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Kunst-Kontrast-Programm zum Jubiläum

Atelier- und Galeriehaus Defet zeigt zum Zehnjährigen Ausstellungen von Harri Schemm und Christian Faul - 30.06.2016 21:12 Uhr

Von der Tradition der japanischen Blumensteckkunst ließ sich Christian Faul zu seiner neuen Suite „banaii“ inspirieren, die der Meister hocheleganter Lasurmalerei nun erstmals in der Galerie Oechsner ausstellt.

30.06.2016


Christian Faul in der Galerie Oechsner, Harri Schemm im Raum des Instituts für moderne Kunst; der Meister hocheleganter Lasurmalerei und der in Farben schwelgende Vollblutmaler, der sich selbst einen „radikalen Provinzialisten“ nennt – größer könnte der Kontrast in unmittelbarer Nachbarschaft unterm Dach des Defet-Hauses kaum sein. Für beide ist es auch Rückkehr an einen vertrauten Ort. Schon vor der offiziellen Eröffnung ihrer Galerie präsentierte Annette Oechsner 2006 hier Fauls „Paris Suite“. Schemm erinnert sich an einen Performance-Auftritt mit toten Fischen in der Badewanne ganz am Anfang seiner Karriere, als das heutige Atelier- und Galeriehaus noch die Defet’sche Pinselfabrik war.

„banaii“-Suite hat Faul seinen neuen Zyklus betörend schöner Gemälde auf weiß, himmelblau und hellbraun lasiertem Acrylglas genannt. Der mehrfache Japan-Reisende ließ sich dafür von der dortigen Tradition der Blumensteckkunst inspirieren, und auch ohne jede Erklärung scheint in dieser beinahe immateriell wirkenden Malerei etwas von der Philosophie des Ikebana aufgehoben.

Stets nur ausschnitthaft wachsen die zarten Blüten- und Blätterzweige ins Bild, die so echt aussehen, durch ihre bewusste Künstlichkeit aber ins Unwirkliche entrückt werden. Transparenz, die Konzentration auf die Linie kennzeichnen Fauls Schaffen. In ihrer stillen Eleganz entfaltet seine „banaii“-Suite eine fast kontemplative Wirkung. (Bis 6. August)

Ein Künstler, der die Welt mit Biss und Humor betrachtet: Werke aus fast 40 Jahren zeigt Harri Schemm im Raum des Instituts für moderne Kunst.Fotos: Roland Fengler

30.06.2016


Ins knallbunte Gegenuniversum des die Welt mit Biss und Humor, aber auch mit leiser Melancholie betrachtenden Harri Schemm führt die Ausstellung nebenan. Werke aus fast 40 Jahren sind dort versammelt, Blickfang ist ein irrer Klaus Kinski im Autoscooter auf pinkfarbener Leinwand. Die Idee dazu kam Schemm, als er im Verkehr feststeckte und das wütende Verhalten der Autofahrer um sich herum beobachtete.

Auch dieses Bild offenbart den Menschenfreund, der den Wahnsinn des Alltags, aber auch die vertrauten Idyllen im Fränkischen oder im indischen Goa („mein Winter-hangout“) mit seinem „poppigen Realismus“ wunderbar treffend ins Bild rückt. Schemm-Freunde dürfen sich auf das Künstlerbuch freuen, das zur Vernissage präsentiert wird. (Bis 6. August)

Regina Urban

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