Nachlass. Allerdings wäre diese Variante mit einem bundesweiten Umweltticket schon wieder hinfällig, wie Anja Steidl anmerkt. "Egon" soll Ende des Jahres mit 20.000 Kunden in eine Testphase gehen.

Aufwind für den ÖPNV

Letztlich verspürt der ÖPNV einen Aufwind, wie schon lange nicht mehr, sagt die VGN-Geschäftsführerin. Daraus schöpft sie auch die Hoffnung, dass sich in Zukunft der sogenannte "Modal Split", also die Aufteilung des Verkehrsaufkommens, deutlich in Richtung "Umweltverbund" verschiebt. Gemeint sind damit nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch die Fußgänger und Fahrradfahrer, die dazu beitragen, vom Individualverkehr mit dem Pkw wegzukommen.

Lesen Sie dazu auch bei NN+: Dieses Angebot plant der VGN für Home-Office-Nutzer

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