15°

Samstag, 30.05.2020

|

zum Thema

LTW 2018: Matthias Fischbach setzt konsequent aufs Internet

FDP-Kandidat fremdelt mit der "Showpolitik" von Markus Söder - Mit Live-Videos auf Stimmenfang - 26.08.2018 18:45 Uhr

Matthias Fischbach (vorne, 2. von rechts) joggt mit einigen Parteifreunden durch die Erlanger Fußgängerzone und verteilt dabei Wahlkampf-Flyer. Außerdem landen die Videos von dem „Zukunftslauf“ in Echtzeit im Internet. © Foto: André Ammer


Auf dem Weg zum Startpunkt beim Rathaus hat er noch schnell Station beim Bäcker gemacht und sich mit einer Käsebreze für den bevorstehenden "Zukunftslauf" gestärkt. Am Abend zuvor war Matthias Fischbach erst spät von seinen beruflichen Terminen in Frankfurt heimgekehrt, wo der studierte Volkswirt als Unternehmensberater für verschiedene Finanzunternehmen tätig ist. Für ein ordentliches Frühstück war angesichts des vollen Terminkalenders an diesem Wochenende einfach keine Zeit mehr.

"Ab dem 1. September bin ich von meinem Arbeitgeber freigestellt, dann kann ich mich endlich voll auf den Wahlkampf konzentrieren", erzählt der 29-Jährige. Heute will er zusammen mit Parteifreunden der mittelfränkischen FDP und der Jungen Liberalen durch Erlangen joggen und dabei für die Positionen seiner Partei werben.

Flexibleres Schulsystem

Bevor sich die Gruppe auf den Weg macht, redet Fischbach aber noch ein paar Takte mit einer Passantin. Die ehemalige Lehrerin des jungen Politikers hat die Veranstaltungsplakate für diesen "Zukunftslauf" in der Stadt stehen sehen und nutzt nun die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihrem einstigen Schüler. Vieles liegt ihrer Ansicht nach bei der bayerischen Schulpolitik im Argen, bei Fischbach stößt sie mit ihren Anliegen auf offene Ohren. Mehr Flexibilität bei der Einstellung von zusätzlichen Lehrkräften, Leistungsanreize für die Pädagogen und eine zielgerichtete Finanzierung der individuellen Förderung nach dem Prinzip "Geld folgt den Lernenden" – mit solchen Positionen will der fränkische Liberale bei den Wählern punkten.

Im flotten Trab geht es dann durch die Fußgängerzone zu den Erlangen Arcaden, wo Fischbach unter anderem für ein "zeitgemäßes Ladenschlussgesetz" und mehr unternehmerische Freiheit plädiert. Der 29-Jährige ist beruflich viel in anderen Bundesländern unterwegs und fragt sich angesichts der sogenannten "Spätis" (Einzelhandelsgeschäfte die außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet haben) in einigen ostdeutschen Städten, warum man solche Fragen nicht den Betreibern überlässt.

"Flüchtlingsbewegung nicht nur als Problem sehen"

Bei der nächsten Station, dem Hugenottenplatz, erinnert Fischbach an die französischen Glaubensflüchtlinge, die Ende des 17. Jahrhunderts nach Erlangen gekommen waren und unter dem Schutz von Markgraf Christian Ernst für eine wirtschaftliche Blütezeit und kulturelle Vielfalt gesorgt hatten. "Ein gutes Beispiel dafür, dass man Flüchtlingsbewegungen nicht nur als Problem sehen sollte", erklärt der FDP-Spitzenkandidat, während seine Begleiter die Kurzreferate per Smartphone filmen und sofort ins Netz stellen.

Matthias Fischbach setzt in seinem Wahlkampf konsequent auf die neuen Medien, und die ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf die Joggingtour der fränkischen Liberalen lassen nicht lang auf sich warten: "Lauf, Kandidat, lauf!", schreibt ein User, unmittelbar nachdem das neueste Etappen-Video gepostet wurde.

Von 2011 bis 2013 war Fischbach Landesvorsitzender der Jungen Liberalen und hat schon damals mit neuen Wegen in der politischen Arbeit auf sich aufmerksam gemacht. Etwa als er einen bayernweiten Flashmob gegen eine neue Sonderregelung des Ladenschlussgesetzes organisierte: Tankstellen sollten ab 20 Uhr keine Genuss- und Lebensmittel mehr an "Nicht-Reisende", sondern nur noch an "Kraftfahrer und Mitfahrer eines Kraftfahrzeugs" verkaufen dürfen. "Eine völlig absurde Regelung", kritisiert der Erlanger FDP-Politiker.

Deshalb sollten damals möglichst viele Leute gleichzeitig an den Tankstellen einlaufen, um eine Überprüfung der Kunden unmöglich zu machen und damit die Sinnlosigkeit dieser Verordnung zu demonstrieren. Auch viele überregionale Medien berichteten über die politische Guerilla-Aktion, "und Horst Seehofer hat den Unsinn irgendwann einkassiert", erzählt Fischbach.

Auch im Gemeinderat aktiv

Gesetzesverschärfungen auf Kosten der Bürgerrechte lehnt der 29-Jährige entschieden ab, weshalb er schon als Student eine Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung initiiert hat und vor kurzem auf einer parteiübergreifenden Kundgebung gegen das neue Polizeiaufgabengesetz als Redner aufgetreten ist. Seit 2013 sitzt Fischbach auch im Gemeinderat von Effeltrich (Landkreis Forchheim), dem Wohnort seiner Eltern, wo er das kommunalpolitische Klein-Klein kennengelernt hat.

Natürlich gibt sich die Nachwuchshoffnung der mittelfränkischen FDP zuversichtlich, was den Wiedereinzug seiner Partei ins Maximilianeum betrifft, doch über mögliche Koalitionen mit der CSU und anderen Partnern will er nicht spekulieren. Mit Söders "Haudrauf- und Showpolitik" werde das schwierig, meint Fischbach und erinnert an den Kreuzerlass des Ministerpräsidenten. "Rückwärtsgewandter kann man eine Amtszeit eigentlich nicht beginnen."

ANDRÉ AMMER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen