Montag, 27.01.2020

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Main-Donau-Kanal: Schlaglöcher gefährden Radler

Der Betriebsweg am Rand des Kanals sieht stellenweise wild aus - 06.08.2019 06:00 Uhr

Am Fürberger Steg begutachten (v.li.) ACE-Kreisvorsitzender Manfred Rühl, die Bundestagsabgeordneten Martin Burkert und Carsten träger sowie der ACE-Regionalbeauftragte Matthias Penkala den Weg. © Volker Dittmar


Wer von Fürth aus mit dem Fahrrad ohne Umwege nach Erlangen oder in Nürnbergs Süden kommen will, braucht nur dem Main-Donau-Kanal zu folgen. Die Fahrt ohne Kreuzung und Autoverkehr ist dennoch nicht das reinste Vergnügen. Denn auf dem nur geschotterten Betriebsweg lauern jede Menge Schlaglöcher, die unvorsichtigen Radlern leicht zum Verhängnis werden können.

Das für den Unterhalt zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Nürnberg weist mit einer Pressemitteilung darauf hin, dass Fußgänger und Radfahrer zwar willkommen seien, die Betriebswege aber in erster Linie dem Unterhalt der Wasserstraße und Hilfeleistungen bei einer Havarie dienten.

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Dass bei ihrer Behörde schon wiederholt Kommunen einen besseren Ausbau angeregt haben, erläutert Amtssprecherin Ewa Wisniewski auf Anfrage der FN. Es seien jedoch Einzelfälle. Über Ausführung der Arbeiten und Kostenverteilung müsse individuell entschieden werden. Nach der jüngsten Kanalinstandsetzung im Frühjahr wurde in Fürth – ganz ohne städtischen Anstoß – der kaum benutzte Betriebsweg neben der Südwesttangente neu befestigt.

Am gegenüberliegenden Ufer, wo sich der Radverkehr wegen der weitaus besseren Zufahrtsmöglichkeit konzentriert, sieht es hingegen stellenweise wild aus. Unter der Graf-Stauffenberg-Brücke zum Beispiel schütteln Querrillen in Serie die Radler mächtig durch. Wer hier über keine breiten Reifen und Federung verfügt, braucht eine gute Fahrpraxis, um sicher im Sattel zu bleiben.

Gefährliche Begegnungen

Weil sich im weiteren Verlauf die Schlaglöcher vor allem auf der Uferseite des Weges befinden, weichen ängstliche Radler immer wieder nach links aus – und kommen dann dem Gegenverkehr in die Quere. Wolfgang Schulz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) in Fürth hat solche gefährlichen Begegnungen schon oft erlebt. Den Ausbau des Betriebswegs hält auch der Fürther Kreisvorsitzende des Auto Clubs Europa, Manfred Rühl, für überfällig. Und für den ACE-Regionalbeauftragte Matthias Penkala rentiert er sich verkehrspolitisch allemal.

Gute Nachricht aus Nürnberg: Zumindest abschnittsweise ist die Instandsetzung des Betriebswegs auf der Westseite nach Angaben von Ewa Wisniewski derzeit in Planung. Dass im Frühjahr die Ostseite vorgezogen wurde, erklärt die Amtssprecherin mit dem größeren Schadensausmaß dort.

Mit Flickwerk will sich Rühl allerdings nicht zufriedengeben. Rückendeckung hat der Burgfarrnbacher jetzt von der Politik bekommen. Sowohl der Verkehrsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Burkert aus Nürnberg, als auch sein Fürther Kollege Carsten Träger regen nach einer Inspektion der Schäden an, über einen soliden Ausbau nachzudenken. Der Bund hat laut Burkert speziell für Radwege an Kanälen heuer 1,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie Schulz meint. Zudem: Um Fördermittel anzapfen zu können, muss die Kommune 50 Prozent der Ausbaukosten übernehmen.

Komfortabler für die Stadt wäre nach Trägers Worten der Ausbau zum Radschnellweg. Denn hier übernehme der Bund die Kosten komplett. 200 Millionen Euro pro Jahr stünden dafür zur Verfügung. 180 Schnellwege konnten seit 2016 bereits realisiert werden.

Geländer wären nötig

Ganz so einfach ist der Ausbau allerdings nicht. Denn stellenweise müssten Geländer als Absturzsicherung auf die Kanalmauer gesetzt werden. Auch wären Anschlüsse an etliche Straßenbrücken erforderlich. Und schließlich müsste geklärt werden, wer die Unterhaltslast trägt und im Winter beispielsweise den Räumdienst stellen muss.

Ein Risiko für den Schnellweg sieht der städtische Verkehrsplaner Matthias Bohlinger in den Fußgängern. Für Mischverkehr müsste der Weg breiter sein. Zudem sei er bei den regelmäßigen Instandhaltungsarbeiten nur eingeschränkt benutzbar. Bohlinger verweist jedoch auch auf den nationalen Radverkehrsplan, der die Förderung des Fahrradverkehrs an Bundeswasserstraßen ausdrücklich vorgibt.

Bei einer städtischen Machbarkeitsstudie sind nach Angaben des Verkehrsplaners schon früh Bedenken gegen den Ausbau des Kanal-Betriebsweg als Radschnelltrasse aufgekommen. Doch auch eine alternative Führung im Flusstal sei wegen der Überschwemmungsgefahr nicht ideal und entlang der Erlanger und Stadelner Hauptstraße stünden etliche Problemzonen dem gefahrlosen Fortkommen im Wege.

Erst im Juni hat der städtische Bauausschuss deshalb für 30.000 Euro vertiefende Untersuchungen über die Führung möglicher Schnellwege nach Nürnberg/Erlangen und in den Landkreis in Auftrag gegeben.

Volker Dittmar

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